Wenn der Mensch die Äolsharfen und die Meeresorgel nicht spielt - wer tut es dann?

Äolsharfen, Meeresorgeln und Windspiele brauchen keinen Musiker, der auf ihnen spielt. Diese Instrumente werden von der Natur gespielt, Äolsharfen und Windspiele vom Wind, Meeresorgeln von Wasser.

Auch das "singende, klingende Bäumchen" gibt es nicht nur im Märchen und dem gleichnamigen Film.

Meeresorgeln - Zadar, San Francisco, Blackpool

Meeresorgel/Seeorgel in Zadar

Die Adria spielt die Orgel... so ist das zumindest in der Küstenstadt Zadar. Seit 2005 steht dort das Kunstwerk des kroatischen Architekten Nikola Baršić, die berühmte Meeresorgel von Zadar. Hierbei handelt es sich um 35 Röhren, die unter der Wasseroberfläche angeordnet sind und die sich durch die Meereswellen füllt. Die Meereswellen rauschen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit heran, produzieren also auch unterschiedlichen Druck in den Röhren und somit auch unterschiedliche Töne. Darüber sind breite Steinstufen angelegt, die ins Meer führen. Wer darauf geht, hört seinen Spaziergang von sphärischen Klängen begleitet. Hier ein Klangbeispiel.

 

Wellenorgel in San Francisco

In der Bucht von San Francisco steht die Wellenorgel. Sie wurde vom Exploratorium konstruiert und gebaut. Das Exploratorium ist ein Museum, das sich mit der Vermittlung von Gesetzmäßigkeiten der Naturwissenschaften beschäftigt. Der wissbegierige Besucher erhält hier einen Einblick in die Gewalt des Wassers und in die Geheimnisse von Druck und Klang.

 

Gezeitenorgel in Blackpool

An der Uferpromenade in Blckpool ragt die berühmte Gezeitenorgel über 15 Meter in die Höhe. 8 Röhren aus Stahl, Zink und Kupfer und 18 Orgelpfeifen sorgen für sphärische Klänge, wenn sich Wasser und Luft abwechseln und einen Druckwiderstand in den Röhren erzeugen. Während der Flut ist die Orgel lauter als während der restlichen Gezeiten.

Äolsharfen - Geisterharfe, Windharfe, Wetterharfe

Äolsharfen nennt man auch Geisterharfen, Windharfen oder Wetterharfen. Daraus wird schon deutlich, wer dieses Instrument spielt beziehungsweise, dass es der Mensch NICHT spielt. Wie von Geisterhand produziert das Instrument harmonische Klänge, die vor allem durch den Wind verursacht werden. Ein langer und schmaler Resonanzkasten bildet die Basis für eine Äolsharfe. Dieser wird dicht mit beliebig vielen Saiten bespannt, wahlweise hat er auch Schalllöcher. Die gleich langen Saiten sind auf denselben Grundton gestimmt. Die unterschiedliche Tonhöhe resultiert aus der unterschiedlichen Dicke der aufgespannten Saiten. Der Wind streicht über die Saiten und verursacht Luftwirbel, welche die Saiten zum Schwingen und Klingen bringen. Ein laues Lüftchen bringt leise Töne hervor, starker Wind entsprechend laute Töne.

 

In Indonesien und Südostasien lässt man Drachen steigen, die nach dem gleichen Prinzip funktionieren. Am Drachen wird ein Musikbogen befestigt, der dann oben in der Luft vom Wind "gespielt" wird und der Töne hervorbringt.

 

Um eine Äolsharfe zu sehen, müssen wir aber gar nicht so weit gehen. Im Rittersaal des Alten Schlosses in Baden-Baden steht derzeit Europas größte Windharfe mit einer Höhe von über 4 Metern und 120 Saiten.

Windspiele - und das singende, klingende Bäumchen

Der Singing Ringing Tree befindet sich in England, in der Grafschaft Lancashire. Im Dezember 2006 wurde die Skulptur dort enthüllt. Das Besondere an dieser Skulptur: Es handelt sich um eine musikalische Skulptur, die ohne menschliches Zutun Klänge erzeugt. Sie ist ein Bestandteil der Strömung der Environment-Kunst, bei der es darum geht, das Objekt und dessen Umgebung zusammen zu einem Kunstwerk zu verbinden bzw. eine Beziehung herzustellen.

Gleichzeitig handelt es sich beim singenden, klingenden Bäumchen um ein Panopticon, das heißt, um eine große Skulptur, die auch noch aus großer Entfernung gesehen werden kann und deshalb vorrangig auf Anhöhen platziert wird.

Die Architekten Mike Tonkin und Anna Liu entwarfen das singende, klingende Bäumchen und konstruierten das Gebilde aus waagerecht angeordneten Röhren aus Stahl. Wenn der Wind über die offenen Seiten der Röhrchen bläst, fängt er sich darin und produziert Töne, die durchaus mehrere Oktaven Umfang aufweisen können. Die Röhren wurden der Größe nach angeordnet und an der Unterseite mit Löchern versehen, um das singende, klingende Bäumchen wie ein richtiges Instrument zu stimmen. Feste Melodien lassen sich zwar nicht spielen, aber durch das Stimmen ergibt sich ein harmonisches Klangbild, wenn der Wind die Töne anschlägt.

Sophie1975, am 06.02.2013
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Bildquelle:
Donnaya (Gothic, Mittelalter, Dark Metal - Musik außerhalb des Mainstreams)
Peter Hamann ("The Discords" rocken das Haus in Fiefbergen)

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