Stadt und Land

Die Bewohner von größeren Städten können mit der Längenangabe von einem Hektar oft nichts mehr anfangen. Eine 75-Quadratmeter große Wohnung ist teuer genug und oft das Maß aller Dinge. Hektar hört sich nach Feld, Wald und Wiese an – also weit draußen auf dem Lande. In der Schule hat man es noch gewusst. Das menschliche Gehirn tendiert dazu, aktuell nicht benötigte Wissensinhalte in das Langzeitgedächtnis zu verschieben. Allerdings kann der Mensch die Erinnerungen mit geeigneten Maßnahmen wieder aktualisieren.

 

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Was also ist ein Hektar? Eine Maßeinheit der Fläche (1). Sie beziffert exakt 10.000 Quadratmeter (qm). Die Einheit wird tatsächlich vorwiegend in der Land- und Forstwirtschaft verwendet. Ein Hektar setzt sich alternativ aus 100 Ar zusammen. Ein Ar beinhaltet demnach 100 qm. Eine schicke Loft in ausreichender Größe kann der Hipster also schon geheimnisvoll mit einem Ar Wohnfläche angeben.

Das Werk eines Tages

Für die Miete oder den Kaufpreis muss der Yuppie dann entsprechend arbeiten und Geld verdienen. In früheren Zeiten benutzte man noch den Ausdruck von Morgen und Tagwerk. Ein Morgen als Flächenmaß beinhaltete um die 3000 Quadratmeter. Soviel Land konnte ein Bauer seinerzeit mit einem einscharigen Pflug umpflügen. Dabei war es gleichgültig, ob dieser Pflug von Pferden oder von Ochsen gezogen wurde (1) – nur einscharig musste der Pflug sein.

 

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Die unscharfe Angabe von circa 3000 qm rührt daher, dass sich die Potentaten im deutschen Flickerlteppich der letzten Jahrhunderte nicht einig werden konnten. Erst mit der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871 wurde die zuvor verwendete Einheit Morgen mit einem Hektar gleichgesetzt.

Maßeinheiten Wirrwarr

Die Vorfahren arbeiteten jedoch nicht nur einen Vormittag lang, sondern oft zehn Stunden und mehr am Tag. Ein Tagwerk umfasste, ähnlich wie die Einheit "Morgen", wiederum zwischen 2500 und 3500 Quadratmeter Land. Die geringen Unterschiede zwischen der Landfläche eines Morgens und eines Tagwerks können den Betrachter überraschen. Jedoch haben die Landesherren jener Zeit bei der Berechnung des Tagwerks die bäuerliche Arbeitszeit, die für das Melken benötigt wurde, mit etwa 30 Prozent der Tagesarbeitszeit in Ansatz gebracht.
Noch seltsamer erscheint dem heutigen Leser zudem die Vielzahl von Maßen wie Joch und Quadratfuß, die allesamt verschiedene Flächen benannten. Zu allem Überfluss unterschieden die Behörden in unterschiedlichen Landesteilen noch zwischen flachem und unebenem Gelände sowie mähbaren Wiesland.

 

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Eine Art von EU "Bananenverordnung" Anno 1879

Mit zunehmendem zwischenstaatlichem Handel zu Beginn der Industrialisierung ließ sich natürlich mit derart unterschiedlichen Maßeinheiten schlecht Außenhandel betreiben. Daher bestimmt eine internationale Behörde mit Sitz in Paris um das Jahr 1900 einheitliche Maße und Gewichte (1). Daraus hat sich für den deutschsprachigen Bereich (AT, CH, D) die Einheit des Hektar bewahrt. Eine entsprechende EWG-Richtlinie kennt nur die Einheit des Ar als offizielles Flächenmaß (2). Das Hektar ist inoffiziell weiterhin zugelassen.

Der Fußballplatz

Länderspiele und Europacup Begegnungen müssen nach den Richtlinien der UEFA bzw. der FIFA auf einem Spielfeld von 68 mal 105 Metern ausgetragen werden (3).

 

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Diese "krummen" Maße ergeben sich aus der Geschichte der Fußballplätze. In früheren Zeiten war im Innenraum eines Leichtathletikstadions das Fußballfeld angelegt. Die Architekten und die Platzwarte der Vergangenheit hatten bei der Planung der Spielfläche die Wahl zwischen 45 bis 90 Metern Breite und 90 bis 120 Metern Länge. Und diese orientierten sich in ihren mittleren Werten etwa der Größe von einem halben oder einem ganzen Ar.

Und so kam die Fußballwelt von ihren bäuerlichen Vorgängern zu den Maßen der heutigen Spielfelder.

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