Definitionen

Erst einmal sind ein paar Klarstellungen notwendig. Befragen wir schlaue Bücher mit Bedeutungserklärungen.

 a) Die Glosse war ursprünglich nur eine Randbemerkung, eine Erklärung schon bei mittelalterlichen Texten. Sie wuchs sich dann in der heute gebräuchlichen Form zum "witzigen, satirischen Kommentar zum Zeitgeschehen in Zeitungen und Zeitschriften" aus nach dem Fremdwörterbuch. Gutes Beispiel, obwohl auch oft mehr oder weniger gut gelungen: das "Streiflicht" in der Süddeutschen Zeitung.

 b) Die Anekdote ist demnach eine heitere Kurzgeschichte, die Charakteristisches einer oder mehrerer Personen oder Zeittypisches heraus arbeitet. Etwa wie ich es in meinem Buch "Mein andalusischer Gärtner" tat.

 c) Die Satire arbeitet schärfer, akzentuierter, kritischer, nimmt Ironie und manchmal Übertreibung (wie ich es hier in meiner Weihnachtsstressglosse etwa anwandte) zur Hilfe. Sie ist nicht nur auf ein schriftstellerisches Ergebnis beschränkt, sondern nimmt auch wie in der Karikatur ein Ereignis zeichnerisch oder malerisch auf. Für mich immer noch das beste Beispiel: der "Simplicissimus". Ein Sammelband dieser Kult(ur)=zeitschrift hat einen Ehrenplatz meinem Schreibtisch gegenüber.

Noch eine Vorbemerkung. Bevor Sie das Schreiben und Üben einer der oben genannten Gattungen beginnen, machen Sie sich einige Regeln klar:

  •  Vorsicht vor erhobenem Zeigefinger! Besserwisserei tötet jeden humorvollen Ansatz.
  •  Die Zielgruppe, für die man schreibt, muss man immer im Auge behalten: Ist es für eine Schülerzeitung oder ein Seniorenblatt, eine Mitarbeiterzeitung oder eine Apothekerfachzeitung? Oder ist es ein Blog.
  •  Satire und Ironie - ja. Aber Vorsicht vor Zynismus.
  •  Vorsicht auch bei religiösen, ethnischen und sozialen Themen: nie beleidigend werden!

Themenwahl

Die ist gar nicht so schwierig, wie manche Leute immer meinen oder in Social Networks als Seufzer von sich geben: Die liegen buchstäblich auf der Straße! Mit offenen Augen und Ohren durchs Leben gehen, zuhören, was Leute zum Beispiel in der U-Bahn quatschen, die Freunde beim Pizzaessen erzählen.

Und Sie brauchen zunächst einen aktuellen Aufhänger: Zeitung lesen. Ich habe einen Riesenkarton mit herausgerissenen Artikeln und Notizen, in denen ich wühle, wenn mir nichts auf Anhieb einfallen sollte. Und ich notiere natürlich in einem PC-Ordner die Ideen. Viele verwirkliche ich (vorerst) nicht - aber wer weiß, irgendwann braucht man gerade das eine oder andere Stichwort, und es läuft aus den Tasten sozusagen.

Statistik kann einem gute Vorlagen geben wie etwa unterschiedliche Lebenserwartungen oder Konsum von Bier und Wein. Gedenktage und originelle Aktionstage wie den Antidiättag habe ich weidlich ausgenutzt, wie man weiß, aber es gibt noch so viele unbeschriebene!

Allgemeine Themen wie Wetter und Urlaub gehen auch immer. Man pickt sich halt ein Detail heraus, schreibt nicht den ganz großen Rundumschlag, das kann leicht banal wirken. Also bei ausuferndem Regenwetter die Suche nach den geeigneten Gummistiefeln zum Beispiel.

Der Einstieg

Hat man ein Thema, das einen interessiert und auf den Nägeln brennt, so fängt man an. Aber womit? Beliebt ist ein Zitat. Es gibt Zitatenwörterbücher, Sprichwortsammlungen und -Kalender.

Oder mit einer beeindruckenden Zahl, wenn man sich wie oben beschrieben zu einer auffallenden Statistik ausläßt. Oder mit einer Floskel, wie es Elke Heidenreich jahrelang in ihrer BRIGITTE-Kolumne tat mit "Also...". Aber das muss man beherrschen, das kann auch krampfig und gewollt wirken. Es muss leicht daher kommen. Man darf einer Glosse, Anekdote die Arbeit des Schreibens nie anmerken!

Eine wiederkehrende Haupt-Figur empfiehlt sich bei regelmäßigen Kolumnen, wie es etwa Kishon – übrigens ein wunderbares Vorbild zum Vorwegstudium - mit seiner "besten aller Ehefrauen" schuf. Ich erfand mal als Auftragsarbeit einer Firma die umweltbewusste Reinigungsfrau Annette B. Die sollte Umweltthemen ohne erhobenen Zeigefinger den Mitarbeitern nahebringen. War schwierig, aber so erfolgreich, dass sogar Puppen von ihr als Werbegeschenke angefertigt wurden.

Unten: Was aus einer fiktiven Glosssenfigur, der Reinigungskraft Annette B., wurde: Von der Zeichnung zurWenn eine fiktive Puppe als Werbegeschenk!

In der Mitte einer Geschichte

Darin steht die Beweisführung quasi.

Ergänzungen zum aktuellen Aufhänger werden gesucht und hinein montiert. Auch Aufzählungen sind erlaubt, Vergleiche. Auch weitere Zitate.

Bei längerer Anekdote oder Kurzgeschichte darf man zur Erhöhung der Spannung auch retardierende Momente oder vermeintliche Abschweifungen einbauen.

Das Schwierigste: Der Schluss, die Pointe!

Eigentlich kann man erst anfangen zu schreiben, wenn man nicht nur das Thema und den Einstieg weiß, sondern wenn auch die Pointe feststeht. Der Aufbau des Werkes muss nämlich dynamisch darauf zusteuern! Wie bei einem gut erzählten Witz auch.

Ein Schlusssatz mit Überraschung oder Aha-Effekt wäre ideal. Oder etwa die eigene Erfahrung einbauen, wenn man vom Allgemeinen (wie bei der Lebenserwartung etwa) ausging.

  •  Sie sollten immer die Lacher auf Ihrer Seite haben!

 Also - fangen Sie gleich mal damit an - es wird besser gehen, als Sie glauben!

 

Arlequina, am 16.11.2013
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Bildquelle:
Reinhard Hefele (Überlebenstipps für Weihnachten)

Autor seit 5 Jahren
206 Seiten
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