Alle, die sich eine Musicalaufführung zum Ziel gesetzt haben, stehen erst einmal vor einem riesigen Berg von Aufgaben, die zum Teil parallel erledigt werden müssen. Doch gehen wir systematisch vor und fangen mit der Auswahl des Stückes an.

Auswahl des Stückes

Bei der Auswahl des Stückes gilt gerade für kleinere Produktionen:

Haltet euch vor Augen

  • wie groß das Ensemble ist, das ihr zur Verfügung hat und wie es sich zusammensetzt, z.B. arbeitet ihr mit Kindern oder mit Erwachsenen, habt ihr mehr Männer oder Frauen? Das alles ist relevant bei der Musicalauswahl
  • welche Instrumente ihr im Orchester (bei Live-Musik) zur Verfügung habt – oder braucht ihr Musik vom Band?
  • wie groß die Bühne ist
  • welche Möglichkeiten und wie viel Platz ihr für die Bühnengestaltung habt.

Wer unsicher bei der Auswahl ist, kann sich auch Ansichtsmaterial (Noten, Klangbeispiele etc. vom zuständigen Verlag (siehe weiter unten "Aufführungsrechte sichern") zuschicken lassen. Meist trifft man dort auf sehr kooperative Menschen.

Das Musical Joseph wird sehr gerne auf Laienbühnen gespielt. Jedes Jahr gibt es faszinierende Produktionen dieses Werkes. Es ist ideal, um sehr viele Mitwirkende darin unterzubringen, es bietet mitreißende Melodien, lässt viel Spielraum für farbenfrohe Kostüme und auch für verrückte Ideen.

Geballte Kreativität - das Organisationskomittee

Dann sollte ein Organisationskomittee gegründet werden, d.h. es muss festgelegt werden,

  • wer die Regie übernimmt
  • wer die Regieassistenz übernimmt
  • wer den Gesang für den Chor und die Solisten einstudiert
  • wer mit den Choreographien betraut wird
  • wer für die Requisiten zuständig ist
  • wer die Kostüme auswählt bzw. ändert und näht
  • wer ist für die Maske zuständig

Das Organisationsteam sollte sich dann daran machen, alle Details zum Stück auszuarbeiten, damit es den Mitwirkenden bei der Kick-Off-Runde vorgestellt werden kann.

Aufführungsrechte sichern

Wenn feststeht welches Musical aufgeführt werden soll, müsst ihr euch beim jeweiligen Verlag die Aufführungsrechte sichern. Bei vielen Andrew Lloyd Webber Stücken ist die Musik und Bühne in Wiesbaden der richtige Ansprechpartner.

Für viele Stücke von Michael Kunze ist es jedoch sehr sehr schwierig die Aufführungsrechte zu erwerben, da sie oft nicht für Amateurtheater zugelassen werden (z.B. Tanz der Vampire oder Rebecca). Hier gibt es leider genügend Beispiele von kleineren Bühnen, denen die Rechte verwehrt wurden. Daher gilt: erst anfragen, ob die Aufführungsrechte zu erwerben sind und wenn ja, was die Rechte kosten, dann den Vertrag abschließen und erst dann mit der Planung beginnen. Von dem jeweiligen Verlag, der für euer Stück zuständig ist, bekommt ihr auch die Noten für alle Stücke.

Noch ein Tipp am Rande: in 99% der Fälle dürfen die Partituren nicht einfach umgeschrieben werden, nur weil es für das Ensemble so besser wäre. Auch dürfen Stücke nicht nach Gutdünken gekürzt werden sondern müssen originalgetreu aufgeführt werden. Wer unsicher ist, fragt lieber beim Verlag nach.

Zur Musical-Aufführung geeignet - auch für Nicht-Profis
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Das Abenteuer beginnt - Kick-Off-Meeting

Wenn das Organisationskomittee feststeht, solltet ihr alle Beteiligten und Interessenten zu einer Informationsveranstaltung oder neudeutsch zu einem "Kick-Off-Meeting" einladen. Hier erklärt ihr euer Konzept und stellt grob die Handlung des Stückes und die zu besetzenden Rollen vor. Wenn es ein größeres Ensemble ist und die Besetzung der Rollen noch nicht klar ist, werden die Termine für die Castings und/oder Auditions vorgestellt. Auch die grobe Kulisse muss als Entwurf bereits ausgearbeitet sein.

Nehmt mich! - Casting/Auditions

Für die Auditions müssen Terminpläne ausgearbeitet werden, damit sich alle eintragen können, die daran teilnehmen möchten. Auditions können verschieden ablaufen. In der Regel studiert jeder, der die Rolle gerne übernehmen will, einen Song aus dem bevorstehenden Stück (oder nach Absprache einen Song seiner Wahl) ein und trägt ihn vor. Vorher muss natürlich geklärt worden sein, ob die Sänger am Klavier live begleitet werden können oder ob sie ein Playback auf CD mitbringen.
Wählt eure Solisten gut aus. Sie müssen nicht nur im Singen und Schauspielern überzeugen, sondern auch belastbar sein.

Wenn die Solisten für die Rollen ausgewählt wurden, organisiert ihr nochmals ein Meeting, bei dem ihr die geplante finale Besetzung (möglicherweise auch eine Zweitbesetzung) bekannt gebt.

Wer kann wann? Probenpläne...

Dann geht es an die Ausarbeitung von ausgefeilten Probenplänen, eine echte Herausforderung für Laientheater und Semiprofis. Denn, anders als bei den bezahlten Profis, ist es bei den Amateuren eine enorme Herausforderung, die Termine der Sänger und Tänzer zu koordinieren, die ja im realen Leben noch andere Pflichten haben. Für die Dauer der Musical-Einstudierung und der Aufführungen (was mehrere Monate bedeuten kann), müssen alle versuchen, beides unter einen Hut zu bekommen.

Versucht in den ersten Wochen und Monaten nicht, das Gesamtstück zu sehen, sondern brecht das Stück in seine Einzelkomponenten, d.h. probt einzelne Szenen und plant die Einzelproben nur mit den Darstellern, die für die jeweilige Szene benötigt werden.

Wer gleich mit dem gesamten Ensemble probt, strapaziert die Geduld der Darsteller um ein Vielfaches und läuft Gefahr, das sich im Ensemble eine schlechte Stimmung verbreitet. Das sollte man auf jeden Fall vermeiden, schließlich soll eine Produktion allen Spaß machen.

Daraus folgt: Erst wenn gesprochener Text, Schauspiel und Abläufe einer jeden Szene klar sind, kann man damit beginnen, die verschiedenen Szenen wie ein Puzzle zusammenzusetzen.

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen - Chor und Tänzer

Gesangsproben mit den Solisten sollten separat geprobt werden, ebenso die Chorproben. In Amateur-Musicaltheatern findet man sehr selten Tänzer, die auch gleichzeitig bühnenreif singen können und umgekehrt. Hier liegt auch der eklatanteste Unterschied zu den Profis, die in ihrer Ausbildung selbstverständlich beides lernen (für Interessenten z.B. Ausbildung an der stage art). Daher gibt es bei den Laien oft reine Tänzer, die nur den Mund zum Text bewegen und Chorsänger, die das große klangliche Volumen bringen, aber nur leichtere Choreografien zu lernen haben. Ihr solltet euch darüber im Klaren sein, dass es einen enormen Aufwand bedeutet, alles separat einzustudieren.

Ein weiterer Tipp: Es macht außerdem durchaus Sinn, mehrere rein musikalische Durchläufe (ohne Bühne) zu machen, da dabei sehr viel intensiver am Klangbild gearbeitet werden kann.

Es ist soweit - Gesamtproben

Gratulation, ihr habt einen großen Schritt in Richtung Musical-Aufführung getan. Die Szenen sitzen und es kann mit den Gesamt-Durchlaufproben begonnen werden. Nehmt euch für die ersten Male sehr viel Zeit und verzweifelt nicht, besonders wenn es sich um ein großes Ensemble von 30 bis 40 Leuten handelt. Erschwerend kommt nun auch noch die Organisation der Kulissen hinzu. Bei schnellen Szenenwechseln muss jeder Darsteller wissen, welchen Gegenstand er wann wegräumt und welche Requisite in der nächsten Szene gebraucht wird. Nach der ersten schweren Zeit werden die Proben nun von Mal zu Mal besser und flüssiger.

Tipp: Die ersten Gesamtproben erst einmal ohne Maske durchführen, das spart Zeit. Erst bei den letzten Gesamtproben sollten alle geschminkt und frisiert sein.

Schlechte Generalprobe - gute Premiere?

Hurra, es ist fast geschafft. Die erste Generalprobe steht an (für Zweitbesetzungen gibt es meist auch noch eine Generalprobe). Eine Generalprobe soll genauso lange dauern, wie auch die Premiere und alle anschließenden Aufführungen dauern sollen.

Meist ist es ratsam, die Probe ohne größere Unterbrechungen durchzuziehen, erstens, um alles in "Echtzeit" zu erleben und zweitens, um die Darsteller, die ihre Rolle eigentlich beherrschen, nicht unnötig nervös zu machen. Nur bei ganz großen Schnitzern und Unstimmigkeiten sollte der Regisseur auf eine Wiederholung der Szene bestehen.

Aktuelles bzw. Spielpläne 2014

Stuttgarter Theatre Center
führt jedes Jahr mehrere Musicals auf hohem Niveau auf

Jugend-Musicabühne Rietberg
spielt aktuell das Weihnachtsmusical: Drei Haselnüsse für Aschenbrödel

Freilichtbühne Donauwörth
hat jedes Jahr sowohl ein Erwachsenstück als auch ein Kinderstück

 

 

Toi-toi-toi- Die Premiere

Es ist selbstverständlich, dass alle Mitwirkenden ca. zwei Stunden vor Aufführungsbeginn da sein sollten. Schminken, Einsingen... braucht seine Zeit.
Lampenfieber ist normal, meist weicht die Anspannung nach der Anfangsszene einer Routine und es läuft so richtig rund. Toi-toi-toi wünscht man sich sowohl im Muscial als auch beim Theater und nicht vergessen, man spuckt drei mal andeutungsweise über die linke Schulter! Jetzt kann nun wirklich nichts mehr schief gehen!

Autor seit 5 Jahren
103 Seiten
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