In edler Gesellschaft mit Yassir Arafat

Vergangenen Montag verlieh das norwegische Nobelkomitee den Friedenshobelpreis an die EU. Stellvertretend für eine halbe Milliarde Schäfchen nahmen Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Parlamentspräsident Martin Schulz sowie EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy den prestigeträchtigen Preis entgegen. Die Bekanntgabe des Preisträger hatte zwei Monate zuvor gleichermaßen für Stirnrunzeln wie amüsiertes Lachen gesorgt. Ich muss zugeben, anfangs an einen Scherz des Radiosprechers geglaubt zu haben.

Dann entsann ich mich jedoch der bisherigen Friedensnobelpreisträger, unter denen sich illustre Namen finden wie Lê Dúc Tho, Henry Kissinger, Barack "Yes, I can" Obama oder Yassir "El Korrupto", vulgo "Häuptling gespaltene Zunge" Arafat, der sogar auf Wikipedia als Terrorist tituliert wird. Außerdem hatte bereits das "Time Magazine" vorexerziert, wie man sich völlig unverbindlich bei Millionen Menschen einschleimt: Indem man sie alle zu "Menschen des Jahres" erklärt. Beileibe nicht die einzige Paralle zwischen dem "Time Magazine" und dem Nobelkomitee, hatte doch auch die Zeitschrift in der Vergangenheit für diskussionswürdige Entscheidungen gesorgt, als sie unter anderem Hitler und Stalin zu "Menschen des Jahres" erklärte - was sie auf für Millionen andere Menschen eher lebensfeindliche Weise gleichfalls waren.

Helau! Deshalb erhielt die EU den Friedensnobelpreis

Die Begründung des Nobelkomitees liest sich folgerichtig wie eine nicht gereimte Büttenrede vom Gutmenschsein besoffener Skandinavier:

Die Union und ihre Vorgänger haben über sechs Jahrzehnte zur Förderung von Frieden und Versöhnung beigetragen.

Originell! Mit derselben Begründung könnte man die USA dafür auszeichnen, seit über 100 Jahren keinen blutigen Bürgerkrieg mehr ausgefochten zu haben oder Sklaven auf den Feldern zu halten.

 

Über 70 Jahre hatten Deutschland und Frankreich drei Kriege ausgefochten. Heute ist Krieg zwischen Deutschland und Frankreich undenkbar. Das zeigt, wie historische Feinde durch gut ausgerichtete Anstrengungen und den Aufbau gegenseitigen Vertrauens enge Partner werden können.

Liebes Nobelkomitee: Mit irgendwelchen obskuren Anstrengungen oder Vertrauensbeweisen hat dies nicht das Geringste zu tun! Zunächst einmal lagen Deutschland und Frankreich nach Kriegsende zu weiten Teilen in Schutt und Asche. Die friedensfördernste Maßnahme - linke Utopisten und Sozialisten vom Seitenscheitel bis zur Sohle müssen nun ganz stark sein - besteht in wirtschaftlich untrennbaren Verflechtungen. Dort, wo man seine Fabriken, Strandhäuser und Absatzmärkte hat, wirft man keine Bomben. Oder wie es Tierfreunde ausdrücken würden: Die Katze scheißt nicht auf Ihren Futterplatz.

Putzig ist auch diese Begründung:

In den 80er-Jahren sind Griechenland, Spanien und Portugal der EU beigetreten. Die Einführung der Demokratie war Voraussetzung für ihre Mitgliedschaft.

Ganz zu schweigen von Tricksereien, um sich den Beitritt und somit unzählige EU-Milliarden zu erschleichen. Im allgemeinen Sprachgebrauch nennt man so etwas Betrug. In EU-Speak heißt das "Solidarität". Nein, ehrlich! Der Chef des Nobelkomitees Jagland selbst nahm dieses abgeschmackte Wort, das längst jede Bedeutung verloren hat, in den Mund.

Aber all dies ist ein kleiner Preis für

die stabilisierende Rolle der EU bei der Verwandlung Europas von einem Kontinent der Kriege zu einem des Friedens.

Eine gewagte These! Stabilität entsteht nicht durch Verordnung von oben, sondern durch die bereits erwähnten wirtschaftlichen Verflechtungen und den damit erworbenen Wohlstand. Wohlhabende Staaten führen keine Kriege gegeneinander.

Das Pack, das uns regiert

Die Verleihung des Friedensnobelpreises an die EU erinnert mich an den Schluss der "Animal Farm"-Verfilmung aus dem Jahr 1954: Die Schweine verleihen sich gegenseitig Orden und brüsten sich ihrer angeblichen Verdienste. Gemäß dem Motto "hinter uns die Sintflut" wird geplündert, geheuchelt und gelogen. Passenderweise fand die Zeremonie traditionell in Norwegen statt, einem Staat, dessen Bürger zweimal gegen den EU-Beitritt gestimmt haben. Dass das Land trotzdem nicht in Krieg und Elend versunken ist, grenzt wohl an ein Wunder.

Ebenso wie der Umstand des Kadavergehorsams von 500 Millionen EU-BürgerInnen, Bürgern und Bürgerinnen. Abgesehen vom gelegentlichen Murren über das Verbot von Glühbirnen oder des Voranschreitens von Gender-Ideologien und "sanfter Zensurmaßnahmen" regt sich kein nennenswerter Widerstand gegen das Volksvermögen verschleudernde Bürokratiemonster. Und eben diesem arroganten, völlig abgehobenen, bis ins Mark korrupten Polit-Pack müssen wir nicht nur dankbar dafür sein, uns nicht in Schützengräben zu zwingen, sondern uns auch noch "solidarisch" gegenüber erklären?

Mit Verlaub: Können sich die DamInnen und HerrInnen nicht wenigstens etwas mehr Mühe beim Verarschen geben? Meinethalben sollen sie den Friedensnobelpreis erhalten und ihn sich auf ihren Kaminsims stellen. Ich weigere mich jedoch anzunehmen, dass man mich und Millionen andere so genannter Bürger für dermaßen dämlich hält nicht zu erkennen, von welcher Gaunerbande sie in Geiselhaft genommen wurde.

Jeder, der von Mutter Natur oder Papa Staat mit mehr als einer funktionierenden Gehirnzelle ausgestattet wurde weiß, dass die "alternativlose" Währungsunion zerbröseln wird. Jeder, absolut jeder, kann die zunehmend totalitären Tendenzen der EU erkennen und weiß, dass der "Superstaat EU" die große Utopie ist. Niemand kann behaupten er hätte nicht gewusst, dass die Nachkriegsgeneration auf Kosten der kommenden Generationen geschmaust hat. Die Rechnung, Herr Ober, übernehmen meine Enkelkinder, die mir offenbar doch nicht so sehr am Herzen liegen, wie ich stolz zu verkünden pflege, denn andernfalls würde es mich empören, wie sie skrupellos den mafiösen Verbindungen aus Politik und WIrtschaft verkauft wurden.

Wem der Friedensnobelpreis gebührte

Natürlich lag das Nobelkomitee bei seiner Preisverleihung nicht völlig daneben. Sie hat ihn nur den falschen Repräsentanten verliehen!

Der Friedensnobelpreis gebührte jenen Millionen EU-Bürgern, die Tag für Tag das System am Leben erhalten, obwohl sie dank stetig höherer und neuer Abgaben sowie auf Grund der durch FIAT-Money bewusst erzeugten Inflation immer weniger Geld erhalten.

Der Friedensnobelpreis gebührte jenen Millionen EU-Bürgern, die jeden ideologischen Dummfug wie ein Gottesurteil über sich ergehen lassen.

Der Friedensnobelpreis gebührte jenen Millionen EU-Bürgern, die nicht wahnsinnig vor Zorn ihre Unterdrücker und Ausbeuter zum Teufel jagen, sondern sich Tag für Tag aufs Unverfrorenste belügen lassen und alle paar Jahre zu den Wahlurnen schreiten, weil sie glauben, dies sei ihre "demokratische Pflicht", während sie in Wahrheit dadurch ein ausbeuterisches Unrechtssystem pseudo-legitimieren.

Tatsächlich ist die EU wie jedes andere oktroyierte System ein sich selbst erhaltender, seine Günstlinge belohnender, seine Feinde bestrafender Moloch, der die Legitimation eines Sklaventreibers besitzt, also gar keine.

Die EU, wie auch jedes andere willkürlich errichtete Staatsgebilde, ist nicht die Lösung irgendeines Problemes, sie ist jedes Problem! Krieg, Sklaverei und Ausbeutung sind immer nur dank des Staates möglich. Die einst ehernen Ketten der Sklaven existieren auch weiterhin - wir sehen sie bloß nicht; wir, die Sklaven, die sich frei in einer gerechten Welt wähnen, und die doch nichts anderes als Zuchtvieh sind. Freiheit wird nicht durch die bloße Erwähnung des Wortes geschaffen, Freiheit ist ein Zustand, der entweder existiert oder nicht. Die heuchlerischen Worthülsen unserer Unterdrücker entlarven sich täglich von selbst. Wir müssten nur endlich lernen, die Dinge beim Namen zu nennen. Moral entsteht durch moralisches Verhalten, nicht durch die Behauptung, man sei moralisch. DIes zu erkennen stellt unsere wichtigste Mission dar.

Frei sollten wir sein, weil Menschen keine geborenen Sklaven sind.

Solidarisch können wir nur dann sein, wenn kein Zwang ausgeübt wird.

Gut und edel sind wir, wenn wir es aus tiefster Überzeugung, nicht aus Kadavergehorsam gegenüber unseren Unterdrückern sind.

An dieser Stelle möchte ich mit der großen Rede Charlie Chaplins aus "Der große Diktator" schließen. Einer Rede, die, so steht zu befürchten, wohl ewig aktuell sein wird.

Autor seit 7 Jahren
839 Seiten
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