Basierend auf der Legende von Sawney Bean

Leckere Eliza Dushku

Wes Cravens Horrorklassiker "The Hills Have Eyes" war nur der Anfang. Seither mussten sich dutzende Filmhelden gegen blutrünstige Kannibalen im US-Hinterland erwehren. Ein Ende dieser auf der Legende von Sawney Bean basierenden cineastischen Unappetitlichkeiten ist angesichts des Erfolges nicht abzusehen. Zu den besseren Genrevertretern zählt zweifellos der aus 2003 stammende "Wrong Turn", der immerhin mit "Buffy"-Star Eliza Dushku und vorzüglichen Masken des verstorbenen Stan Winston aufwarten kann.

 

Trau, Stau, wem!

Medizinstudent Chris (Desmond Harrington) läuft, respektive fährt, Gefahr, einen wichtigen Vorstellungstermin zu versäumen. Denn ausgerechnet an diesem Tag geht auf den Straßen gar nichts weiter. Um dem Massenstau zu entkommen, fährt Chris von der Straße ab und sucht auf gut Glück nach einer Umfahrung. Zunächst scheint ihm Fortuna wohlgesonnen: An einer Tankstelle entdeckt er einen Straßenplan, der eine Abkürzung durch den Wald als alternative Route vorschlägt.

Dummerweise kracht der Student in einer unübersichtlichen Kurve in den Wagen der Freunde Jessie (Eliza Dushku: "True Lies", "Buffy"), Carly (Emmanuelle Chriqui), Scott (Jeremy Sisto), Evan (Kevin Zegers) und Francine (Lindy Booth). Das Ergebnis: Zwei fahruntüchtige Wagen. Leider funktionieren auch die Handys nicht, weshalb sich die jungen Leute gezwungen sehen, auf Schusters Rappen Hilfe zu suchen.

Nach einer anstrengenden und nervigen Wanderung finden sie eine scheinbar verlassene Waldhütte, die sie in der Hoffnung auf ein Telefon durchkämmen. Doch, o Schreck: In der Badewanne liegt ein menschlicher Torso und im Kühlschrank lagern in Einmachgläser abgefüllte Körperteile! Und als wäre dem nicht genug, kehren die grausig entstellten Bewohner in diesem Augenblick zurück und beginnen rasch zu ahnen, dass sich jemand in die Hütte eingeschlichen hat. Eine feine Sache für die Kannibalen …

"Wrong Turn": Saftiger Splatter!

Gevatter Splatter

Freunde des zünftigen Splatter können sich in "Wrong Turn" an zahlreichen gruseligen Effekten erfreuen. Der Clou von Filmen dieser Art liegt allerdings darin, dass die Monster nicht aus anderen Galaxien oder osteuropäischen Schlössern stammen, sondern mitten in den USA leben und wüten. Was könnte furchterregender sein als die Aussicht, durch einen blöden Zufall Kannibalen quasi in den Kochtopf zu laufen?

So abstrus die Plotidee einer durch Inzest mutierten Monsterfamilie mit kannibalischen Gelüsten auch anmuten mag: Ihre Wurzeln reichen ins 15. Jahrhundert zurück, als in Schottland Sawney Bean und seine Familie ganze Landstriche von Menschen gesäubert haben sollen. Über den Wahrheitsgehalt dieser sensationsheischenden Geschichte kann man natürlich geteilter Meinung sein. Dem geneigten Horrorfan ist dies einerlei: Hauptsache, es gibt Splatter, Nervenkitzel und fiese Wendungen!

 

Kein Mitleid mit Kannibalen

Und davon gibt es in "Wrong Turn" massenhaft. Nach einem kurzen Prolog, der die Entstehung der Mutantenfamilie erklärt, sowie dem unvermeidlichen Vorgeplänkel, schreitet Regisseur Rob Schmidt rasch zur Bluttat. Perfiderweise laufen die ausnehmend hübschen Protagonisten – allen voran die aus diversen Filmen und Fernsehserien bekannte Eliza Dushku – den Kannibalen fast direkt in die Hände.

Was folgt, ist logischerweise ein grausiges Gemetzel, in dessen Verlauf sich beide Seiten nicht gerade zimperlich zeigen. Mitleid mit den Kannibalen kommt ebenso wenig auf, wie Sympathien für die Hauptdarsteller. Charakterisierungen oder Figurenentwicklungen waren im Drehbuch von "Wrong Turn" nicht vorgesehen. Doch Hand aufs dunkle Herz: Wer erwartet schon bei einem Film über mutierte Kannibalen, die in den Wäldern auf verirrte Touristen lauern, komplexe Handlungsstränge?

Masken von Stan Winston

Stupide, aber spannend

Stattdessen bietet "Wrong Turn" alle Bestandteile einer schmackhaften Horrorkost: Knackige Darsteller, düsteres Ambiente, fiese Schurken, tolle Spezialeffekte und natürlich viel Spannung! So manche Szene ist von ausgesuchtem Kitzel der Nerven und lässt die im Grunde stupide Handlung vergessen. Mehr als nur einmal zeigen die Kannibalen erstaunliche hellseherische sowie körperliche Fähigkeiten.

Hervorzuheben sind neben der fesselnden Regie die Spezialeffekte. Die mit viel Liebe zum Detail und Horror designten Mutanten-Masken stellen eine der letzten Arbeiten der Genre-Ikone Stan Winston dar. Der durch "Aliens – Die Rückkehr" und die ersten beiden "Terminator"-Filme berühmt gewordene Winston verstarb 2008, wodurch "Wrong Turn" zu einer Art Vermächtnis seiner Maskenkunst wurde.

 

"Wrong Turn", richtige Kaufentscheidung!

Freilich: Ein Meisterwerk des Horrorfilms ist Rob Schmidt nicht gelungen. Trotzdem macht es Spaß zuzusehen, wie sich die feschen Protagonisten buchstäblich ihrer Haut erwehren. Eine gar nicht so einfache Aufgabe angesichts der gewitzten Mutanten.

Fazit nach knapp 80 Minuten Laufzeit: Dieser Splatter macht aus einer einfachen Strickart kein Geheimnis. Gerade diese erfrischende Offenheit gereicht "Wrong Turn" aber zur Ehre, weshalb er für Horrorfans ein Muss darstellt.

Originaltitel: "Wrong Turn"

Regie: Rob Schmidt

Produktionsland und -jahr: USA, 2004

Filmlänge: ca. 81 Minuten

Verleih: Constantin Film Verleih

Deutscher Filmstart: 28.8.2003

DVD-Veröffentlichung: 18.3.2004

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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