Kein Witz, der Witz gilt als schäbig. Nicht nur, wenn er anzüglich ist: Generell vermacht man diesen Textchen nicht allzu viel. Dabei sind Witze alles andere als dumm: Nur wenn er hintergründig und um die Ecke gedacht ist, kann er wirken. Er spielt mit dem Wissen des Zuhörers oder Lesers, indem er eine Erwartungshaltung provoziert - und dann vorher schnell einen geistigen Haken schlägt.

Witze haben keine weitere Aufgabe, als die Menschen zum Lachen zubringen. Und weil's gemeinsam noch lustiger ist, spielt bei Witze heute auch noch die Mündlichkeit eine große Rolle: Sie werden erzählt und brauchen Publikum.

Wer gerne Witze zum Besten gibt, sollte sich ein nettes Repertoire zusammenstellen. Darin sollten sich unterschiedlichste Themen wiederfinden - etwa Berufe, Hobbys, Männer, Kirche, Blondinen, Fritzchen... und nur ganz wenige der humorvollen Kracher sollten Sex zum Thema haben.

Hier werden meine drei Lieblingswitze vorgestellt - garantiert jugendfrei und humorvoll.

Mit Laptop und Pipapo

Der Schäfer lehnt sich inmitten seiner Herde gerade gemütlich auf den Stock, als ein roter Porsche anrauscht. Ein geschniegelter Typ springt heraus und sagt zum Schäfer: "Ey, wenn ich dir genau sage, wie viele Schafe  du in deiner Herde hast, darf ich mir dann eins aussuchen?" Der Schäfer zieht die Augenbrauen hoch, dann sagt er knapp: "Ok."

Der Yuppie klappt seinen Laptop auf, wählt sich ins Internet ein, rechnet herum und lächelt siegessicher: "1739! Stimmt's?" Die Augen des Schäfers funkeln böse, aber: "Ja!"

Der Yuppie hüpft ewig zwischen der Herde herum, begutachtet die Tiere und wählt nach langem Hin und Her eines aus. Da streicht sich der Schäfer langsam durch den Bart und will wissen: "Wenn ich dir sage, was du von Beruf bist - krieg' ich dann mein Tier wieder?"

Der Yuppie willigt ein und der Schäfer sagt: "Unternehmensberater." Dem Yuppie fällt die Kinnlade runter: "Woher weißt du das", hakt er verblüfft nach.

Poltert der Schäfer los: "Ganz einfach: Ihr kommt ungebeten, sagt einem, was man eh schon weiß, und habt von nichts 'ne Ahnung - und jetzt gib mir meinen Hund wieder!"

Pessimisten sind kein Vergnügen

Der Jäger hat seinen alten Hund verloren. Mit dem neuen geht er zum ersten Mal auf die Jagd, als er gleich eine Ente schießt. Die fällt in den See. Der Hund rennt los, übers Wasser, holt die Ente, rennt zurück und der Jäger ist verblüfft: "Donnerwetter, ein Hund der übers Wasser gehen kann."

Ganz traut er den Fähigkeiten seines neuen Gefährten jedoch nicht, deshalb schießt er abermals eine Ente über dem Wasser.  Die gleiche Prozedur: Der Hund rennt übers Wasser und apportiert die Ente zum Jäger.

Der Jäger schätzt die Sache richtig ein: "Wenn ich das jemandem erzähle, halten sie mich für verrückt." Deshalb beschließt er, einen Freund mit auf die Jagd zu nehmen. Der soll es das Wunder sehen - und den anderen davon berichten.

Zusammen mit dem Freund sitzt er also an, schießt die Ente passgenau überm Wasser, der Hund spurtet los, schnappt die Ente, rennt zurück - und der Kumpel sagt kein Wort.

Der Jäger hält es schier nicht mehr aus und fragt seinen Freund: "Fällt dir was auf an meinem Hund?"

"Ja - er kann nicht schwimmen."

Oberwasser für den Rabbi - Sonderform des jüdischen Witzes

Der jüdische Witz ist tiefsinnig und warmherzig, seine Akteure, meist der Rabbi, einfach knitz. Eine Besonderheit liegt in seiner Sprache, die den Dialekt abbildet - man muss sie einmal gehört haben, um sie beim Witzeerzählen nachahmen zu können.

Im Übrigen erzählen die Juden diese Art von Witzen selbst gerne. Deshalb gibt es auch den Witz von den jüdischen Kaufleuten in der Bahn, denen das Erzählen der immergleichen Witze zu aufwendig geworden ist. Sie vegeben Nummer und nennen nur noch die Nummer des Witzes. Heiteres Lachen nach jeder Nummer. Kommt ein Fremder hinzu, beobachtet das Spiel und sagt schließlich: "27!". Keine Reaktion. "Das ist doch ein guter Witz!" "Schon, aber erzählen muss man  ihn  können."

Klingende Münze

Treffen sich ein katholischer und ein evangelischer Priester und der Rabbi. Die drei fachsimpeln ein bisschen theologisch, unterhalten sich über ihre Gemeinden und plötzlich will der evangelische Pfarrer wissen: "Sag mal, wie haltet ihr es mit der Kollekte?"

"Ganz einfach", sagt der katholische Priester: "Ich zeichen einen Kreis auf den Boden. Dann schmeiße ich das Geld in die Luft. Was im Kreis liegt, gehört mir, der Rest der Kirche."

Der evangelische Pfarrer nickt zustimmend: "Ich mache es eigentlich genau so." Er zeichnet einen Kreis auf den Boden, wirft das Spendengeld in die Luft: "Was in den Kreis fällt, gehört der Kirche, der Rest mir."

"Nun", sagt der Rabbi, "ich werfe alles Geld in den Himmel. Was der Liebe Gott haben will, kann er sich nehmen."

Wer sich Witze lieber erzählen lässt...
...oder sie doch still genießt

Von wegen Witze erzählen kann jedes Kind - Fünf Tipps, wie der Witz richtig gut rüberkommt

Viele Menschen glauben, sie könnten keine Witze erzählen. So schwer ist's allerdings auch wieder nicht. Mit diesen fünf Kniffen kommt die Pointe gut rüber.

  1. Die richtige Situation abwarten und den passenden Witz auswählen.
  2. Den Witz keines falls ankündigen; eher wie eine eigene Anekdote einleiten.
  3. Flott erzählen, aber alle relevanten Basics einflechten.
  4. Spannung erzeugen, indem eine Erwartungshaltung aufgebaut wird.
  5. Pointe raushauen: Sie muss sitzen.

(Falls der Witz vermassel wurde: Abwinken und gut sein lassen. Bloß nicht erklären!)

Für noch mehr Entertainer-Qualitäten - Witze erzählen - die Anleitung vom Profi
Die Pointe kommt am Schluss: Anleitung zum Witz...
Myrtis, am 21.02.2013
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Autor seit 4 Jahren
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