Sie brauchen ein System

Wir alle setzen uns Ziele für Kurse, die wir belegen, für das Gewicht, das wir erreichen wollen, vielleicht auch für die Gewichte, die Sie stemmen wollen (ich jetzt nicht so), für Kunden, die wir gern erreichen würden, Umsätze, die am Ende des Monats auf dem Papier stehen sollen - Sie kennen das.

Jetzt gibt es natürlich die Weisheit, sich mit kleinen Zwischenzielen bei Laune zu halten. Aber bringt es das wirklich? Ich denke nicht, denn die meisten Menschen finden auf dem Weg zum ersten Zwischenschritt heraus wie schwierig es ist, das Ziel zu erreichen und wie viel Arbeit, Mühe oder Zeit sie investieren müssen. Das demotiviert viele und die meisten geben spätestens nach dem dritten Zwischenziel auf. "Es dauert jetzt schon so lange, wie lange wird es dann dauern, bis ich das Endziel erreicht habe….usw. usf." Das demotiviert und deprimiert selbst diejenigen, die dies jetzt lesen oder schon einmal eine derartige Diskussion mit einem, der aufgeben will, geführt haben.

Was ich herausgefunden habe, ist, dass es einen Unterschied gibt zwischen den Menschen mit der üblichen Zielsetzung und diesen merkwürdigen Zwischenstopps und denjenigen, die systematisch vorgehen - beinahe ohne Zielsetzung. Sie benötigen ein System der einzelnen Schritte. Ihr Kopf soll frei bleiben, weil die entspannte Grundhaltung zur Zielerreichung wichtig ist. Gleichzeitig bleiben Sie aber fokussiert in Ihrem Inneren. Nur so kann es zu den sogenannten Synchronizitäten kommen, jenen scheinbaren Zufällen, die keine Zufälle sind. Das System besteht also aus diversen Faktoren: Entspannung, Visualisierung und Fokussierung und dann Aktivität. Nur wenn Sie aktiver werden, können sich Ihre Wünsche und Ziele auf Sie zu bewegen. 

Sie glauben das nicht? Nun, statt abends vor dem Fernseher zu sitzen, könnten Sie bei einem Spaziergang einem Nachbarn begegnen, der Ihnen zufällig etwas erzählt, was Sie dem Erreichen Ihres Ziels oder Wunsches einen großen Schritt voranbringt - oder aber für einen weiteren, wichtigen Kontakt sorgt. Dieses Beispiel lässt sich auf alles anwenden: VHS-Kurse, abends Sport treiben, essen gehen, S-Bahn fahren. Sie müssen nur Vertrauen haben und offen für Ihre Mitmenschen sein.

Der Unterschied zwischen Ziel und System

Es erklärt sich eigentlich beinahe von selbst. Nur, die wenigsten Menschen bedenken es. Sie sehen immer wieder nur auf das große Endziel - oder auf die vielen Etappenziele, die schon durch ihre Anzahl demotivieren können.

Dabei ist es ganz einfach:

Wenn Sie Bundestrainer sind, dann ist Ihr Ziel, die nächste WM zu gewinnen - Ihr System sind die Übungen, die Ihr Team jeden Tag beim Training absolviert.

Wenn Sie Schriftsteller sind, dann ist Ihr Ziel, das nächste Buch zu veröffentlichen - Ihr System ist Ihr tägliches Schreibpensum.

Wenn Sie Läufer sind, dann ist Ihr Ziel, einmal einen Marathon zu laufen - Ihr System ist Ihr wöchentliches Laufpensum.

Wenn Sie Unternehmer sind, dann ist Ihr Ziel, eine Million Euro Gewinn zu machen - Ihr System ist Ihre Verkaufs- und Marketingstrategie.

Nun kommen wir zu einer wirklich interessanten Frage: Wenn Sie Ihr Ziel völlig vergessen oder auch abhaken und sich nur auf das System konzentrieren, erreichen Sie Ihr Ziel dann trotzdem?

Reicht das System allein?

Nun, diese Frage würde ich selbstbewusst mit "ja" beantworten.

Überprüfen wir das mal:

Ich arbeite als Autorin und habe bisher noch kein Buch veröffentlicht. Mein Ziel wäre es also, eines Tages Bücher zu schreiben und diese zudem erfolgreich zu verkaufen.

Wenn ich einmal überschlage, wie viel ich pro Jahr schreiben, dann komme ich geschätzte auf 1.500 bis 2.000 DIN A4 Seiten, vermutlich sogar mehr. Ein Buch hat in der Regel zwischen 250 - 500 Seiten (DIN A5). Selbst wenn ich Bücher in A4 schreiben würde, könnte ich pro Jahr locker vier Bücher schaffen. 

Ich habe bislang also offensichtlich nicht das Ziel verfolgt, sondern einen Plan. Das tägliche Schreiben ist mir ein Bedürfnis - so entstehen jede Woche viele neue Artikel. Und ich habe die Übung für meine Bücher. Dass ich dabei jeden Tag unendlich viel lerne, bekomme ich gratis dazu. Mein Fokus liegt also auf dem System, dem Arbeitsprozess, auf dem Tun.

Nun sagen Sie vielleicht das geht bei Ihnen so nicht aus diesen oder jenen Gründen. Viele argumentieren und streiten mit mir dann darüber, ob ein kreativer Beruf da nicht anders sei. Ganz klar: NEIN.

Reicht das Ziel allein?

Nein. 

Sie erreichen Ihre Ziele nicht, weil so eine Zielsetzung frustriert. Das Ziel auszusprechen klingt super. Es aufzuschreiben, um es zu "fixieren", sieht toll aus. Und dann?

Das Problem: Sie werden unglücklich damit, weil Sie nach einigen Schritten feststellen, dass Sie dies oder jenes noch nicht können, dass Sie erst Kurse besuchen oder sich besondere Fähigkeiten aneignen müssen. Das Ziel steckt zwar in Ihrer Hosentasche oder im Portemonnaie, aber nicht mehr in Ihnen selbst. Sie scheitern. 

"Wenn ich mein Ziel erreiche, dann werde ich das alles können." oder auch "Wenn ich erst mal mein Ziel erreicht habe, dann werde ich erfolgreich sein." sind die seltsamsten Sätze, die Sie bei einer Zielsetzung von sich geben können. Wenn das Wörtchen wenn nicht wäre. Was ist denn mit all den Tagen vorher? Da können Sie nichts? Da sind Sie überhaupt nicht erfolgreich? Das heißt also: nur unglücklich und frustriert. Hm.

Lösung: Legen Sie sich auf ein System fest, nicht auf ein Ziel. Sie bürden sich mit Ihrem Ziel eine Menge Last auf, setzen sich viel zu sehr unter Druck. Allein der Gedanke, ich hätte mir für dieses Jahr das Schreiben eines Buchs zum Ziel gesetzt, verursacht bei mir schon Stress.

Und das gilt für alle Ziele. Sie möchten abnehmen? Und Ihr Ziel ist es, 5 kg, 10 kg oder mehr an Gewicht zu verlieren? Allein die Menge stresst Sie doch schon. Sie bekommen ein schlechtes Gewissen, weil Sie es so weit haben kommen lassen. Andere schmunzeln nur über Ihr Ziel, belächeln Ihre Versuche gesünder zu essen - und so weiter. 

Konzentrieren Sie sich auf Ihren Moment, auf das, was Sie JETZT tun können. Und dann tun Sie diese Dinge. Es reicht, wenn Sie sich am Anfang von Moment zu Moment konzentrieren. Sobald das funktioniert werden Sie beginnen, sich Ihr Tagespensum festzulegen. Und wenn Sie darin geübt sind, werden Wochenprogramme daraus. Entspannen Sie sich, denn auf diese Weise können Sie es garantiert schaffen. Und wenn es mal Durchhänger gibt? - Na, und? Der Trick besteht darin, weiterzumachen.

Problem: Sie denken Ihr Ziel hält Sie langfristig motiviert. Sind Sie da sicher? Sie fangen doch beim ersten Durchhänger schon an, negativ zu denken. Das geht allen Menschen so. Diese nagende Frage: "Halte ich das wirklich durch?" Und negative Gedanken erzeugen negative Ergebnisse.

Diese negativen Erfahrungen führen bei allen Zielsetzungen zum Yo-Yo-Effekt - nicht nur bei Diäten. Sie haben es nicht geschafft, sind eingebrochen, haben etwas abgebrochen und sind innerlich schon drei Stufen runter gegangen mit Ihrem Selbstbewusstsein.

Lösung: Vergessen Sie schnelle Erfolge. Alle Dinge brauchen ihre Zeit um zu wachsen.

Man wird nicht von einem Tag auf den anderen plötzlich dick - sofern man kerngesund ist. Das dauert und hat seine Gründe. Wie sollte es dann also möglich sein, innerhalb weniger Tage oder Wochen wieder so schlank wie vor 5 Jahren zu werden?

Man wird auch nicht von einem Tag auf den anderen unzufrieden im Job, es sei denn, man hat ihn aus einer Not heraus angenommen. Deshalb geben Sie sich Zeit, etwas Neues zu finden - und genießen Sie die Erfahrungen, die Sie machen, auch wenn Sie Absagen bekommen. Vielleicht sagen Sie selbst sogar ab und stellen fest, dass Ihr jetziger Job doch nicht so schlecht ist.

Problem: Ziele suggerieren das Gefühl, wir könnten die Zukunft beeinflussen. Das Erschreckende ist, dass wir das nicht können. Es wird tausende von kleinen Dingen geben, die sich Ihnen in den Weg stellen oder legen. Und schon scheint das Ziel in weite Ferne gerückt zu sein. Ganz ehrlich: Dort in der Ferne war es schon vorher.

Lösung: Feedback-Schleifen. Sie sollen Ihr Ziel aus dem Kopf bekommen, aber nicht total aus den Augen verlieren. Mit einem freien Kopf können Sie sich auf das Wesentliche, das Tun, fokussieren und konzentrieren. Wenn Sie Angst haben, dass Sie dabei Ihren Traum aus den Augen verlieren, dann bauen Sie sich Feedback-Schleifen. Diese können Sie selber machen. Setzen Sie sich einfach am Wochenende für 15 Minuten hin und analysieren Sie, was Sie in der Woche geschafft haben, wie viel Sie getan haben, was Sie gelernt haben, welche Erfahrungen Sie gemacht haben, welche Menschen Sie getroffen haben, welche neuen Ideen Ihnen in den Sinn kamen und so weiter.

Diese Kurzanalysen sind wichtig. Sie behalten einen freien Kopf, können weiterhin in Ihrem Rhythmus arbeiten und erkennen, dass Sie sich sehr wohl vorwärts bewegt haben. 

Fazit

  • Behalten Sie Ihre Pläne, Wünsche, Ziele zunächst für sich. Schützen Sie sie. Ihre Ideen sind wie ein kleines Kind oder eine junge Pflanze, die Sie vor zu viel Licht, Wasser und Wind beschützen müssen. Und bedenken Sie: Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Nutzen Sie diesen Zauber - und bewahren Sie ihn für so lange wie möglich.
  • Starten Sie Ihr System. Tun Sie etwas. Beginnen Sie umgehend damit, etwas für Ihr Ziel zu tun, das Sie regelmäßig tun können. Legen Sie sich notfalls einen fixen täglichen Termin fest, den Sie auch in Ihrem Kalender eintragen.
  • Ich nutze Ziele immer nur als Plan für einen Fortschritt, eine Entwicklung. Das System hilft mir dabei diesen Fortschritt, die Entwicklung auch zu machen.
  • Grundsätzlich kann ein Ziel motivieren und auch antreiben - doch dieser Effekt hält in den meisten Fällen nicht lange an, sondern kehrt sich durch Enttäuschungen ins Gegenteil um. Sich aber auf das System einzulassen bedeutet, sich regelmäßig weiterzuentwickeln und dabei das Leben im Hier und Jetzt nicht zu vergessen.
  • Wundern Sie sich nicht, wenn Sie auf Ihrem Weg beim täglichen Tun das Ziel so ganz nebenbei erreichen und das dann nicht genug ist. Sie werden weitermachen wollen.
  • Aber: Ob Sie wirklich Ihr Ziel erreichen, liegt nach wie vor an Ihnen und in Ihren Händen. Doch Ihr System erhöht die Chancen es zu erreichen, um ein Vielfaches.
Lili, am 08.01.2014
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Bildquelle:
S.Geissler/pixelio.de (Neues Jahr, neue Vorsätze - 5 Tipps zur Zielerreichung)
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Der Davidstern - Petra Bork via pixelio (Deutsch-jüdische Fragen)
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