Volkskunst aus dem Erzgebirge

Volkskunst aus dem Erzgebirge (Bild: M.Trautmann)

Der Schwibbogen

Atemberaubend schön strahlen die Schwibbögen in den Fenstern eines jeden Hauses. Kaum ein Fenster ist zu erblicken, in welchem kein Schwibbogen steht. Manch einer mag es Energieverschwendung nennen, doch wer schon einmal diesen weihnachtlichen Glanz und diese Wärme sehen durfte, wird verzaubert sein.

Seinen Namen erhielt der Schwibbogen aufgrund seiner Form. Als sogenannter Schwebe- oder Strebebogen ist er auch in der Architektur zu finden. Die ersten Schwibbögen waren ausschließlich aus Metall und hatten vorwiegend religiöse Motive. Alltägliche Motive wurden erst Anfang des 19. Jahrhunderts verwendet. Das heute bekannteste Motiv, zwei Bergmänner zu dessen linker und rechter Seite eine Klöpplerin sitzt, entstand 1937.

Das Räuchermännchen

Mitte des 19. Jahrhunderts entstand im erzgebirgischen Seiffen das erste Räuchermännchen. Als Erfindung der Spielzeugmacher dient es zum Abbrennen von sogenannten Räucherkerzen. Bereits die Heiligen Drei Könige überbrachten dem Jesuskind Gold, Myrrhe und Weihrauch. Daher gehört der Weihrauch-Duft, der über die Räucherkerzchen verbreitet wird, zum Weihnachtsfest dazu.

Der Genuss von Tabak gehörte Mitte des 19. Jahrhunderts zum öffentlichen Leben und war sehr populär. So verwundert es nicht, dass das Räuchermännchen alsbald seinen Siegeszug um die Welt antrat. Die figürlichen Vorbilder, in Form von Bergmännern, Waldarbeitern, Förstern und alle anderen traditionellen Berufe, stammen aus dem Leben der Erzgebirgler. Aber auch Weihnachtsmänner, Wichtel und Schneemänner werden hergestellt.

Das Räuchermännchen besteht aus zwei Teilen. Aus einem kleinen Sockel mit Beinen für die Räucherkerze und einem hohlen Oberkörper mit Kopf und Armen. Der Hohlraum verengt sich am oberen Ende zu einer "Röhre", die durch den Kopf zur Mundöffnung führt. Wird eine Räucherkerze an seiner Spitze angezündet und ins Räuchermännchen gestellt, zieht der sich entwickelnde Rauch nach oben durch die Mundöffnung nach draußen.

Weihnachtspyramide

Weihnachtspyramiden konnte man bereits im 18. Jahrhundert in den hiesigen Kirchen finden. Göpelwerke oder auch Schachtförderanlagen, bei denen Erze mittels Pferde- oder Wasserkraft aus der Grub gefördert werden, dienten hier als Vorbild.

Auf einer oder mehreren Plattformen drehen sich kleine Figurengruppen, welche die Weihnachtsgeschichte, Bergleute, Waldleute oder Engel darstellen. Durch flache oder steilere Flügel lässt sich die Geschwindigkeit bestimmen, welche ursprünglich durch die aufsteigende Wärme der Kerzen erzeugt wird. Seit dem 20. Jahrhundert gibt es die Erzgebirgischen Weihnachtspyramiden auch mit elektrischen Licht und Motor, bei welchen sich die Drehgeschwindigkeit jedoch nicht beeinflussen lässt.

Nussknacker

Als Erfinder und erster Produzent des typisch erzgebirgischen gedrechselten Nussknackers gilt Wilhelm Friedrich Füchtner aus Seiffen. Zum Vorbild nahm er sich den Nussknacker aus "König Nussknacker und der arme Reinhold", einem 1851 von Dr. Heinrich Hoffmann geschriebenen Bilderbuch.

Durch die weit verbreitete Drechselkunst konnten die Nussknacker schnell in großer Stückzahl hergestellt werden. Dadurch war es möglich, sie zu einem erschwinglichen Preis zu vertreiben. Als Volkskunst gehört der erzgebirgische Nussknacker zu den Dekorationselementen. Im Gegensatz zum allgemeinen Nussknacker ist es nicht möglich, mit seinem Verwandten aus dem Erzgebirge Nüsse zu knacken.

In drei verschiedenen Varianten sind die traditionsreichen Weihnachtssymbole erhältlich: Den zwischen 20 und 50cm hohen großen Nussknackern, den 10-16cm hohen Miniatur-Nussknackern und den Olbernhauer Reiterlein-Nussknackern.

Engel und Bergmann

Ihren Ursprung im Bergbau haben auch die Lichterfiguren Engel und Bergmann. Bereits im Mittelalter wurden sie in den Kirchen anstelle von Altarleuchten als Kerzenständer verwendet. Der Bergmann mit seiner Uniform und Werkzeugen stellt den Bergmann als solchen dar. Durch die harte Arbeit unter Tage mit wenig Licht, wurde die Sehnsucht nach Licht und Wärme in der dunklen und kalten Jahreszeit fester Bestandteil aller Erzgebirgler.

Mit den Gefahren des Bergbaus und dem zu jener Zeit tiefen christlichen Glauben gingen die Erzgebirgler auf ihre eigene Art und Weise um und erschufen Lichterfiguren. Die Kerzenhalter sollten den zumeist jungen Burschen nach der Arbeit unter Tage einen sicheren Heimweg weisen. So entstanden die Motive Engel und Bergmann.

Später entwickelte sich das Paar "Engel und Bergmann" auch als Adventsleuchter. Bis zum heutigen Tag stellen sie die Anzahl der Söhne und Töchter einer Familie dar. Sie werden in der Vorweihnachtszeit in die Fenster gestellt. Noch heute ist es im Erzgebirge Brauch, den Töchtern zu Weihnachten Engel-Lichterfiguren zu schenken und den Söhnen Bergmänner.

Viele traditionsreiche Familienunternehmen stellen seit Generationen wunderschöne erzgebirgische Volkskunst her. Der Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller e.V. stellt eine Liste über zertifizierte Hersteller Erzgebirgischer Volkskunst bereit. Wer die Wahl hat, hat die Qual! Bei der Vielfalt der Hersteller und deren Angebot, fällt es nicht leicht eine Auswahl zu treffen. Aus diesem Grund bieten einige Hersteller Gutscheine an, welche man zusammen mit einer traditionellen Weihnachtskarte verschenken kann.

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