Unterscheidung in Verluste und Verschwendung

Dem wachsenden Problem der Lebensmittelverschwendung ist die Food and Agriculture Organization of the United Nation (FAO), in Zusammenarbeit mit dem Swedish Institute for Food and Biotechnology (SIK), nachgegangen. Die Studie "Global Food Losses and Food Waste", die von August 2010 bis Januar 2011 durchgeführt wurde, zeigte alarmierende Fakten und Zahlen auf und bildete seinerzeit die Grundlage für den internationalen Fachkongress "Save Food", der 2011 zum erstenmal in Düsseldorf stattfand und dem inzwischen zwei weitere Kongresse folgten.

Die Studie weist auf die großen Verluste hin, die in der gesamten Lebensmittelkette auftreten und unterscheidet dabei zwischen Lebensmittelverlust und Lebensmittelverschwendung.
In den Entwicklungsländern entstehen Verluste meist durch niedriges Technologie-Niveau in Produktion, Ernte, Kühlung und Lagerung und schlechte Infrastruktur. Auch mangelt es an Management- und Marketing-Kenntnissen sowie Kapital für Investitionen in modernere Lebensmittel-Produktionssysteme.

In den Industrieländern liegt das Problem mehr in der Lebensmittelverschwendung, wobei Geschäfte und Verbraucher hieran gleichermaßen Schuld tragen. Viel zu oft wird noch essbare Nahrung in den Müll geworfen. Pro Kopf und Jahr sind das in Europa und Nordamerika zwischen 82 und 115 Kilogramm, während die Menge im südlich der Sahara liegenden Afrika sowie in Süd-/Südostasien nur bei 6 bis 11 Kilogramm liegt.

Hinzu kommt, dass die Industrieländer (inzwischen aber auch China, Indien, Saudi Arabien) immer mehr die Ressourcen anderer Kontinente nutzen - ihr Land, ihre Arbeitskraft, ihr Wasser. 
Landgrabbing ist für viele Länder mittlerweile die beste Kapitalanlage geworden. Manche Kritiker, unter anderem Jean Ziegler, nennen diesen im großen Stil praktizierten Landraub schon den neuen Kolonialismus. Er wird zwar von vielen Nichtregierungsorganisationen abgelehnt, aber dennoch weiter praktiziert.

Pro Jahr geht weltweit schätzungsweise ein Drittel der für den menschlichen Verzehr bestimmten Lebensmittel - etwa 1,3 Milliarden Tonnen – verloren beziehungsweise wird weggeworfen.

In einer TV-Dokumentation "Alles im Eimer – Lebensmittelverschwendung in Deutschland" heißt es: "Die Menge an Lebensmitteln, die in Europa und Nordamerika pro Jahr weggeworfen wird, würde dreimal reichen, um alle Hungernden in der Welt zu ernähren!"

Angesichts dieser gewaltigen Mengen haben die Vereinten Nationen das Ziel formuliert, die Lebensmittelverschwendung bis zum Jahr 2030 zu halbieren!
Dem Ziel verpflichtet sich auch Deutschland durch gemeinsame Strategien von Bund und Ländern. In diesem Zusammenhang ist die Plattformen Lebensmittelwertschätzen entstanden.

Überbetonung der Optik von Lebensmitteln

Im Einzelhandel werden große Lebensmittel-Mengen verschwendet, weil Qualitätsstandards das Äußere eines Lebensmittels überbetonen. Umfragen haben ergeben, dass Verbraucher aber durchaus bereit sind, Produkte zu kaufen, die nicht diesen hohen Standards entsprechen, so lange sie sicher sind und gut schmecken. Kunden haben die Macht, Qualitätsstandards durch ihr Verhalten zu beeinflussen.

Durch direkten Verkauf der Produkte an die Konsumenten, zum Beispiel in Hofläden oder auf Bauernmärkten, könnten diese Qualitätsstandards umgangen werden. Die FAO regt zudem an, möglichst mehr Produkte, die sonst weggeworfen werden, an Wohlfahrts-Organisationen abzugeben.

Das geschieht hierzulande auch. Ohne die Lebensmittel-Spenden an die städtischen Tafeln ginge es vielen armen Menschen, die von Sozialhilfe leben, Rentnern und Rentnerinnen mit geringem Altersruhegeld, Flüchtlingen und Alleinerziehenden vermutlich schlechter. Dennoch ist es tragisch, dass es so etwas in einem wohlhabenden Land wie Deutschland überhaupt geben muss.

 

Der andere Weg, mit Überfluss umzugehen

Immer mehr Menschen ist die Verschwendung noch essbarer Lebensmittel schon lange ein Dorn im Auge. So trifft man - entsprechend amerikanischem Vorbild - auch in deutschen Großstädten nachts häufiger Mülltaucher oder Containerer an - Menschen, die von dem leben, was die Müllcontainer der Supermarkt-Hinterhöfe hergeben. Dabei steht finanzielle Not meist nicht im Vordergrund, sondern viel mehr eine politisch motivierte Lebenseinstellung. Aus rechtlicher Sicht handelt es sich bei diesen Aktionen um Straftaten.

Änderung des Konsumverhaltens

In der Regel werden Verbraucher in den reichen Industrieländern dazu ermuntert, mehr Nahrung zu kaufen als sie eigentlich brauchen. "Kauf drei, zahl zwei", übergroße Portionen bei Fertiggerichten oder "Essen, so viel wie sie mögen zum Festpreis" sind nur ein paar Beispiele dafür. Die Studie zeigt auch auf, dass Konsumenten häufig daran scheitern, ihre Lebensmittel-Einkäufe richtig zu planen und dass zu oft Ware noch vor dem Verfalldatum weggeworfen wird.

Laut der FAO sollte eine Änderung des Verbraucher-Verhaltens in den reichen Ländern mit politischen Initiativen und Aufklärung in den Schulen beginnen. Das Wegwerfen von Nahrung sei einfach nicht länger akzeptabel. Es sollte zudem das Bewusstsein dafür geschult werden, dass es - aufgrund begrenzter Verfügbarkeit von natürlichen Ressourcen und wachsender Weltbevölkerung - wesentlich wirkungsvoller ist, Lebensmittelverluste zu reduzieren als die Lebensmittelproduktion zu erhöhen.

Fatal sei auch die Ökobilanz der Wegwerfgesellschaft, so der Greenpeace-Agrarexperte Martin Hofstetter. Die Produktion eines Kilogramm Nahrungsmittel verursache im Schnitt cirka ein Kilogramm Treibhausgas. Allein die Reduzierung der weltweiten Lebensmittel-Verschwendung um die Hälfte trüge erheblich zur Verbesserung des Klimas bei.

In Deutschland, wo nach Schätzungen jedes Jahr bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen, hat das Umdenken bereits begonnen.

Die Welthungerhilfe gibt viele wertvolle und leicht umsetztbare Tipps, wie Verbraucher, Schüler und Studenten mit dazu beitragen können, die Lebensmittel-Verluste zu minimieren.

Autor seit 5 Jahren
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