Wollemia nobilis, einmal als fossiler Abduck, einmal in frischem Grün

Fossiler Abdruck von Wollemia (Bild: a.sansone)

Zweige von Wollemia (Bild: a.sansone)

Wollemia nobilis, Wollemie; botanische Kurzinformation

Lebendes Fossil? Ist das nicht ein Schimpfname, den man einem unbeliebten Kollegen zuruft? Was bedeutet das bei dieser Pflanze?
Nicht mehr oder weniger, als dass man glaubte, diese Baumart sei seit Jahrtausenden bereits ausgestorben, weil man nur fossile Abdrücke davon kannte, bis man lebende Exemplare entdeckte.

Pflanzengeschichtlich gehört Wollemia nobilis zu einer der ältesten Baumfamilien, den Araukariengewächsen/Araucariaceae.

Diese sehr alte Koniferengruppe besteht aus sehr hohen, immergrünen Bäumen, die mit ihrem dicken säulenartigen Stamm und den in Etagen angeordneten Quirlen von Seitenästen einen wirklich an Urzeiten erinnernden Eindruck machen.

Neben der Wollemia/Wollemie gehören dazu die

  • Chilenische Araukarie, Araucaria araucana und die in Mittelmeerländern gerne als imposanter Blickfang inmitten von Dörfern und Städten gepflanzte
  • Norfolk-Tanne, Araucaria heterophylla/Araucaria excisa. Einer der größten Bäume der Welt,
  • der Kauri-Baum, Agathis australis, gehört ebenso dazu.

Heimat ist der Südpazifik, Südamerika und Australien, das entspricht einem Relikt vom Urkontinent Gondwana.

 

Wollemia nobilis in Meran (Bild: a.sansone)

Die Neu-Entdeckung der Wollemia

Vor über 200 Millionen Jahren dürfte ihr Ursprung liegen. Aber gemeinsam mit dem Sterben der Dinosaurier nahm man auch das Ende der Wollemia an; was fossile Funde belegten.

1994 aber war das Erstaunen, zumindest der botanischen/biologischen Welt grenzenlos, als ein Ranger namens David Noble, in einem abgelegenen Gebiet Australiens, in der Bergregion der Blue Mountains, im Wollemi-Nationalpark eine Gruppe dieser Bäume fand.

Auf Spurensuche nach dem Namen

Das ist bei diesem Baum nicht sehr schwer, denn der Herkunftsort "Wollemi-Nationalpark" stand Pate für den Gattungsnamen Wollemia, und entgegen der meist verwendeten Bedeutung des Artepithetons=Artbezeichnung meint in diesem Fall nobilis nicht edel, vornehm, aristokratisch, sondern ist schlicht eine Anerkennung für den Finder, David Noble.

Lesetipp: Die Bedeutung der botanisch/lateinischen Bezeichnungen.

Wollemia, weibliche und männliche Zapfen (Bild: a.sansone)

Von Blättern, Zapfen und Polarkappen - Details zur Wollemie

Die Rinde der Wollemie besitzt schwammartige Knöllchen.

Die für die Wollemie typischen Blätter (Nadeln) wachsen im unteren Bereich kammartig in zwei Reihen; im oberen Stammbereich werden sie kürzer, steifer und wachsen in vier Reihen.
Wozu? Ich kann es nicht beantworten; aber der Baum wird sich vor ein paar Millionen Jahren schon etwas dazu gedacht haben.

In den kalten Wintermonaten verfallen die Pflanzen in einen Winterschlaf ähnlichen Zustand. In dieser Winterruhe sind die Zweigenden mit einem wachsartigen Überzug bedeckt. Diese sogenannten Polarkappen schützten die empfindlichen Wachstumsspitzen wie warme Mützen vor der Kälte.

Die Wollemie ist einhäusig getrennt geschlechtlich. Das bedeutet, dass an einem Baum sowohl weibliche als auch männliche Zapfen wachsen. (Was man in Blühjahren auch wunderbar an den heimischen Fichten beobachten kann.) Die Äste in der Kronenspitze entwickeln endständige männliche oder weibliche Zapfen. Dabei stehen die weiblichen weiter oben, die männlichen einige Etagen tiefer. Soll Selbstbestäubung verhindern.

Männliche Zapfen sind länglich, weibliche kugelig. Nach der Samenreife (bis zu zwei Jahre) fallen einzelne Schuppen mit den reifen Samen ab und zurück bleibt die mittige Spindel (wie bei der heimischen Tanne). Nur etwa 10% der Samen sind wirklich vermehrungsfähig.

Die Wollemia vermehrt sich auch vegetativ, etwa durch herabfallende Äste, die wiederum Wurzeln ausbilden.

Polarkappe am Wollemi Pine (Bild: Tatters ✾ / Flickr)

Der Schutz des Wollemi-Pine in seinem Ursprungsgebiet

So eine Rarität muss natürlich (oder leider) sorgsam behütet werden, denn Raritätenjäger gibt es immer. Auch muss die Baumart vor schädlichen Umwelteinflüssen, eingeschleppten Krankheiten, etc. geschützt werden. Derzeit umfasst der Bestand an die 100 identische Bäume (Klone). Alle Bäume, auch die an botanische Gärten ausgelieferte Exemplare, besitzen identisches Erbgut.
So wird

  • a) der genaue Standort der Wollemie gehütet wie ein Staatsgeheimnis.
  • b) gibt es rigorose Strafen, wenn jemand ertappt wird.
  • c) Als Massnahme zur Erhaltung der Wollemi Pine wurden Samen gesammelt und Stecklinge geschnitten. Die ersten, knapp 300, nachgezogenen Pflanzen wurden 2005 von einem Auktionshaus an Pflanzenliebhaber versteigert. Der Erlös war mit 1,8 Millionen Franken beachtlich. Ein großer Teil des Geldes wurde für Artenschutzmassnahmen eingesetzt. Die Arterhaltung und der Naturschutz werden auch weiterhin gefördert. Mit jeder verkauften Dinosaurier-Pflanze wird ein Beitrag für Schutzmaßnahmen im Wollemi Nationalpark und für andere bedrohte Pflanzenstandorte weltweit geleistet. (Quelle: www.hauenstein-rafz.ch)

  • Anfänglich wurden speziell an ausgesuchte Botanische Gärten Samen und/oder Stecklinge für den Erhalt dieser Art verschickt.
  • Wer selbst eine Wollemie ziehen möchte, kann das seit Kurzem tun. Mit dem Kauf der Jungpflanzen wird weiterhin der Erhalt der streng gehüteten Gebiete gefördert. siehe: http://www.wollemipine.com/order.php

 

Quellen

  • www.wollemipine.com/
  • https://www.facebook.com/wollemipine/
  • Pflanzenfamilien; Bayton u. Maughan; Haupt-Verlag, Bern 2018
  • Lebende Fossilien; NABU;
  • Spiegel online/Wissenschaft
Adele_Sansone, am 15.05.2018
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