Ich weiß noch, wie mich mein erstes Nordlicht begeisterte. Es war auf einem Flug nach Alaska und ich sah grüne Farbstreifen über das Firmament ziehen. Da ich keinen Fensterplatz hatte, drängten wir mit mehreren Fluggästen rund um die kleinen Fenster am Ende des Flugzeuges, um wenigstens einen kurzen Blick auf das Naturphänomen zu erhaschen.

Regionen mit häufigen Polarlichtern

Polarlichter werden im Norden als Nordlicht (Aurora borealis) bezeichnet. Weniger bekannt ist der Begriff Südlicht (Aurora australis) für die Südhalbkugel der Erde. Sie treten meist in Breitengraden rund um den magnetischen Pol im Polarlichtoval auf. Mit diesem Begriff wird der Ring um den magnetischen Pol bezeichnet, in dem die Lichter häufig zu sehen sind. Da er nicht rund, sondern eher oval ist, spricht man vom Polarlichtoval. Da die Erde sich dreht, ändert sich mit der Tageszeit auch das betreffende Gebiet. Im Umkreis von ca. 2.500 Kilometern um den magnetischen Pol kann mit ihnen gerechnet werden. Das Lichtgeschehen kann nur in der Nacht gesehen werden. Das Polarlichtoval erstreckt sich je nach Jahreszeit über der Antarktis oder im Norden über Skandinavien, Grönland, Nordkanada, und Sibirien.

Wie entstehen Polarlichter?

Der Himmelszauber entsteht, wenn elektrisch geladene Teilchen wie die sogenannten Sonnenwinde auf die Erdatmosphäre trefen. Sie bringen die Luftmoleküle zum Leuchten (Fluoreszieren). Das Magnetfeld der Erde beeinflusst diese Teilchen. Sie werden vom magnetischen Pol angezogen. In manchen Jahren, wenn die Sonnenaktivität besonders stark ist, häufen sich die Polarlichter. Das sind Jahre, in denen die Sonne besonders viele und starke Sonneneruptionen auswirft. In den Jahren 2011 / 2012 waren die Eruptionen sehr stark, in 2003 konnte man sogar in Griechenland und auf den Kanaren Polarlichter sehen

Die Mythen über die Polarlichter

Schon seit mehr als 2000 Jahren finden sich Berichte über die Naturerscheinungen. Für die Wikinger waren es Zeichen, dass irgendwo eine Schlacht stattfand. Die Walküren ritten dabei am Ende des Gefechts über den Himmel, um die Helden auszuwählen, die von nun an Odins großer Tafel speisen durften. Das Nordlicht entstand dabei als von den Rüstungen zurückgeworfenes Mondlicht.

Die Indianer Nordkanadas sahen in ihnen heilige Erscheinungen ihres Gottes, der sich nach dem Wohlergehen der Stämme erkundigte. Die Eskimos halten sie für Dämonen, die mit ihren Laternen im Himmel die Seelen der Verstorbenen suchen. In Lappland galten sie als die Geister der Ahnen, gefallene Krieger, mythologische Fischschwärme oder Schwäne, die das Eis des hohen Nordens mit ihrem Flügelschlag entfernen.

Manche Japaner sehen im Nordlicht ein Glück bringendes Zeichen, das den Kinderwunsch der Paare erfüllt, während die Norweger in Bergen in ihnen tanzende Jungfrauen sahen. Gruseliger empfanden es die Isländer, hier spielen tot geborene Babys mit einem Walross-Kopf.

Die Maori in Neuseeland erfreuten sich über die Südlichter, da sie die wärmenden Feuer ihrer Ahnen auf deren Weg in die Antarktis versinnbildlichten. Im Mittelalter ängstigten sich die Europäer vor Nordlichtern als sicheres Zeichen für drohende Kriege, Seuchen oder Hungerkatastrophen.

Wo und wann kann ich Polarlicht sehen?

Im Norden Skandinaviens oder Islands ist in den Monaten September, Oktober und März die Wahrscheiinlichkeit des Nordlichts sehr hoch. In der Regel kann einmal in der Woche mit Polarlicht in klaren Nächten gerechnet werden. Da im Sommer die Mitternachtssonne scheint und es zu hell ist, sind die Polarlichter eher im Winterhalbjahr sichtbar. Im Herbst ist die Häufigkeit höher als in den ganz dunklen Wintermonaten.

Die Stadt Tromsø liegt oberhalb des Polarkreises in Norwegen, in gleicher Höhe mit Nord-Alaska. Sie war Ausgangspunkt vieler Polar-Expeditionen. Das Polarmuseum zeigt die spannende Geschichte der Polarforschung von Fridjof Nansen bis Roald Amundsen. In Tromsø findet sich auch die nördlichste Universität der Welt und die berühmte Eismeerkathedrale. Bei Tage kann man Rentierschlittenfahrten, Eisangeln, Ski fahren oder mit dem Hundeschlitten durch den Schnee brausen.

Die Region Lappland in Finnland lockt mit guten Fotobedingungen, Huskytouren und Streifzügen durch die Winterlandschaft. Einsam gelegene Hotels außerhalb der hellen Städte bieten die Gelegenheit, das Nordlicht vom Zimmer aus zu beobachten. In Kiruna, Schweden kann man außerdem das schwedische Institut für Weltraumphysik besichtigen und sich von Experten in das Thema Polarlicht einführen lassen.

In Island ist neben den Polarlichtern, die einmalige Vulkanlandschaft eine Reise wert. Durch das Aufeinanderdriften der europäischen und amerikanischen tektonischen Platte sind noch viele Vulkane aktiv. Geysire sprudeln und Wasserfälle wie der Gullfoss stürzen in das Tal.

Reisen zu den Nordlichtern bietet z.B. der Veranstalter Eclipse-Reisen an.

Auch Nordic Holidays hat spezielle Nordlicht-Reisen in Verbindung mit Eishotels, Hunde- und Motorschlitten und Eisbrecherfahrten im Programm.

Beliebt sind auch Kreuzfahrten z.B. mit den Hurtigroutenschiffen. Die Schiffe fahren täglich im Liniendienst die norwegische Küste entlang. Gäste können die Nordlichter an Decke des Schiffes oder bei Landausflügen entdecken. Auch andere Kreuzfahrtlinien haben Nordlichtfahrten im Programm.

In Kanada und Alaska kann man nicht nur auf den Spuren der Ureinwohner gehen, sondern auch mit dem Schneemobil oder Hundeschlitten fahren und Waipitihirsche, Elche, Caribous und Schneeziegen beobachten. Der Individualreiseveranstalter Canusa arbeitet auch spezielle Reisewünsche z.B.am Yukon aus. Zwischen Mitte August – Mitte September sind in den Northwest Territories die magischen Geister am Himmel besonders gut zu sehen. Für sportliche Naturen werden auch Trapper Trail Touren auf den Spuren der Pelzjäger mit dem Hundeschlitten angeboten. Hier lernt man die Grundlagen des "Mushing", des Hundeschlittenfahrens.

Wetter

Bei allen Nordlicht-Touren sollte man sich bewusst sein, dass auch das Wetter eine Rolle spielt. Wenn der Himmel bewölkt ist, werden sie keine Nordlichter sehen können. Sie sind nur bei klarem Wetter in der Nacht sichtbar. Die Reisezeit sollte entsprechend lange sein. Ein ein- oder zweiwöchiger Aufenthalt ist besser als ein Kurzwochenende.

Das Südlicht

Das Polarlicht des Südens ist von März bis September in Südgeorgien, der südlichsten Insel der Welt zu sehen. Als beste Reisezeit gilt hier der März. Die vor der Küste Südamerikas liegenden Falklandinseln sehen das Südlicht zwischen April und August. Hier können Sie auch See-Elefanten und Pinguine bewundern.

Die Antarktis ist aufgrund ihres Packeises und des eisigen Klimas für Normaltouristen im Winter kaum zugänglich. Die wenigen Expeditionskreuzfahrten auf den Spuren von Amundsen und Shackleton in die Antarktis finden in den Sommermonaten (November bis Februar) statt, wenn das Packeis im Südpolarmeer den Kontinent freigegeben hat.

In den Wintermonaten der südlichen Hemispäre ist der glühende Himmel der Maoris auf Neuseeland oder in Tasmanien zu sehen (Juni / August).

Die preiswerte Alternative für zu Hause stellt die Lunartec Laser-Kugel mit Polarlicht-Effekten dar. Sie wechselt die Farben von grün, rot bis blau und projiziert ein changierendes Muster an Decken und Wände.

App für das Smartphone: Aurora Forecast

Wer sichergehen will, kein Polarlicht zu verpassen, holt sich die kostenlose App "Aurora Forecast", die bei I-Tunes zum Download angeboten wird.

Curtains of Northern Lights above Fairbanks, Alaska, USA (Bild: Hugh Rose / AllPosters)

Polarlicht-Vorhersage

Nicht jeder will und kann weit verreisen. Wo gerade Polarlicht zu sehen ist, zeigt auch die Seite Polarlicht-Vorhersage an. Weiterhin zu finden ist eine Auflistung der Webcam von Orten wie Kiruna, Porjus bis Tromsø, Statistiken zu Polarlicht-Sichtungen und weitere Informationen. Die Seite informiert auch über Polarlichtsichtungen in Deutschland. Im Archiv sind Erscheinungen nach Datum, Helligkeit und Ort aufgelistet.

Lehrvideo der UNI Oslo zum Nordlicht in englischer Sprache
Reisefieber, am 13.06.2014
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