Inseln sind weiblich und sexy

Hätten Sie gedacht, dass Inseln und Schiffe wie alles Flache im Sprachgebrauch weiblich sind? Das Wort Insel kommt vom lateinischen Insula (en-salas = im Salz) und bedeuted im Meer liegend. Oder denken Sie an Formosa, die Wohlgeformte (der frühere Name von Taiwan) oder La Graciosa, die Anmutige (Kanaren). Türme und Bäume wiederum sind logischerweise männlich. Können Sie sich in die alten Seefahrer hineinversetzen, wenn sie nach monatelanger Überfahrt die Inseln der Südsee erreichten? Wochenlang nur das unendliche Meer vor Augen, einsam im Nirgendwo, ausgemergelt von der schlechten Nahrung, krank vor Skorbut müssen ihnen die saftig-grünen Eilande wie das Paradies vorgekommen sein. Tropische Früchte, klares Süßwasser und Gegrilltes ist auch für uns heute noch ein Traum.

Hinzu kamen die freundlichen Einwohner, besonders die weiblichen, die halb nackt die Schiffe enterten, wie der französische Entdecker Louis-Antoine Bougainville beschreibt, der 1768 die Insel Tahiti enterte. Die Bewohner waren frei von eigenem Besitz, den Gefühlen von Schuld oder Sünde. So mancher Seemann musste mit Gewalt wieder auf das Schiff gebracht werden, weil er die Insel nicht mehr verlassen wollte. Der Mythos der Reinheit der Südseekultur entstand.

Das ach so freie Leben in der Südsee

Bougainville romantisierte die Inseln in seinem Reisebericht Voyage autour du monde. Jean-Jacques Rousseau beschrieb den edlen Wilden, der fortan das Menschenbild Europas prägte. Es folgten ihnen weitere Entdecker wie James Cook oder Künstler wie Paul Gaugain, der uns in seinen Bildern die Schönheit der Südsee näher brachte oder dem Chansonnier Jaques Brel, der sich auf die Insel Hiva Ova zurückzog und mit seinem Kleinflugzeug die Inselbewohner tatkräftig unterstützte.

Nafea Faaipoipo (When are You Getting Married?), 1892 (Bild: Paul Gauguin / AllPosters)

Inselträume

Seit dieser Zeit träumt ganz Europa von fernen Inseln. Sie werden in Schlagern besungen, sei es eine "Insel aus Träumen geboren, Bora Bora..", "Blume von Hawaii" oder das recht süßliche "Märchen von Tahiti" der niederländischen Gruppe Kilima Hawaiians.

Aber auch nähere Inseln wurden unser Ziel der Begierde. So die romantisierte Insel Capri mit den Caprifischern, die Insel der Deutschen Mallorca und viele andere.

Fernwehlieder zum Anhören:
Eine Insel aus Träumen geborenEine Insel aus Träumen geboren
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Warum zieht es uns auf eine Insel?

Welches Gefühl ist mit einer Insel verbunden? Das Urbild der Insel ist seit tausenden von Jahren in uns verankert. Inseln versprechen Ruhe, ein Leben ohne Alltagssorgen, Einfachheit und ein Rückzug von den Problemen des Alltags. Die Welt um uns wird immer lauter, schneller, fordernder, sodass wir kaum noch Schritt halten können. Inseln sind für uns eine Art Ruhepol, nicht umsonst werben so manche Touristiker von einsamen Plätzen ohne Handy und Fernsehen, an denen man die Schuhe auszieht, um barfuß das Leben zu genießen.

Vintage Seaside View Poster (Bild: avean / AllPosters)

Inselparadiese verheißen eine Harmonie aus Sonne, Mond, Erde und Wasser. Im Idealfall können wir das Meer vom höchsten Punkt aus von allen Seiten sehen. Wir sind der Natur näher, können Inselspaziergänge unternehmen oder die Landschaft mit dem Rad erkunden. Die Abgeschlossenheit hilft uns, uns auf uns selbst zu besinnen. Oder wir finden zu einer harmonischen Zweisamkeit mit unserem Partner zurück.

Inseln - eine Welt im Ganzen

Inseln sind aber auch kleine Welten für sich. Menschen, die auf Inseln wohnen, sind gezwungen, in einer engen Gemeinschaft zu leben. Jeder kennt jeden, ein "Alle-in-einem-Boot-Gefühl" kommt auf. Wir sind hier und die anderen sind draußen. Das hilft gegen Einsamkeit und der in unserer Welt oft fehlenden Kommunikation, kann aber auch Individualisten langfristig einschränken.

Selbst die freien Völker der Südsee waren in Wirklichkeit strengen Regeln unterworfen, die ein harmonisches Leben ermöglichen sollten. Umso enger der Lebensraum, desto stärker sind seine Grenzen. Deshalb ist es Freidenkern und Individualisten angeraten, doch eher in weiträumige Naturlandschaften wie z.B. Kanada zu ziehen als auf eine kleine Insel.

Inseln fördern den sogenannten sozialen Inseleffekt einer Gemeinschaft, das Miteinander, können aber auch einen Inselkoller zur Folge haben.

Tortola (Bild: Reisefieber)

Inselurlaub

In den 50er-Jahren begannen wir Normalbürger, die Welt um uns herum zu erkunden. Reisen wurde erschwinglicher und wir eroberten Italien, Spanien oder Griechenland. In meiner Jugend reiste ich mit leichtem Gepäck durch die Ägäis. Ein Billigflug nach Athen oder Kreta reichte und dann ging es mit einer der Fähren zu den Kykladen. Die Inselbewohner standen bereits am Kai, um uns ihre günstigen Privatzimmer zu vermieten. So manche Familie räumte in der Saison ihr Schlafzimmer und nächtigte mit der kompletten Sippe im Wohnzimmer, nur um ein wenig Geld für den Ausbau des Hauses zu verdienen. Familienanschluss war inklusive und wir saßen mit der Frau des Hauses auf kleinen Stühlchen auf der Straße.

Es war spannend! Man erkundete eine Insel. Wenn man genug hatte, zog man weiter zur nächsten. Denn alle Inseln sind verschieden und haben ihren Reiz. Der Urlaub war nicht so verplant und kommerzialisiert. Fernab von All Inklusive und Rundum-Beschäftigung seitens der Animateure. Wir aßen in kleinen Tavernen, nahmen den Linienbus oder wanderten mit Brot, frischem Käse und Tomaten bepackt durch die Natur.

Welches ist die schönste Insel?

Fragen Sie Menschen um sie herum nach ihrer Lieblingsinsel. Sie werden immer neue Ziele genannt bekommen. Die Einen zieht es in den Norden zu den Nordfriesischen oder Ostfriesischen Inseln oder den Inseln der Ostsee. Andere schwärmen seit Jahren von Mallorca, Ibiza, Rhodos oder Kreta. Die schönste Insel auf die sich alle einigen, wird es wohl nicht geben. Das ist auch gut so! Stellen Sie sich vor, alle würden in den Ferien auf die gleiche Insel reisen, wie schnell wäre unser Inselparadies zerstört!

Kroatien (Bild: Enne248 / Pixabay)

Inseltipps und Inselreisen

Wenn Sie sich nicht für eine Insel entscheiden können, versuchen Sie es mit Inselhüpfen. Erobern Sie z.B. Griechenland und seine Inseln. Entdecken Sie die bezaubernden Kykladen mit der weißen Inselarchitektur, den engen Gassen und kleinen Läden. Besuchen Sie Kreta, Rhodos oder Santorin, Mykonos, Paros oder Naxos. Sie können auf eigene Faust reisen oder eine Pauschale mit mehreren Inseln buchen.

Alternativ ist eine Schiffsreise zu den Inseln im Mittelmeer möglich, sei es auf einem großen Kreuzfahrtschiff oder auf kleinen Segelkreuzern wie z.B. die "Blaue Reise", eine Bootsreise durch die türkische Ägäis oder entlang der Küste Kroatiens. Es ist etwas Besonderes, eine Insel vom Meer aus zu entdecken. Man fühlt sich fast wie ein alter Seefahrer. Wer etwas mehr ausgeben kann, besucht die Inseln der Karibik.

Kulturinteressierte werden sich für Inseln wie Java, Bali oder Sri Lanka begeistern, die neben tropischer Natur auch mystische Tempelanlagen bieten. Badefans und Ruhe suchende sollten es mit den Malediven, Seychellen oder kleinere, unbekanntere Inseln in Thailand versuchen. Aber auch autofreie Inseln wie Hiddensee (Ostsee) oder die ostfriesischen Inseln Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, Juist und Norderney versprechen Entspannung. Wer vieles mag, Kultur und Entspannung, Exotik und Natur wird die Hawaii-Inseln lieben. Musikfans sollten sich Jamaika anschauen.

Werden Sie zum Inselentdecker. Sie finden bestimmt Ihre eigene Lieblingsinsel!

Reisefieber, am 07.08.2014
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Bildquelle:
Reisefieber (Woher kommt der Begriff Urlaub?)
Reisefieber (Fernweh)

Autor seit 3 Jahren
164 Seiten
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