Von lebenden Fossilien und Lazarus Arten

  • Lebende Fossilien,
  • Lazarus-Effekt,
  • ausgestorbene Arten,
  • wiederentdeckte Arten
  • Schlagworte, die den an Biologie interessierten Laien auf jeden Fall aufmerksam machen. Begriffe, die uns im Laufe von neuen Entdeckungen im Bereich der Tiere oder Pflanzen häufig begegnen. Was aber bedeuten sie? Wer gehört dazu? Worum handelt es sich dabei?

 

Was versteht man unter lebenden Fossilien - living fossils?

Zu den biologischen Grundkenntnissen gehört, dass sich die Lebensformen im Verlauf ihrer Evolutionsgeschichte verändern. Aus Fossilien,

den versteinerten Resten oder Spuren von Lebewesen aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit wurden und werden immer noch wichtige Erkenntnisse und Zusammenhänge über die verschiedenen Arten und Familien gezogen.

Art A einer Tier- oder Pflanzenfamilie sah vor Jahrmillionen so aus, entwickelte sich, verzweigte sich in verschiedene weitere Arten und somit sind Art B und Art C miteinander verwandt. So etwa kann man kurzgefasst die Evolution der Arten beschreiben.

Was aber ist mit Arten, die sich im Verlauf von Jahrmillionen kaum verändert haben? Die also keinen Grund vorgefunden haben ihr Muster, ihren Bauplan zu verändern oder die sich schlichtweg Neuerungen verweigert haben, aus welchen Gründen auch immer? Was ist damit?

Diese Arten bezeichnet man als "lebende Fossilien". Der Begriff stammt vom Vater der Evolutionstheorie Charles Darwin selbst. In seinem 1859 erschienenen Buch "Von der Entstehung der Arten" sprach er von diesen sehr ursprünglichen Lebensformen: "These anomalous forms may almost be called living fossils". Auch heute noch wird der Begriff angewandt.

Ginko

Beispiele für lebende Fossilien aus der Pflanzenwelt

  • Ginkgo (Ginkgo biloba): Als ein Beispiel aus der Pflanzenwelt hat Darwin selbst den chinesischen Tempelbaum Ginkgo genannt. Der Ginkgobaum ist der einzige noch lebende Vertreter seiner Familie – im Mesozoikum war die Ordnung sehr verbreitet. Der Ginkgo wird als heiliger Baum vorwiegend in Asien verehrt und gepflegt.
  • Wollemia nobilis - ein Araukariengewächs, das eigentlich seit 65 Millionen Jahren als ausgestorben galt. Im Palmenhaus in Schönbrunn kann man sie bewundern. Auch im botanischen Garten von Innsbruck steht ein Exemplar. Ein besonders prächtiges allerdings befindet sich in den botanischen Gärten von Schloss Trauttmansdorff in Meran.
  • Urweltmammutbaum (Metasequoia glyptostroboides) in China. (Eine wunderbare Metasequoia-Allee gibt es etwa auf der Mainau zu sehen.)
  • Nutmeg Yew oder Nusseibe (Torreya nucifera), ein reliktisches Nadelholz aus der Ordnung der Eibengewächse, die in Mooren als Refugium als lebendes Fossil in Ostasien-Südkorea überlebt hat.

Achtung: Nicht zu verwechseln mit dem englischen Wort Nutmeg, das auch für die Muskatnuss (Myristica fragrans) verwendet wird.

Mammutbäume

Mammutbaum - mächtig, prächtig

Beispiele für lebende Fossilien aus der Tierwelt

  • Das neuseeländische Schnabeltier Ornithorhynchus aus der Gruppe der eierlegenden Säugetiere, der Monotremata.
  • Der Schnabel- oder Ameisenigel.
  • Der südamerikanische Lungenfisch (Lepidosiren paradoxa)
  • Der Pfeilschwanz Weinbergina, der vor 400 Mio. Jahren lebte. Heute sind Xiphosuren noch entlang der nordamerikanischen Atlantikküste verbreitet (Limulus), und kommen mit zwei Gattungen (Carcinoscorpius, Tachypleus) in Südostasien vor.
  • Der Nautilus, seit der Trias gibt es nur noch die spiralig eingerollten Formen. Fossilien sind in Südschweden (Schonen), auf den Inseln Öland und Gotland, aber auch in Kiesgruben Norddeutschlands zu finden. Die rezente Gattung Nautilus lebt heute im Indischen und Pazifischen Ozean in Tiefen von 50-500 m.
  • Der Quastenflosser (Crossopterygii) wurde Ende der 90er Jahre wieder entdeckt. Er kommt in Meeresgebieten nördlich von Sulawesi (Celebes) vor. Heute kennt man zwei Arten, den Manado- und den Komoren-Quastenflosser.
  • Das Okapi lebt seit dem Miozän (vor 5,3 - 23 Millionen Jahren) mit denselben komplexen Merkmalen, die es noch heute besitzt.
  • So bekannte Arten, wie Krokodil und Schildkröte haben ebenfalls ihren Bauplan seit Jahrmillionen nicht verändert und können als lebende Fossilien bezeichnet werden.

Nautilus Fossilie (Bild: stux / Pixabay)

Was bezeichnet man als Lazarus-Arten oder Lazarus-Effekt?

Lazarus, der in der Bibel von den Toten Wiedererweckte stand mit seiner Geschichte und seinem Namen Pate.

Nach ihm bezeichnet man das Wiederauftauchen bereits ausgestorben geglaubter Arten, die also quasi wie der biblische Lazarus von den Toten wieder auferstanden sind.

Wo man diese Arten aufspürt? Eigentlich ist es zugleich trivial und auch traurig. Erstaunlich viele dieser totgeglaubten Arten tauchen heute auf asiatischen oder afrikanischen Lebensmittelmärkten wieder auf, bereit für den Kochtopf also.

Glück ist es, wenn etwa Forscher oder Biologen lebende Exemplare aufspüren können und dann die Chance für Aufklärungsarbeit bekommen. Aber manches Mal kommt auch der Wissenschaftler hier zu spät.

Die beste Überlebenschance haben jene Säugetiere und Vogelarten, die einst in ausgedehnten Gebieten lebten, aber durch den Verlust ihres Lebensraumes dezimiert wurden. Oftmals überleben dann diese kleinen Gruppen nahezu unbemerkt in einem übersehenen Winkel, einer abgeschiedenen Nische. Forscher, die sich in diesen Winkeln umtun, haben eine gute Chance so einige dieser verschollenen Arten wieder zu entdecken.

Das Projekt "Lost Bird" etwa sucht nach 47 möglichen Lazarus-Vogelarten, von denen manche seit fast 200 Jahren als ausgestorben gelten. Projektleiter Marco Lambertini ist voller Hoffnung: "Die Geschichte hat uns gezeigt, dass wir Arten nicht aufgeben dürfen, die als ausgestorben gelten."

Maus (Bild: Kapa65 / Pixabay)

Beispiele für Lazarus Arten

Sicher kommen im Laufe der nächsten Jahre genügend andere Lazarus-Arten dazu, aber dennoch kann das Aussterben und Verschwinden vieler anderer Arten kaum gestoppt werden.

Quellen: Lebende Fossilien; NABU; Spiegel online/Wissenschaft

 

Adele_Sansone, am 28.09.2014
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Bildquelle:
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Mainau - Tulpen, Rosen, Mammutbäume - gute Gründe für einen Besuch ...)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Gärten von Schloss Trauttmansdorff - ein Besuch der sich lohnt)

Autor seit 5 Jahren
270 Seiten
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