Ägypten: Wo der Bleistift tatsächlich noch ein Bleistift war

Die eigentlichen Erfinder des Bleistiftes lebten wahrscheinlich im Ägypten des Altertums. Angeblich benutzten die Menschen dort vor rund 5000 Jahren mit Blei ausgegossene Röhrchen zum Schreiben. Auch im europäischen Mittelalter soll es Stifte aus Blei gegeben haben. Da sie mit einer Silberspitze versehen waren, nannte man diese Schreibgeräte allerdings Silberstifte. All diese Geräte hatten gemein, dass sie wirkliche Blei-Stifte waren. Die für das Schreiben vorteilhaften Abriebeigenschaften des Bleis wurden hoch geschätzt. Die gesundheitsschädliche Wirkung des Schwermetalls hingegen war damals vermutlich noch weitgehend unbekannt.

Graphit aus England als Grundlage der Bleistiftentwicklung

Eine Legende erzählt, dass im 16. Jahrhundert englische Schäfer einen umgestürzten Baum fanden, dessen Wurzeln eine grauschwarze Masse enthielten. Der abfärbende Stoff wurde als ein Bleierz angesehen und löste die Suche nach weiteren Vorkommen aus. Ein Jahrhundert später war aus dem heute Borrowdale-Graphit genannten Stoff ein Exportschlager geworden. Zunächst stellten die daraus entstehenden Schreibgeräte lediglich viereckige Klötzchen dar, die einfach aus den geförderten Brocken herausgeschnitten wurden. Aus Gründen der Sauberkeit und Stabilität gingen die Hersteller jedoch dazu über, die Stäbchen mit einer Holzeinfassung zu versehen. Damit war der Prototyp des heutigen Bleistifts erfunden. Auch in Deutschland wandten bald darauf einige Handwerksmeister das neue Verfahren an. Aus einer dieser Manufakturen entwickelte sich übrigens der Schreibwarenhersteller Faber-Castell.

Die erste deutsche Fabrik zur industriellen Bleistiftherstellung wurde 1766 in Bayern gegründet. Allerdings sahen sich die Bleistiftmacher Europas einem ernsten Problem ausgesetzt: Noch immer bezogen sie den Hauptwerkstoff ihrer Produkte aus England. Eine solche Abhängigkeit machte das knappe Material natürlich entsprechend teuer.

Die offizielle Erfindung des Bleistiftes

1789 wies der Chemiker Carl Wilhelm Scheele nach, dass es sich bei der angeblichen Bleilegierung in Wahrheit um ein Kohlenstoff-Produkt handelte, welches er in Anlehnung an das lateinische Wort für "schreiben" Graphit nannte. An der Lage der Bleistiftproduzenten änderte diese Erkenntnis zunächst allerdings nichts. Es stellte sich heraus, dass mitteleuropäische Graphitvorkommen für Schreibzwecke ungeeignet waren. Dennoch wurden bereits kurz nach Scheeles Entdeckung die Weichen für den Bleistift als Massenprodukt gestellt. 1790 gründete der Österreicher Joseph Hardtmuth eine Fabrik für Töpferwaren. Daher experimentierte er unter anderem mit einer Mischung aus Ton, Wasser sowie Graphit. Hardtmuth stellte fest, dass durch die Veränderung der Tonmenge unterschiedliche Härtegrade entstanden und wandte das Verfahren daraufhin ab 1792 zur Bleistiftherstellung an. Erst zehn Jahre später ließ sich Hardtmuth seine Idee patentieren, aus welcher schließlich der weltbekannte Schreibwarenhersteller Koh-i-Noor entstehen sollte.

Zur gleichen Zeit wie Joseph Hardtmuth, aber völlig unabhängig von diesem, forschte der französische Erfinder Nicolas Jacques Conté ebenfalls an Mischungen aus Ton und Graphit sowie an verschiedenen Härtegraden. 1795 erzielte er den Durchbruch. Sein Verdienst besteht zudem in der Einführung einer kostengünstigen Bleistiftherstellung. Conté gelang es, minderwertiges Graphit auszuschlämmen und somit die Abhängigkeit von englischen Lieferanten zu beseitigen. Die von Hardtmuth und Conté entwickelten Fertigungsverfahren setzten sich in den folgenden Jahren als Standard durch und bilden bis heute die Basis der Bleistiftproduktion.

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