Der Aufmarsch der üblichen Bösewichte

Wühlt man sich durch die zahlreichen Pressemeldungen, die schon kurz nach Bekanntwerden des Datenskandals veröffentlicht wurden, sehen wir Berichte über Länder und Personen, die nach Meinung der westlichen Medien korrupt, gefährlich oder einfach nur unbequem sind. Focus online nennt in diesem Artikel Petro Poroschenko, König Salman und Mahmut Ahmadinedschad beim Namen. Um etwas Ausgleich zu schaffen, wurde noch Sigmundur David Gunnlaugsson mit dazu genommen, weil der sich in einem Video-Interview so herrlich blamiert hat.

Putins bester Musiker

Gerne würden die Medien auch Wladimir Putin in die Pfanne hauen. Dummerweise taucht sein Name nicht in den #panamapapers auf. Nur ein paar Vertraute, die nach Medienangaben etwa zwei Milliarden Dollar über Briefkastenfirmen schleusten, tauchen in den gelenkten Dokumenten auf. Der "dickste Fisch" ist Sergej Roldugin, ein in St. Petersburg lebender Cellist, der zu den engsten Freunden Putins zählt. Mehr haben die gefürchteten #panamapapers nicht zu bieten.

Wie strickt man daraus jetzt einen Artikel, der den russischen Präsidenten böse und korrupt zeigt, ganz so wie es die westlichen Medien haben wollen? Die federführende Süddeutsche Zeitung, die exklusiven Zugriff auf die Panama Papiere hat, veröffentlichte auf einer für den Datenleck eingerichteten Webseite ein ellenlanges Dossier über Sergej Roldugin, Putins Musikerfreund. Wir erfahren, dass er im Sankt Petersburger Mariinski-Theater das erste Cello spielte und viele Konzerte im Ausland gab. Außerdem ist er Taufpate der ersten Tochter Putins.

Um thematisch bei den #panamapapers zu bleiben, enthält der Artikel auch Informationen über die von Roldugin eröffneten Briefkastenfirmen, Finanztricks von Offshore-Firmen und dergleichen mehr.

Keine Frage, Sergej Roldugin hat das Finanzamt betrogen und die Steuerfahndung wird ihm schon bald gehörig den Marsch blasen. Aber wie böse ist Wladimir Putin? Kann der russische Präsident etwas dafür wenn sich sein bester Freund mit Hilfe einer Briefkastenfirma bereichert?

Wo bleiben die westlichen Steuersünder?

Aufgrund der bisherigen veröffentlichten Pressemeldungen über die in den #panamapapers genannten Steuersünder entsteht ein Bild mit fadem Beigeschmack.Offensichtlich wurde bisher hauptsächlich nach "bösen Ländern" wie Russland, Zimbabwe, Syrien, Pakistan und Nordkorea gesucht. Alles Länder, die von der UN mit Sanktionen belegt wurden oder noch sind. Das Ausfiltern der 2,6 Terabyte grossen Datenmenge folgt einer von westlichen Medien festgelegten Agenda.

Dementsprechend fehlen - jedenfalls im Moment noch - Veröffentlichungen über im Westen lebende Milliardäre und Politiker. Nur der schon genannte isländische Premierminister und auch der englische Premierminister David Cameron werden genannt. Hinzu kommt der Fußballer Lionel Messie, gegen den schon seit längerer Zeit wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird und ein unbedeutender FIFA-Funktionär.

Die Rechtsanwaltskanzlei Mossack Fonseca, aus deren Büros die #panamapapers stammen, sagt selbst, dass westliche Firmen und Millionäre den größten Teil ihres Kundenbestands ausmachen. Vor allem bei Amerikanern ist die "Panama-Connection" beliebt.

Von diesen Leuten werden wir aber höchstwahrscheinlich nichts lesen. Sie bleiben im Verborgenen. Die englische Zeitschrift Guardian, die in England den gleichen Aufklärungsjob macht wie hierzulande die Süddeutsche Zeitung, gibt das in diesem Artikel auch offen zu. "While much of the leaked material will remain private, there are compelling reasons for publishing some of the data", steht dort zu lesen. Ein schwacher Trost.

Autor seit 10 Monaten
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