Zombies an die Macht!

Keine Verschwörungstheorie: Bei geheimen militärischen Experimenten der US-Armee wird eine Substanz erzeugt, die aus durchschnittlichen Soldaten wahre Übermenschen machen sollen. Das Resultat des Versuchs ist für die Beteiligten höchst unerfreulich: Die Probanden verwandeln sich in nach Menschenfleisch gierende Zombies. Was tun? Ganz einfach: Die verhängnisvolle Substanz in Fässer abfüllen, diese im Nirgendwo heimlich ablagern und Gras über die Sache und die Toten wachsen lassen.

Die Vertuschungsaktion klappt leider nicht so ganz. Denn eines der Fässer verseucht ausgerechnet jenes Softeis, das die Freunde Tim (Michael Terry), Cindy (Betsy Beutler), Mike (Matthew Davis) und Vanessa (Julianna Robinson) nichtsahnend verspeisen. Die Folge: Sie mutieren zu Zombies, ohne sich dessen jedoch bewusst zu sein. Vielmehr beunruhigt sie das Verhalten ihrer Mitmenschen. Diese quasseln plötzlich unverständlich schnell, bewegen sich mit ungeheurer Geschwindigkeit und ergreifen beim Anblick des Quartetts die Flucht. Kein Wunder, entdecken diese doch ihren Heißhunger auf Frischfleisch der noch lebenden und ahnungslosen Sorte …

Horrorkomödie à la „Shaun of the Dead“

Welcher Film für Matthew Kohnens brachiale Horrorkomödie Pate stand, ist nicht unschwer zu erahnen. Mit dem vier Jahre zuvor produzierten britischen Kulthit "Shaun of the Dead" verbindet "Wasting Away – Zombies sind auch nur Menschen" zumindest die originelle Plotidee. Stakste Simon Pegg als Titelheld Shaun lange Zeit ahnungslos durch ein von Zombies bevölkertes London, so verhält es sich im Falle des jüngeren Streifens exakt gegenteilig: Hier sind es die Zombies selbst, die sich ihrer Verwandlung nicht bewusst sind und erst allmählich die Gründe dafür erkennen, weshalb die Welt um sie herum merkwürdig wirkt.

Freilich: Die qualitativen Unterschiede zwischen den beiden Filmen des beliebten Horror-Subgenres "Zombiekomödie" sind doch gravierend, weshalb Matthew Kohnens auf Festivals gefeiertes Werk nicht annähernd die Klasse von "Shaun of the Dead" erreicht. Dies zeigt sich besonders deutlich etwa bei der Charakterisierung. Shaun und seine Freunde – wie auch Feinde – wurden zwar skurril, aber liebevoll gezeichnet, während Tim oder Cindy kaum eigenes Profil zugestanden wird.

Originelle Plotidee alleine macht nicht satt

Allzu offensichtlich verlässt sich der Film auf die originelle Plotidee und vergisst darüber, eine spannende Geschichte zu erzählen, wie dies beim zuvor genannten Streifen der Fall ist. Schließlich sollte auch eine Horrorkomödie nicht auf Witze und parodistische Anspielungen allein setzen, sondern als eigenständiger Film funktionieren. Leider ist dies bei "Wasting Away – Zombies sind auch nur Menschen" nur bedingt der Fall. Nimmt man die Plotidee und einige sehr witzige Szenen weg, verbleibt ein dürftiges Drehbuch, dem mehr Sorgfalt keinesfalls geschadet hätte.

Auch wenn der rund eineinhalb Stunden lange Film durchaus unterhält, schöpft er sein vor allem satirisches Potenzial nicht aus. Da wäre einfach weitaus mehr drinnen gewesen, als ein netter cineastischer Snack für Zwischendurch, der am nächsten Tag schon wieder völlig vergessen ist. Den hauptsächlich durch Auftritte in TV-Serien wie "Scrubs" geschulten Schauspielern kann man keinen Vorwurf machen: Sie erledigen ihre Arbeit professionell. Doch was nützt dies, wenn sich die Handlung etwa ab der Hälfte der Laufzeit im Kreis zu drehen beginnt?

Des Zombies bester Freund: Betrunkene!

Angesichts einiger brüllend komischer Szenen schade. Beispielsweise erweist sich ein Betrunkener als auf Grund seines die Sinne beeinträchtigenden Zustands als Einziger, der mit den Zombies "normal" kommunizieren kann. Mehr solcher Einfälle und "Wasting Away – Zombies sind auch nur Menschen" hätte zum Genrejuwel reifen können. Gleiches gilt für den oft äußerst platten Humor, der die guten Gags zu verdecken droht. Einige effekttechnische Unzulänglichkeiten sind dem niedrigen Budget geschuldet.

Fazit: Trotz aller Mängel unterhält die Horrorkomödie höchst passabel. Für Genrefans ist der Streifen auf jeden Fall einen näheren Blick wert. Wer Horrorfilmen nichts abgewinnen kann, wird sich auch von "Wasting Away – Zombies sind auch nur Menschen" nicht zur dunklen Seite der Filmwelt bekehren lassen.

Originaltitel: "Wasting Away"

Regie: Matthew Kohnen

Produktionsland und -jahr: USA 2008

Filmlänge: ca. 91 Minuten

Verleih: Euro Video

DVD- bzw. Blu-ray-Veröffentlichung: 11.03.2010

Autor seit 7 Jahren
839 Seiten
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