Amerika, der Vorname eines Italieners

Der Name Amerika soll auf den italienischen Entdecker Amerigo Vespucci (1451–1512) zurückgehen. Er war im Auftrag der spanischen Krone unterwegs und fand die Mündung des mächtigen Amazonas in Brasilien. Ursprünglich arbeitete er als Buchhalter in einer Bank der Familie Medici in Florenz. Er wäre lieber Forscher geworden und las Reiseberichte, studierte Seekarten, Astronomie und Navigation. Als er in einer Filiale in Sevilla auf die Gewürz- und Textilhändler stößt, wacht die alte Sehnsucht erneut in ihm auf. Ab 1499 begleitet er die Schiffe auf ihren Fahrten und reist an die Nordostküste Südamerika, die er noch für Asien hält. Südwärts fährt er den Amazonas hinauf und dann zur Insel Hispaniola, auf der Kolumbus als Gouverneur residiert.

Mit seinen Reisen nach Südamerika wird er zum ernst zu nehmenden Konkurrenten von Kolumbus. Am 1. Januar 1502 entdeckt er einen Fluss, den er Rio de Janeiro (Januarfluss) nennt. Er reist bis Patagonien und berichtet fortan, dass es sich um einen neuen Kontinent handeln muss. Lt. anderen Briefen soll Vespucci bereits 1497 das amerikanische Festland betreten haben. Der deutsche Kartograf Martin Waldseemüller erstellte 1507 nach den Briefen Vespuccis eine Karte der Neuen Welt und nannte sie America. Da alle anderen Kontinente weibliche Namensendungen hatten, änderte er hier Amerigo in America. Die Karte galt bis auf ein Exemplar lange als verschollen, bis 1901 auf Schloss Wolfegg eine Karte in einem Buch gefunden wurde. Diese Geburtsurkunde von Amerika wurde im Jahre 2001 für 10 Millionen US-Dollar an die Library of Congress in Washington verkauft und so auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ein Rechtsstreit um die Entdeckung Amerikas

Kolumbus war gereist, um den Seeweg nach Indien zu finden. Bis zu seinem Lebensende war er der festen Überzeugung, diesen gefunden zu haben. Bisher waren nur drei Kontinente bekannt. Er kam nicht auf die Idee, dass es noch einen vierten geben könnte. In Hispaniola fällt er nach Aufständen in Ungnade und wird nach Spanien zurückbeordert. Er stirbt am 20. Mai 1506 in Valladolid.

Noch zu Lebzeiten strebt Kolumbus einen Rechtsstreit um seine verlorenen Privilegien an. Die spanische Krone will auch den Erben vertraglich zugesicherte Gelder und Ämter aus der Entdeckung des Kontinents streitig machen. Sein Sohn, Fernando Colon führt den Streit weiter, welches er mit einem Vergleich gewinnt. Der Name aus den Karten ist jedoch bereits so geläufig, dass er sich bei den Menschen eingeprägt hat. Seitdem gilt Christopher Kolumbus als der Entdecker Amerikas, der Doppelkontinent erhält aber den Vornamen Vespuccis. Um die Entdeckung Amerikas streiten sich Italien und Spanien.

Sind unsere Geschichtsbücher falsch?

Bemerkenswert an dieser Geschichte ist, dass beide Zeitgenossen annähernd zur gleichen Zeit in diesen Gewässern unterwegs waren. Der italienische Seefahrer Columbus entdeckte 1492 die Bahamas, später die Großen Antillen sowie Hispaniola, wo er eine Kolonie gründete. Erst auf seiner 4. Reise vom 9. Mai 1502 bis zum 7. November 1504 betrat er mit Honduras amerikanisches Festland. Er war der Auffassung, den Seeweg nach Indien gefunden zu haben. Vespucci hingegen merkte schnell, dass es sich um einen neuen Kontinent handelte, als er die Küste entlang bis zum südlichen Patagonien segelte.

Wäre die Geschichtsschreibung ohne diese Gerichtsverhandlung anders verlaufen?

King Hamy' Navigational Chart, 1502

King Hamy' Navigational Chart, 1502 (Bild: Amerigo Vespucci / AllPosters)

Wer sind die wahren Entdecker Amerikas?

Amerika war auch vorher nicht unbewohnt. Die amerikanischen Ureinwohner wanderten am Ende der letzten Eiszeit über Asien und die zugefrorene Landbrücke der Beringstraße bereits vor über 11.500 Jahren nach Amerika. Die Wikinger landeten mit Leif Eriksson 1006 in Neufundland. Sie gründeten Siedlungen und nannten die Gegend Vinland. Bei Neufundland wurden tatsächlich in 1978 Reste skandinavischer Siedlungen aus der Zeit gefunden. Auch anderen Völkern wie Portugiesen, Afrikanern und Chinesen wird nachgesagt, den Kontinent schon besucht zu haben.

Die Amerikaner – meine erste Liebe

Bei Amerikanern dachte ich als Kind zuerst an diese runden Teilchen mit dem weißen Zuckerguss, die es beim Bäcker gab. Diese hießen früher nach dem verwendeten Backpulver Ammoniakaner, was aber niemand aussprechen konnte. So wurde die gekürzte Version genommen. Wer sie nicht kennt, findet hier ein Rezept Amerikaner.

Als ich drei Jahre alt war, traf ich meine erste Liebe, Alex, der dreijährige Sohn einer amerikanischen Familie, die bei uns im Haus wohnte, um im Goethe-Institut deutsch zu lernen. Wir spielten zusammen und er rief mich immer zum Frühstück "Rrrrrrrrrrrenate, komm fruhstucken, Errrrrdnussjam". Peanutbutter liebe ich bis heute.

Vielleicht kommt daher auch meine Liebe zu Amerika, zu seiner Musik, dem Essen und die Reisen von Nord nach Süd. Alex aber ist irgendwo in den Vereinigten Staaten verschwunden, die Amerikaner ziehen bekanntlich häufig um.

Reisefieber, am 17.11.2013
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Bildquelle:
Reisefieber / Norwegian Pearl Music Fest (Cayamo – eine Musikkreuzfahrt in der Karibik)

Autor seit 3 Jahren
164 Seiten
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