Eine bis zwei Wochen Feiertagsstress?

Das muss nicht sein! Man kann sich das Leben auch deutlich erleichtern. Denn sonst, so Ulrica Marshall, eine Journalistenkollegin, bringe die Vor- und Weihnachtszeit nur unser wahres Selbst zum Vorschein, aber in der neurotischen Version! Deshalb hier meine Tipps:

  1. Man kauft und schreibt in der Regel kaum mehr Kitschkarten dank der neuen Social-Network-Umgangsformen. Ich habe längst einen E-mail-Verteiler namens Weihnachtsadressen und dann gibt es einen Rundbrief - meist auch Jahresrückblick. Den unterteile ich höchstens noch in Geschäftsadressen mit weniger intimen Geständnissen und private Ansprechpartner. Also einmal eingetippt und in einem Knopfdruck zu versenden und außerdem für den Rest der Welt in Ausschnitten über Facebook zu verbreiten. Spart auch ungemein trocken werdende Zungen durch Briefmarkenablecken und somit horrendes Porto! Geschieht auch der Post recht. Ach ja: Bewahrt etliche Bäume vor dem Abholzen - also, wenn es mehrere so halten. Wenn ich gut in Form bin, dann gibt es eine Weihnachtsgeschichte aus meiner Tastatur (siehe oben links) dazu und unbedingt Fotos. Die mit den Tieren sind besonders beliebt.

     

  2. Sich den Kopf wochenlang zerbrechen wegen der Geschenke? Erst schon einmal hilft eine Liste, die man unterteilt in eine Spalte mit den Personen, die unbedingt beschenkt werden müssen, also die nächste Umgebung, und eine zweite Spalte, die nur mit dem Wörtchen "können" versehen wird. Besonders für letztere ziehen Sie die spanische Sitte aus dem Hut, sie erst zum 6. Januar zu beschenken, das ist liturgisch richtiger, da dann erst das Fest der Heiligen Drei Könige gefeiert wird, die mit ihren Gaben daher kamen. Damit entzerrt man schon mal den Geschenkestress, und außerdem gibt es um diese Zeit schon Sonderangebote und Rabatte! Ganz rational Vorausdenkende haben übrigens schon das ganze Jahr über auf Vorrat gesammelt, wenn sie über etwas Originelles stolperten und dafür den Adressaten schon im Hinterkopf hatten. Ich selbst ziehe mich wie folgt aus der Affäre: Seit ich BoD entdeckte, gibt es seit fünf Jahren immer ein kleines selbst verfasstes Büchlein gesammelter Glossen von mir, die bisher meist nur regional begrenzt in den Printmedien erschienen. Nicht zu umfangreich wegen des Portos ins Ausland. Darin reserviere ich die letzten vier Seiten auch noch ungeniert für Eigenanzeigen. Das dient dann für private wie Geschäftsfreunde.


  3. Selber backen?? Also das habe ich früher gemacht als Studentin der Geisteswissenschaften mit freier Zeiteinteilung des Studiums! Und war frustriert, wenn die Vanillekipferln aus teuren Zutaten so hart aus dem Backofen kamen, dass man sie an die Wand werfen konnte und sie unzerstört zurück kamen. Heute gehört das für mich in die Rubrik: Warum etwas machen, das andere besser können? Damit meine ich vor allem die Schwiegermutter, die so reichlich Care-Pakete vor Weihnachten in unsere Richtung schickt, dass ich daraus kleine Geschenktütchen für ganz gute Freunde erstellen kann. Ich geniere mich auch nicht, in entsprechende Geschäfte, Bäckereien genannt, zu stiefeln, wenn der Schwiegermuttervorrat nicht ausreicht. Heißer Tipp obendrein: Vor Weihnachten eine Besichtigungstour in Keksfabriken unternehmen, da bekommt man die Ware dann zum Outletpreis. Bruchkekse kann man ja auf den Transportweg schieben.
     
  4. Adventsdekoration und Wohnung weihnachtlich schmücken. Kann man sehr verkürzen, indem man meinen längst hier veröffentlichen Beitrag beachtet, wie man die Weihnachtsdeko gleich das ganze Jahr über hängen läßt bis zum nächsten Weihnachten, dass ja sicher kommt!
     
  5. Gastgeberin spielen an Weihnachten. Vor allem, was ein üppiges selbst gekochtes Menü angeht? Hilfe! Zum Glück tut dies seit Jahren eine Reiterfreundin und wir sind eingeladen. Ansonsten denke ich da gerne an ein Schild, das meine Freundin Irmgard über ihrer Küche hängen hat: "Wenn Gott wollte, dass ich selbst koche, warum hat er dann die vielen guten Restaurants geschaffen?" Ergo: an Weihnachten gibt es viele solcher festlicher Weihnachtsdiners in den Restaurants. Zugegeben, meist teurer als im Rest des Jahres. Will man also unbedingt zu sich einladen, dann mal an Caterer denken oder zur Not die Gäste jeweils um einen mitgebrachten Essensgang bitten. Dies aber gut vorher deligieren und koordinieren. Für den eigenen Beitrag sich vielleicht mal die Zutaten vom Supermarkt liefern lassen. Die drei bis fünf Euro Transportkosten ist es als Vermeidungsstress im vorweihnachtlichen Supermarktgedränge allemal wert.
     
  6. Angst vor Streit und Familienfehden unterm Weihnachtsbaum? Bekanntlich ist ja die Harmonie an solchen Festtagen besonders gefährdet, gerade weil man sich so stark um sie bemüht und zu viel Zeit miteinander verbringt. Kollegin Ulrika hat da ein - allerdings gefährliches Rezept, das ich nicht unbedingt zur Nachahmung empfehlen möchte: den Tag quasi anästhisieren mit einem Glas Sekt oder Wein jede Stunde während der Auseinandersetzungen dieser Treffen. Aber nicht mit Härterem, gibt sie wenigstens zu bedenken.

Als Alternativprogramm: an diesen Tagen flüchten, machen ja auch immer mehr. Eine Safari buchen, einen Skiurlaub oder eine Kreuzfahrt und währenddessen jeden Tag lachend daran denken, welchem Stress man entgangen ist.

Bildnachweis: Gabriele Hefele, Motta, Pat Brooke

 

Arlequina, am 23.09.2013
11 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Autor seit 5 Jahren
206 Seiten
Laden ...
Fehler!