Quolls, Tüpfelbeutelmarder

Tiger quoll (Bild: pierre pouliquin / Flickr)

Quolls? Tüpfelbeutelmarder?

Diese Bezeichnungen rufen ein Fragezeichen auf die Stirn des interessierten Tierfreundes. Durch den Leipziger und den Frankfurter Zoo und seine Tiere lässt sich diese Wissenslücke leichter schließen.

Ein Blick in die Systematik der Beuteltiere

  • Klasse Säugetiere (Mammalia)
  • Unterklasse Beutelsäuger (Metatheria oder Marsupiala)
  • Überordnung Australiadelphia
  • Familie Raubbeutler (Dasyuridae)
  • Gattung Beutelmarder (Dasyurinae)

Es gibt diese Arten:

  • Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus)
  • Fleckschwanz-Beutelmarder (Dasyurus maculatus), der einzige Beutelmarder mit geflecktem Schwanz. Er ist der größte Beutelmarder (40-70 cm Kopf-Rumpflänge)
  • Zwerg-Beutelmarder (Dasyurus hallucatus)
  • Schwarzschwanz-Beutelmarder (Dasyurus geoffroii)
  • Dasyurus spartacus, Lebensraum Papua-Neuguinea
  • Neuguinea-Beutelmarder (Dasyurus albopunctatus)

Alle Arten leben in voneinander getrennten Lebensräumen.

Ein bisschen Beutelsäugergeschichte? Warum nicht!

Die Beuteltiere (Beutelsäuger) sind eine hoch interessante Unterklasse der Säugetiere

  • Die Beuteltiere gehören neben
  • den Kloakentieren und
  • den Plazentatieren zu den drei großen Säugetier Unterteilungen (Unterklassen).

Sie unterscheiden sich von den eierlegenden Ursäugern, den Kloakentieren (Monotremata) dadurch, dass bei ihnen die Urogenitalöffnung und die Analöffnung bereits durch einen Damm getrennt sind. Das Wachstum des noch unterentwickelten Jungen geschieht im Beutel (Marsupium), in dem sich auch die Milchdrüsen und Zitzen befinden. Die Milch wird aktiv von den Zitzen eingespritzt.

Vier Minuten zum Überleben

Vier Minuten, sagen die Forscher, haben die neu geborenen unterentwickelten Jungen Zeit, um sich mit ihren Vorderpfoten (die als einziges fertig entwickelt sind) vom Geburtskanal bis zur Milchzitze zu robben. Die Mutter beleckt unmittelbar vor der Geburt ihren Bauch bis zum Beutel und legt so quasi eine Geruchsspur für ihre Babys. Einmal sicher im Beutel gelandet und Zitze gefunden und sie haben für Wochen ausgesorgt.

Wer sind nun also die Beutelmarder? Nicht zu verwechseln mit den Echten Mardern. 

Eastern Quoll (Dasyurus viverrinus) (Bild: sontag1 / Flickr)

Wo gibt es die Tüpfelbeutelmarder, die Quolls? Wie sehen sie aus?

Ihr Vorkommen ist auf Australien, Tasmanien, Neuguinea und den umliegenden Inseln.

  • Sie sind wiesel- bis waschbärengroß, olivgrau bis schwarzbraun gefärbt. In der Größe schwanken die einzelnen Arten von 17 bis 75 cm mit einem langen, eher dünnen Schwanz. Nur der Schwanz des Fleckenschwanz-Beutelmarders/Tiger-Quolls (Dasyurus maculatus) ist (siehe sein Name) gefleckt.
  • Die Beine sind kräftig und die Zehen sind mit langen Krallen versehen. Die Vorderfüße sind als Hände zum Greifen ausgebildet. Die Ohren sind mittelgroß, fast durchscheinend und beweglich.
  • Das Raubtiergebiss überzeugt einen sofort davon, dass dies keine Streicheltiere sind. Weibliche Beutelmarder haben am Bauch einen Beutel, der aber meist nur in der Zeit der Jungenaufzucht deutlich entwickelt ist. Je nach Art sind sie Bodenbewohner, aber auch geschickt kletternd unterwegs.

Verbreitung: Tasmanien. Auf dem Australischen Festland (Südaustralien) gelten sie bereits als ausgestorben.

Wie leben die Quolls?

Die Tiere sind dämmerungsaktiv. Tagsüber sind sie eher träge unterwegs. Die großen Augen zeigen bereits ihre Vorliebe für das Dämmerlicht. Neugierig, verspielt, mit ständig aufmerksam sich bewegenden Ohren und einer immer schnuppernden Nase sind sie auf Beutefang unterwegs. Ihr Lebensraum sind bevorzugt Wälder, aber auch offene Flächen, wo Bäche vorhanden sind. Von den ersten Ansiedlern in Australien wurden die Tiere fast ausgerottet, weil sie sich über das Geflügel hermachten.

 

Wie ernähren sich die Tüpfelbeutelmarder?
In der Wildbahn ernähren sich die bis zu 2 kg schweren Tiere von Insekten, Würmern, Fröschen, Echsen, Vögeln und kleineren Säugetieren bis zu ihrer eigenen Körpergröße.Dazu werden auch Früchte, Beeren und Samen nicht verschmäht. (JACKSON, 2003).

Die Kinderstube der kleinen Tüpfelmarder

Ihre Nester bereiten die Quolls in Felsspalten Höhlen oder in alten Bäumen. Die Jungen werden im australischen Winter nach einer Tragezeit von elf Tagen zwischen Mai und August geboren. Wie bei allen Beuteltieren sind die Jungen nur gering entwickelt. Das Neugeborene wird haarlos, blind und taub geboren. Nur die Vordergliedmaßen sind bereits voll entwickelt. Mit diesen wühlt sich das Baby durch das Fell der Mutter um in den schützenden und nährenden Beutel zu gelangen (oben angeführte 4 Minuten). Die Mutter hat in ihrem Beutel maximal sechs Zitzen, werden mehr Junge geboren, kommen die überzähligen, die es nicht als erste an die Zitzen schaffen, leider um.

Mit elf Wochen öffnen die Babyquolls die Augen, nach vier Wochen verlassen sie erstmals den Beutel. Dann krallen sie sich gerne auf dem Rücken der Mutter fest, die sie so auf ihre Beutezüge mitnimmt. Mit vier Monaten beginnen sie unabhängig zu werden und im Alter von einem Jahr sind sie geschlechtsreif.

Tüpfelbeutelmarder haben eine Lebenserwartung von etwa drei bis maximal fünf Jahren. Die Fortpflanzung ist auf die ersten beiden Jahre beschränkt (Quelle PM Zoo Leipzig, 19.10.2011).

Handaufzucht Quolls

Wie die Quolls zu ihrem Namen kamen

Captain Cook, einer der Ersten, der die australische Fauna zu Gesicht bekam, betitelte diese Tiere nach dem Aboriginal Namen "Quolls".

Die ersten europäischen Siedler des australischen Kontinents hielten sie für einheimische Katzen, daher auch der englische Name "Native Cats".

Der erste Zoologe, der die Beutelmarder wissenschaftlich beschrieb, war der Franzose Étienne Geoffroy Saint Hillaire (1796). Er benannte die Familie nach ihrem deutlichsten Merkmal, dem "haarigen Schwanz" Dasyurus; (gr. dasus=haarig und oura=Schwanz).

Als erste Art beschrieb er den "Tiger Quoll", den Fleckschwanz-Beutelmarder (Dasyurus maculatus), die einzige Art mit getüpfeltem Schwanz, zählte ihn aber irrtümlich zu der Familie der Opossums. Auch in Brehms Tierleben 1883 fand der Tüpfelbeutelmarder Eingang.

Die Tüpfelbeutelmarder im Zoo Leipzig - Gondwanaland lässt grüßen!

Der Zoo Leipzig hatte das Privileg europaweit die einzigen Quolls außerhalb Australiens in seinem Bestand zu erhalten*. Erstmals seit mehr als 35 Jahren wurde erfolgreich in Europa gezüchtet. Bereits 2011 gab es die ersten Jungtiere in Leipzig. Sie wurden im Vulkanstollen der Tropenerlebniswelt Gondwanaland geboren. Damit hatte die neu eröffnete Tropenhalle ihren ersten prominenten Säugetier-Nachwuchs. "Wir sind stolz auf diese Nachzucht. Sie ist Ausdruck dafür, dass wir in Gondwanaland beste Bedingungen für die Bewohner geschaffen haben.", betonte Zoodirektor Dr. Jörg Junhold. (Quelle Zoo Leipzig)

Da die erfolgreiche Haltung, aber auch Zucht der kleinen Beuteltiere äußerst schwierig sind, musste der Zoo Leipzig besondere Kriterien erfüllen, um Tiere überhaupt zu bekommen. Der Erfolg zeigte, dass man gut gewählt hat.

Für Mutter und Kinder gibt es einen Verhaltenskodex im Zoo
Um die Aufzucht der Jungtiere nicht zu stören, bleiben die Mutter mit den Kleinen vorerst im rückwärtigen, nicht einsehbaren Bereich von Gondwanaland. Hier werden sie noch mindestens drei Monate lang gesäugt, verbleiben auch die längste Zeit noch im mütterlichen Beutel. Erst wenn sie beginnen den Beutel aus eigenen Stücken zu verlassen, erst dann können Besucher die putzigen Tiere im Gondwanaland sehen.

Dass dieses Muster erfolgreich ist, zeigen weitere Geburten und die Jungtiere wurden auf Zoos in Deutschland, Tschechien und Ungarn verteilt. *Alle in Europa gehaltenen Tüpfelbeutelmarder gehen auf die Leipziger Zucht zurück.

Tüpfelbeutelmarder haben eine Lebenserwartung von etwa drei bis maximal fünf Jahren. Die Fortpflanzung ist auf die ersten beiden Jahre beschränkt.

Bilder der jungen Quoll-Familie, die mit einer Handkamera von den Pflegern aufgenommen wurden, zeigte die Zoo-Doku "Elefant, Tiger & Co." 2011.

Foto: (c) Zoo Leipzig,

 

Wo kann man in Europa noch Quolls in Natura sehen?

In diesen europäischen Zoos gibt es die Quolls/Tüpfelbeutelmarder:

  • Zoo Leipzig, Gondwanaland
  • Zoo Frankfurt, Zoo-Seite
  • Zoo Budapest
  • Zoo Jihlava, Zoo-Seite Australische Farm (zugänglich seit April 2013) mit Kängurus, Papageien, einzigartigen Tüpfelbeutelmardern und Nachttieren.

Quellen

  • Zoo Leipzig
  • Bertelsmann Tierlexikon
  • Uni-Leipzig.de/Spezielle Zoologie
  • Quolls of Australia
  • Die Enzyklopädie der Säugetiere. National Geographic
  • Mein Bildlexikon Tiere, Weldon Owen; Xenos Verlag, 2013 Hamburg

 

Adele_Sansone, am 14.09.2017
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Bildquelle:
michael40001 / Flickr (Der Schnabel- oder Ameisenigel; ein Tier, das Eier legt)
https://www.flickr.com/photos/16014982@N00/5010230824 (Ein Wombat möchte man sein)

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