300 gegen Xerxes

Das ist Sparta!

Cover der blu-ray "300"Sparta um 480 v. Christus: Wie alle männlichen Spartiaten ist auch König Leonidas (Gerard Butler) in Kälte und Unwirtlichkeit abgehärtet worden, um das zu werden, wofür der Stadtstaat berühmt ist – seine unbeugsamen Krieger! Aus dem Osten dräut Unheil in Form des persischen Weltreiches. Der sich selbst zum Gottkönig erklärende Xerxes (Rodrigo Santoro) entsendet einen Boten an den spartiatischen Hof, der die bedingungslose Unterwerfung von König Leonidas fordert. Dieser beantwortet die unverfrorene Anmaßung, indem er den Boten mitsamt seinen Gefolgsleuten in einen schier bodenlosen Brunnen werfen lässt.

 

Daraufhin setzt Xerxes seine gigantisch große Armee in Marsch. Auf Grund eines Orakelspruchs wird es Leonidas versagt, eine Verteidigungsarmee zu entsenden. Kurz entschlossen schart der ebenso starke, wie weise König dreihundert treue Krieger um sich, die er offiziell als "Begleitung" auf einer Reise deklariert. Tatsächlich sollen diese den Engpass bei den Thermopylen verteidigen, durch den die persische Armee auf ihrem Weg nach Sparta hindurch muss.

 

In beispiellosem Heldenmut stemmen sich die 300 Spartiaten vielen tausend Persern entgegen und schaffen das Unmögliche: Sie halten dem Ansturm stand! Doch ihre härteste Prüfung erwartet die heroischen Männer nicht in der Schlacht, sondern nach einem Verrat aus ihren eigenen Reihen …

Deutscher Trailer "300"

Vom Regisseur von "Sucker Punch"

Diffamiert "300" die Perser?

Vorlage: Frank Millers "300"Mitunter schlagen harmlose Unterhaltungsfilme hohe Wellen. So auch im Fall von Zack Snyders ("Sucker Punch", "Die Legende der Wächter") Welthit "300", dessen kontroversieller Inhalt sogar zu einer Beschwerde des Iran bei den Vereinten Nationen führte. Freilich: Auf viel Zuspruch konnte der, gelindes gesagt, exzentrische iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad nicht hoffen.

 

Dem internationalen Publikum war es ohnehin egal. Trotz hoher Altersfreigaben spielte das Historienepos alleine an den Kinokassen eine halbe Milliarde Dollar ein. Gemäß der Gerüchtebörse soll Zack Snyder sogar an einer Fortsetzung seines Blockbusters aus 2007 arbeiten.

 

Wie ernst sind die Vorwürfe zu nehmen, "300" diffamiere die Perser als Barbaren, während die Spartiaten glorifiziert würden? Nüchtern betrachtet entspricht dies nicht der Realität des Filmes. Zum einen wird das Geschehen aus Sicht der Spartiaten geschildert und unterliegt somit einer verständlichen Subjektivität. Zum anderen vollzieht sich die angebliche Glorifizierung der Griechen auf höchst ironische Weise, während den Persern großartige technologische Errungenschaften zugestanden werden. Von einer "Diffamierung" der stolzen Perser kann somit überhaupt keine Rede sein und zeugt von verblendeter Verbissenheit, insbesondere ob des unbestreitbaren Faktums, dass es sich um einen Spielfilm, nicht um eine Dokumentation handelt.

 

 

Politisch und historisch unkorrekt

Mit geschichtlichen Fakten hält es der auf einem Comic von Frank Miller basierende "300" nicht allzu genau. Da wird dem Perserkönig Xerxes I. eine Körpergröße von etwa drei Metern zugestanden, riesige Monster kämpfen auf Seiten der Eindringlinge und ein grotesker Mutant mit Armen wie die Scheren eines Hummers köpft einen unglücklichen Heeresführer. Willkommen in Zack Snyders bunter Phantasiewelt!

 

Fairerweise muss man eingestehen, dass sich zweieinhalbtausend Jahre nach der Schlacht bei den Thermopylen kaum noch handfeste Fakten rekonstruieren lassen. Die entsprechenden Lücken im gesicherten Wissen füllt Regisseur Snyder mit allerlei Fantasy-Elementen und markigen Sprüchen auf. Neben der historischen Genauigkeit nimmt er sich aber auch in Punkto politischer Korrektheit einige Freiheiten heraus. Etwa, wenn er die Griechen als "Knabenliebhaber" bezeichnen lässt und die Schwächen der Demokratie aufzeigt.

 

 

Fetziges Actionepos

Mit den oft bräsigen Sandalenfilmen vergangener Jahrzehnte hat "300" kaum etwas gemeinsam. Jedes Bild des größtenteils am Computer entstandenen Actionstreifens wirkt wie ein surreal angehauchtes Gemälde und unterstreicht Zack Snyders größte Stärke: Die optische Brillanz! Untermalt von kernigen Heavy-Metal-Riffs (!) marschieren die dreihundert Spartiaten – einer durchtrainierter als sein Nebenmann – in den sicheren Untergang, wobei sie mit Gräueltaten der persischen Eindringlinge konfrontiert werden.

 

Gewiss: Allzu ernst darf man "300" nicht nehmen. Letzten Endes ist es ein visuell berauschender Actionfilm mit hervorragend choreographierten Kampfszenen, eingängigen One-Linern ("Schenkt ihnen nichts – aber nehmt ihnen alles!") und einer bestens gelaunten Schauspielriege, die übrigens großteils aus Schottland stammt. Verglichen mit diesem Film mutet etwa Ridley Scotts "Gladiator" wie Geschichtsunterricht an. Aber alleine die in düsteren Erdfarben gehaltenen Bilderwelten lohnen einen vergnüglichen Filmeabend, wobei die ganze großartige Stärke von "300" erst auf blu-ray ersichtlich wird. Machen Sie die Probe aufs Exempel und stoppen Sie den Film an einer beliebigen Stelle: Jedes Bild gleicht einem Kunstwerk, weshalb "300" einer jener Filme ist, die wie geschaffen für höchste Bild- und Tonqualität scheinen.

 

Fazit: Einer der besten Filme des Kinojahrs 2007! In jeglicher Hinsicht gewaltig und von epischer Größe, auch wenn man, ähnlich den unzähligen "Titanic"-Verfilmungen, den Ausgang des Dramas bereits kennt. Egal: Wie kaum ein anderer Film zuvor ist "300" ein Musterbeispiel dafür, weshalb der Weg das Ziel ist.

Fakten-Check: Die Schlacht bei den Thermopylen

Xerxes überlebte Leonidas nur wenige Jahre

Büste von König LeonidasObwohl "300" die Realität hinter der Schlacht bei den Thermopylen stark verzerrt, erweisen sich einige der Fakten als durchaus zutreffend. Tatsächlich fand der mehrtägige Kampf um 480 v. Chr. bei den Thermopylen statt, einem engen Pass, der vor zweieinhalbtausend Jahren nur wenige Meter maß, heute aber mehrere Kilometer breit ist.

 

Wie auch im Film hielten die Spartiaten dem persischen Ansturm tapfer stand und wurden durch den Verrat eines gewissen Ephialtes hintergangen. Leonidas und seine 300 Getreuen wussten um den Verrat, hielten aber ihre Stellung, um den Abzug des griechischen Heeres zu ermöglichen.

 

Denn anders als in Zack Snyders Film dargestellt waren die 300 Spartiaten nicht die einzige griechische Verteidigungslinie, sondern sollten das feindliche Heer lediglich so lange wie nur möglich aufhalten. Das gesamte griechische Aufgebot soll etwa sechstausend Mann betragen haben. Über die Größe des persischen Heeres kann nur spekuliert werden. Glaubt man Herodot, dem "Vater der Geschichtsschreibung", sollen fünf Millionen (!) Perser gen Athen marschiert sein. Eine völlig absurde, freilich verständliche Übertreibung, stand doch Herodot den Griechen nahe und trachtete danach, den Heldenmut der Spartiaten noch deutlicher herauszustreichen.

 

Moderne Historiker schätzen die Stärke des persischen Heeres auf höchstens 100.000 Mann. Auch die Verlustzahlen wurden stark nach unten korrigiert. Die von Herodot proklamierten 20.000 Toten auf persischer Seite dürften um ein Vielfaches zu hoch gegriffen sein. Trotz des heldenhaften Widerstandes marschierte Xerxes' Heer gegen Athen und nahm die zuvor evakuierte Stadt ein. Der Triumph war aber nicht von Dauer: In der Schlacht von Marathon errangen die Athener einen Sieg gegen die Perser, die sich nach der verheerenden Niederlage in der Seeschlacht bei Salamis endgültig aus Griechenland zurückzogen.

 

Xerxes I. überlebte den in der Schlacht bei den Thermopylen gefallenen Leonidas nur 15 Jahre. Während der spartiatische König heldenhaft bei der Verteidigung seines Landes fiel, wurde sein persischer Kontrahent Opfer eines ruchlosen Mordanschlages.

Originaltitel: 300

Regie: Zack Snyder

Produktionsland und –jahr: USA, 2007

Filmlänge: 117 Minuten

Kinostart in Deutschland: 5. April 2007

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Verleih: Warner

Link-Tipp: Satire zu "300"

Satire zu "300" in Drehbuchform

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