Der alte Knacker im Handwerk der Flachs- und Leinspinner

Zuerst mußte der Lein aus Flachs gewonnen und zu einem Faden gesponnen werden. Anschließend musste er auf eine Haspel gewickelt werden. Damit das Garn in den Verkauf an Wollsammelstellen gelangen konnte, mußte gewährleistet sein, dass die Fäden auf allen Garnspulen die gleiche Länge hatten. Um das sicher zu stellen, besaß die Haspel ein einfaches Zählwerk, das nach einer bestimmten Länge einmal knackte. Deshalb wurde eine Haspel mit dem Knackzählwerk Knackhaspel genannt. Bei dieser Haspel brauchte man nur das Knacken zu zählen und konnte damit die Länge des Fadens genau bestimmen. Oft wurde mit dem Aufhaspeln der Altbauer oder Opa betraut. Wer meist schlecht sah und auch sonst für schwerere Arbeiten nicht mehr geeignet war, dem aber die leichte Arbeit an der Haspel noch zuzumuten war, wurde so zum alten Knacker.

Verschiedene Arten von Haspeln

Neben den in der früheren Landwirtschaft am gebräuchlichsten gewesenen Knackhaspeln gab es noch die Klopfhaspel und die Klickhaspel. Bei den Klopfhaspeln fällt nach einer bestimmten Anzahl von Umdrehungen der Haspel ein kleines Hämmerchen und klopft, bei den Klickhaspeln wird nach einer bestimmten Anzahl von Haspelumdrehungen ein Klicken hörbar, das anzeigt, dass der auf die Haspel aufgedrehte Faden eine bestimmte Länge erreicht hat. Daneben gab es auch noch Uhrenhaspeln, bei denen sich die Zeiger weiterdrehten, wenn die gewünschte Fadenlänge erreicht war.

Die verschiedenen Haspelarten wurden auch zum Teil miteinander kombiniert, um den alten Knackern ihre leichte Arbeit weiter zu erleichtern.

Die Arbeitsschritte beim Flachsanbau und das "Hecheln"

Bis zur Hochblüte der industriellen Revolution mit der fabrikmäßigen Fertigung von Webwaren wurden Stoffe per Hand hergestellt.

Zur Ernte wurde der Flachs mitsamt Wurzel ausgerauft und dann geriffelt, also die Samenkapseln entfernt. Die nächsten Arbeitsgänge hießen Rotten, Darren, Brechen und Schwingen. Sie dienten dazu, in aufeinanderfolgenden festgelegten Schritten die Flachsfasern vom Holz zu trennen. Anschließend mußte der Flachs mit Kämmen aus Stahl in die einzelnen Flachsfasern geteilt werden. Dieser Schritt hieß Hecheln. Das Hecheln geschah meist in großer Runde und war für die ländliche Bevölkerung willkommene Gelegenheit, alle Themen "durchzuhecheln". Das konnten alltägliche oder aktuelle Ereignisse sein, aber auch die aktuellen zwischenmenschlichen Beziehungen.

Nach dem Hecheln wurde aus den Fasern ein Faden gesponnen. Da das Spinnen meist zum Feierabend im Hause geschah, trafen sich Alt und Jung oftmals in großer geselliger Runde. Beim Nachhausetragen der Spinnräder sollen früher viele Ehen und spätere Geburten begründet worden sein.

 

 

Dann wurde das Garn aufgespult und gehaspelt. Das Haspeln war wichtig, um gleiche Garnlängen zu garantieren. Hatte sich der alte Knacker beim Haspeln trotz der Knackzählung einmal verzählt oder einen sonstigen Fehler fabriziert, also verhaspelt, mußte der Arbeitsgang wiederholt werden.

 

 

Abschließend folgten dann die Arbeitsgänge Bleichen und Weben. Den Bleichvorgang selbst übernahm die Sonne, die den auf den Wiesen ausgebreiteten Stoff bleichte. Die Kontrolle über das Bleichen oblag den Kindern, denn die Gänse hatten nichts Eiligeres zu tun als sich auf den ausgebreiteten Stoffen niederzulassen und Exkremente abzusetzen.

 

 

"Gänse vertreiben" hieß deshalb das den ganzen Tag ausfüllende Motto trotz des anstrengenden Schulunterrichts, der meist vom als Lehrer fungierenden Küster erteilt wurde

Die einzelnen Bilder zu diesem Artikel

Alle Fotos (© Axel Alm) entstanden Im Freilichtmuseum Molfsee vor den Toren der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt Kiel.

Titelfoto: Eine alte Haspel für den alten Knacker

Zum Stichwort Haspeln: Eine Haspel aus der Weberei des Museums

 

 

 

 

Ein alter Webstuhl aus der Weberei des Museums

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Waschtag bei "Bauerns"

 

 

 

 

Blick in ein Klassenzimmer, wo der Unterricht stattfand, wenn nicht gerade Erntezeit war oder sich die Gänse auf der frischen Webware ausruhen wollten.

Autor seit 3 Jahren
248 Seiten
Laden ...
Fehler!