Heute handelt es sich bei "Trinkgeld" um alle freiwilligen Zahlungen für erhaltene Dienstleistungen. Beim Friseur, für das Zimmermädchen im Hotel, den Taxifahrer, vor allem aber in der Gastronomie. Meine Ausführungen beziehen sich daher vor allem auf Letzteres.

Historische Erklärungen für den Begriff Trinkgeld

 

Die drei Haupterklärungen:

 

1. Die Adeligen warfen früher ihren Dienern ab und zu Münzen als Geschenk vor die Füße. Das Geld verwendeten die Diener meist dazu, etwas Trinken zu gehen.

2. Es wurde für das Bringen der Getränke etc. in einer Gastwirtschaft gezahlt und hieß ursprünglich Bringegeld.

 

3. Es war eine Aufmerksamkeit hilfreichen Personen gegenüber, die in der Hoffnung gegeben wurde, dass diese Person dafür auf das Wohl des Gebers etwas trinken würde.

Glaubwürdigkeit der Erklärungen

1. kann ich mir besonders gut vorstellen. Dass Diener etwas extra bekamen – oder vielleicht nicht einmal extra, sondern neben Kost und Logis als einzige monetäre Vergütung. Und es zum Trinken in der Kneipe verwendeten. Denn für Wohnung, Verpflegung und Kleidung mussten sie in der Regel nicht selber aufkommen. Und vieles, wofür man heute Geld ausgeben kann, gab es noch nicht wie Kino etc. Überhaupt war Einkaufen auf einer abgelegenen Burg auch nicht so einfach möglich, da musste man eher warten, bis der Hausierer wieder vorbeikam. Eine Schenke oder Kneipe gab es wohl am ehesten, wo man Geld ausgeben und dem Alltag entfliehen konnte.

 

2. ist vom Sinn her am einleuchtendsten. Es wird ja für eine Dienstleistung gezahlt, die häufig im Bringen besteht. Aber eben nicht nur. Daher hat sich vielleicht später der, zunächst in einem anderen Zusammenhang verwendete und auch besser auszusprechende, Begriff Trinkgeld eingebürgert.

 

3. Heute würden wohl nicht mehr so viele Leute Geld geben, nur damit jemand auf das eigene Wohl trinkt. Früher hat die Kirche massenhaft Ablassscheine verkauft, nur gegen das Versprechen, dass dies sich nach dem Tod für den Käufer günstig auswirken würde. Deswegen kann ich mir durchaus vorstellen, dass es ein Ansporn für den Geber war, dass der Bedachte auf das eigene Wohl trinkt.

 

Wahrscheinlich spielten bei der Entstehung des Begriffes Trinkgeld alle diese Aspekte eine Rolle.

Heutige Bedeutung

Heute hat sich der Begriff Trinkgeld etabliert. Zutreffender wäre wohl "Zufriedenheitsgeld", aber das klingt umständlich.

 

Im Gegensatz zur wörtlichen Bedeutung stellt sich jedoch kaum jemand vor, dass der Bedachte damit etwas trinken geht. Schon gar nicht etwas Alkoholisches; gerade beim häufigsten Anwendungsbereich, dem Trinkgeld in der Gastwirtschaft, wäre das wohl auch unwahrscheinlich, dass die Kellner sich in der Freizeit gleich in die nächste Gastwirtschaft begeben, um etwas zu trinken.

Das Trinkgeld wird letztendlich rein als Extravergütung gegebenen, um die Zufriedenheit auszudrücken.

 

Wobei damit besonders in Bereichen, in denen das Geben eines Trinkgeldes stark üblich ist - wie z.B. in der Gastronomie in Deutschland - nicht eine ganz besonders große Zufriedenheit gemeint ist, sondern nur, dass der Service nicht schlecht war. Unterschiedliche Zufriedenheitsstufen können mit einer unterschiedlichen Trinkgeldgeldhöhe ausgedrückt werden.

Oft dient das Trinkgeld den Dienstleistern nicht als nettes Extra, sondern ist sogar als Verdienst fest einkalkuliert. Die Löhne für Kellner sind beispielsweise recht niedrig, weil davon ausgegangen wird, dass sie noch Trinkgeld erhalten.

Trinkgeld heute in verschiedenen Bereichen

Je nach Land und Dienstleistung herrschen unterschiedliche Trinkgeldgewohnheiten; auch die Übergabe ist nicht einheitlich. Als Heranwachsende fand ich das Thema immer ziemlich schwierig, eben gerade, weil die Höhe des Trinkgeldes und die Art der Übergabe nicht genau festgelegt sind: Im Supermarkt einzukaufen ist deutliche einfacher. Dort steht im Regal die Butter mit einem bestimmten Preis versehen. Man trägt das Produkt zur Kasse und das Geld wird genau bezahlt.

 

Ist Trinkgeld geben angebracht? In der Gastronomie in Deutschland grundsätzlich ja, im ländlichen China soll es als Beleidigung empfunden werden. Die Höhe? In den USA 15-20 % (teilweise werden dort gar keine festen Löhne gezahlt), in Deutschland bei einem freundlichen Service in der Gastronomie ungefähr 10-15 % der Rechnungssumme. Dabei spielt meist auch die Aufrundung des Betrags eine Rolle, kaum jemand gibt bei einer Rechnung von 6,60 ein Trinkgeld von genau 66 Cent. Ich runde die Summe meist erst auf, also bei 4,50 Euro auf 5 Euro, stelle dann Fest, was 10 % der Rechnungssumme wären (45 Cent), und wenn es dem ungefähr entspricht, lasse ich es dabei – ich gebe also insgesamt 5 Euro.

 

Die Übergabe? Möglich ist, dem Dienstleister die Endsumme zu nennen (z.B. 10 Euro Schein geben und dazu zu sagen machen sie auf 5). Oder 5 Euro zu geben und zu sagen "stimmt so". Man kann auch die 50 Cent extra auf dem Tisch liegen lassen – in der Hoffnung, dass es kein Passant klaut. Manchmal gibt es so etwas wie ein Sparschwein, wo man extra Geld hineinstecken kann.

Leseratte, am 18.12.2013
2 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
Kerstin Schuster (Tatort Weihnachtsmarkt - die fiesen Tricks der Kleinkriminellen)
Sabine Wolfram, Plauen (Fasching im Vogtland vom Rathaussturm bis zum Elstertanzspektakel)
Sabine Wolfram, Plauen (Weihnachtsmärkte bieten leichte Beute für Taschendiebe)
P. Aertsen „Pfannkuchenesser” (ca. 1560) (Fast Food. Wer hat es erfunden, und was haben die sich dabei gedacht?)

Laden ...
Fehler!