American Pie: Das KlassentreffenStiffmaster of the Universe

Seit der Geburt ihres Sohnes, fehlt der Ehe von Jim (Jason Biggs) und Michelle (Alyson Hannigan) der nötige Pep. Da kommt das Klassentreffen mit ihren Schulfreunden des Jahrgangs '99 in East Great Falls gerade richtig, um etwas Abwechselung ins schale Eheleben zu bringen. Schließlich haben sie sich bei einer Party von "Stiffmaster" Stifler (Seann William Scott), der erneut eine Fete schmeißt, kennen und lieben gelernt. Allzu viel hat sich in den 13 Jahren nicht verändert: Während Oz (Chris Klein) zu einer TV-Berühmtheit aufgestiegen ist, führen Kevin (Thomas Ian Nicholas), Finch (Eddie Kaye Thomas) und Stifler ein Leben am Rande der Bedeutungslosigkeit.

Wer sich hingegen drastisch verändert hat, ist Kara (Ali Cobrin). Einige Jahre zuvor war Jim noch ihr Babysitter gewesen und inzwischen ist aus dem Kind eine schöne junge Frau geworden, die ihm eindeutige Avancen macht. Es kommt, wie es kommen muss: Kara versucht den treuen Ehegatten zu verführen, Stifler sorgt für allerlei Ärger und Jims Vater (Eugene Levy) tritt ebenso wie sein tollpatschiger Sohn in jedes verfügbare Fettnäpfchen.

Trailer "American Pie: Klassentreffen"

Herzhaftes Lachen mit und über Stiffmaster & Co

Ende der 1990er-Jahre mischten 2 Komödien das Genre völlig auf: 1998 der Geniestreich der Farrelly-Brüder "Verrückt nach Mary", ein Jahr später "American Pie". Trotz des enormen Erfolges beider Streifen, zog nur "American Pie" mehrere Fortsetzungen nach sich. Drei Kinofilme und vier Direct-to-DVD-Produktionen später, trommelten Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg die Schauspieltruppe des inzwischen kultisch verehrten ersten Teils zusammen. Doch an der Kinokasse enttäuschte das als sicherer Blockbuster gehandelte Endresultat mit dem Titel "American Pie: Das Klassentreffen", obwohl lediglich der Teenie-Actionreißer "The Hunger Games" als unüberwindbare Hürde aufragte.

 

Wieso konnte der - angeblich - finale Teil einer der lukrativsten Komödienreihen überhaupt nicht an die alten Erfolge anschließen? Der Grund hierfür dürfte wohl nicht zuletzt an den miesen vier Direct-to-DVD-Produktionen liegen, die der einst hohen Reputation der Serie erhebliche Kratzer zufügten. Denn qualitativ knüpft "American Pie: Das Klassentreffen" nahtlos an den ersten Teil an und überzeugt über weite Strecken hinweg mit wunderbaren Slapstick-Zoten. Sicher: Wenn die entzückende Kara betrunken in Jims Auto einsteigt und sich ihm schamlos anbietet, weiß man, wie das Ganze enden wird: Keinesfalls mit einer romantischen Liebesszene, sondern mit einer Reihe von Missverständnissen, die den armen Jim in die Bredouille bringen. Allerdings erwartet wohl niemand, der mit dem Konzept der "American Pie-"Serie vertraut ist, feinsinnigen britischen Humor. Stattdessen verkackt der unnachahmliche "Stiffmaster" im wahrsten Sinne des Wortes das Besäufnis frecher Jugendlicher und Jim klemmt sich sein bestes Stück beim Onanieren vor dem Laptop ein, als er ausgerechnet von seinem Jungen dabei überrascht wird. Bekanntlich lässt sich ja über Geschmack nicht streiten. Insbesondere dann, wenn die Produzenten eines Filmes offenbar über keinen Geschmackssinn verfügen.

 

Bereits der Trailer stellt unmissverständlich klar, was den Zuschauer erwartet: Deftige Zoten und tabuloser Humor, der oftmals unter die Gürtellinie abzielt. Trotzdem versinkt "American Pie: Das Klassentreffen" keineswegs in geistlosen Klamauk der Marke "Meine Frau, die Spartaner und ich", sondern wartet mit einigen ruhigeren Momenten auf, in denen wehmütig Bilanz über die nostalgisch verklärten High-School-Jahre gezogen wird. Dankenswerterweise verzichtet das Regie-Duo Jon Hurwitz und Hayden Schlossberg auf das beliebte Motiv der Montagen aus Vorgängerfilmen und frischen lediglich in Dialogform das Gedächtnis auf. Da am Erfolgsrezept selbst wenig geändert wurde, sorgen einige satirische Anspielungen für die nötige Prise Originalität. Beispielsweise in Form des alten "Darf ich bitte kurz Ihr Telefon benutzen?"-Tricks, der im Jahr 2012 mit einem angebrachten "Wollen Sie mir erzählen, keiner von Ihnen hätte ein Handy?" quittiert wird. Durchaus subversiven Humor beweist der Film, wenn plötzlich Jim seinem alten Herrn Ratschläge fürs Leben mitgibt.

 

Erfreulicherweise versteht sich der knapp zweistündige Streifen zudem nicht als reines Schaulaufen zahlreicher Darsteller des Originals. "Sherminator" Chris Owen legt ein witziges Cameo hin, ebenso wie Shannon Elizabeth, die als Nadia 13 Jahre zuvor Jason Biggs an die Wäsche gegangen war. Angesichts der Stardichte kann es sich der Film leisten, einen Neil Patrick Harris in einer unbedeutenden Nebenrolle zu verstecken. Eigentlicher Hauptdarsteller war und ist aber Seann William Scott als ebenso vertrottelter, wie selbstverliebter Stifler. Nach wie vor reißt er unwillkürlich jede Szene an sich - ob man sich über seine Auftritte amüsiert oder ärgert, ist freilich wiederum die berühmte Geschmackssache.

Trotz seiner beachtlichen Länge und des Umstands, dass es sich bereits um den achten (!) Film der Reihe handelt, unterhält "American Pie: Das Klassentreffen" bestens und hält das Interesse des geneigten Zuschauers stets wach. Schließlich wird dieser mit so drängenden Fragen konfrontiert wie: Kann sich Stifler endlich an Finch rächen, der einst seine Mutter (Jennifer Coolidge) vernaschte? Löst Jim seine Ehekrise oder muss Michelle wieder zu Duschkopf und Querflöte greifen? Klar: Große Filmkunst ist das wahrlich nicht. Angesichts einer ganzen Menge unlustiger Komödien der letzten Zeit, wirkt das cineastische Klassentreffen aber wie ein Humor-Comeback und empfiehlt sich als überraschend gut gelungener Abschluss einer über die Jahre hinweg arg ramponierten Erfolgsserie. Damit mögen es die Produzenten bitte belassen, ehe die "American Pie"-Crew in allerletzter Konsequenz im Seniorenheim endet, wo sich die Protagonisten gegenseitig die Infusionsflaschen über die welken Rüben ziehen oder Bettpfannen durchs Zimmer fliegen.

 

Fazit: So man vulgären Zogen und deftigem Humor zugeneigt ist, stellt "American Pie: Das Klassentreffen" geradezu einen Pflichtfilm dar und bringt ein Wiedersehen mit vertrauten Darstellern. Der fast rundum gelungenen Komödie wäre ein größerer Erfolg gegönnt gewesen.

Originaltitel: American Reunion

Regie: Jon Hurwitz, Hayden Schlossberg

Produktionsland und -jahr: USA, 2012

Filmlänge: ca. 131 Minuten

Verleih: Universal

Deutscher Kinostart: 26.4.2012

FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Autor seit 7 Jahren
823 Seiten
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