Türkenlouis und seine Namensvettern

Der Name Ludwig scheint unter Adligen recht beliebt gewesen zu sein. Von der Blütezeit der Franken, über deren Nachfolgestaaten bis ins Frankreich des 19. Jahrhunderts reicht die Linie der gekrönten Ludwig-Häupter. Die entsprechend schwierige Unterscheidung dieser vielen Herrscher wird jedoch ein wenig erleichtert durch teilweise skurrile Bezeichnungen wie "der Zänker", "der Stammler" oder "das Kind". Interessant ist auch Ludwig der Nichtstuer (966-987), dessen Beiname allein der Tatsache geschuldet ist, dass er nur wenige Monate regierte.

Durch seinen Namenszusatz grob einseitig beschrieben wird allerdings der Franzose Ludwig der Dicke (1081-1137), dem die Bezeichnung "der Patriot" vielleicht besser gestanden hätte. Denn bedeutender als seine Leibesfülle war die Tatsache, dass er Frankreich zu einem geeinten Nationalstaat machte und dabei polemische Propaganda gegen die deutschen Nachbarn betrieb.

Die heute etwas lächerlich klingende Bezeichnung Türkenlouis hingegen war eigentlich ein Ehrenname. Markgraf Ludwig Wilhelm I. von Baden erhielt ihn, nachdem er Ende des 17. Jahrhunderts als kaiserlicher Heerführer mehrfach die türkische Invasion abgewehrt hatte.

Vom entarteten Vater eines gebissenen Sohnes

In Dresden bewundern Touristen oft den so genannten Fürstenzug, ein 102 Meter langes Monumentalgemälde auf Keramik. Er stellt das Herrschergeschlecht der Wettiner dar, unter denen es allerdings einige seltsame Kandidaten gab. Dazu gehörte beispielsweise Albrecht der Entartete (ca. 1240 – 1315). Er brachte das bereits politisch und militärisch bedrohte Haus Wettin an den Rand des Untergangs, indem er aus finanziellen Motiven Ländereien verpfändete. Da seine Söhne somit ihr Erbe gefährdet sahen, kam es mehrfach zu innerfamiliären Fehden, bis Albrecht ihnen schließlich die eigentliche Regierungstätigkeit überließ. Weniger Beachtung findet in der Geschichtsschreibung allerdings die Tatsache, dass Albrecht neben seinem Interesse an Frauen und Geld auch durchaus vernünftig handeln konnte. Er galt zum Beispiel als Förderer des Städtewesens.

Einer von Albrechts Söhnen hieß Friedrich der Freidige (1257-1323). Seinen Namenszusatz, der Tapferkeit ausdrücken soll, trug der kämpferische Adelsmann mit Recht. Dennoch gab es für ihn auch eine weniger ehrenvolle Bezeichnung: Friedrich der Gebissene. Der Beiname entstand der Legende nach dadurch, dass Friedrich im Kindesalter von seiner Mutter gebissen wurde. Sie soll dies im Abschiedsschmerz getan haben, weil sie der neuen Gattin Albrechts weichen musste.

Englische Herrscher: Johann Ohneland und die blutige Maria

Er ist vermutlich der bisher größte Pechvogel der englischen Monarchie: Johann I. von England (1167-1216) intrigierte vergeblich gegen seinen Bruder Richard Löwenherz. Als er nach dessen Tod endlich doch noch den Königstitel erhielt, wurde dies keine glanzvolle Zeit für das Inselreich. Militärisch und diplomatisch konnte sich Johann weder gegen die Franzosen, noch gegen die eigenen Barone durchsetzen und wurde sogar vom Papst exkommuniziert. Einer Legende zufolge verlor Johann in einer Meeresbucht kurz vor seinem Tod auch noch den Kronschatz. Aufgrund solcher Erfolglosigkeiten titulierte man den Herrscher schließlich als "Johann Ohneland", ein Beiname, der selbst in modernen Geschichtsbüchern erhalten geblieben ist. Immer wieder musste der glücklose König zudem als Schurke in diversen Robin-Hood-Verfilmungen herhalten...

Genau drei Jahrhunderte nach dem Tod Johanns erblickte ein Mädchen das Licht der Welt, welches offenbar über wesentlich mehr Durchsetzungsvermögen verfügte. Maria I. (1516-1558) tat in gerade einmal fünf Jahren Regierungszeit alles, um den unter ihrem Vater verdrängten Katholizismus wieder zu stärken. Rund 300 Andersgläubige starben auf dem Scheiterhaufen. Die Königin erhielt deshalb in der Geschichtsschreibung den unschönen Titel Maria die Blutige. Als Alternative wird gelegentlich jedoch auch der (für Uneingeweihte) harmloser klingende Namenszusatz Maria die Katholische verwendet.

Quellenauswahl:

Bertelsmann Lexikon Geschichte, Gütersloh, 1996

Kindlers Kulturgeschichte / Friedrich Heer: Mittelalter von 1100 bis 1350, Parkland Verlag, Köln, 2004

Deutsche Biografien

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