Intro von "Anno 1602"

Reif für die Inseln!

Anno 1998

Es muss im Sommer 1998 gewesen sein, als dem Artikelautor beim Gang durch die Computerspieleabteilung eines großen Händlers ein Titel mit dem unspektakulären Namen "Anno 1602" auffiel. Was es war, das zum Kauf animierte, lässt sich nicht mehr eruieren. Waren es die verlockenden Screenshots auf der Packung? Oder das hübsche Schiff auf dem Cover? Was immer es auch gewesen ist: "Anno 1602" landete im Einkaufskorb, wurde wenig später auf dem Desktop-PC installiert und hatte ein weiteres spielsüchtiges Opfer gefunden.

Ganze Wochenenden lang wurde experimentiert, wie möglichst rasch der Aufstieg vom jämmerlichen Kuhdorf zur mächtigen Weltstadt erfolgen kann, ohne in den Bankrott zu schlittern und im Schuldenkerker zu landen. Oder wie ein Monopol errichtet und optimal ausgeschöpft werden könne. Ganz zu schweigen vom Ehrgeiz, sämtliche Inseln zu beherrschen und dank automatischer Handelsrouten das Spiel autark laufen zu lassen.

Verführerisch einfaches Spielprinzip

Das Spielprinzip machte durch seine komplexe, aber niemals komplizierte Handhabung tatsächlich süchtig. Kein Wunder, dass sich alleine von "Anno 1602" inklusive der Add-ons "Neue Inseln, Neue Abenteuer" und "Im Namen des Königs" Millionen Exemplare verkauften. Inzwischen liegen die Nachfolger "Anno 1503", "Anno 1701" sowie "Anno 1404" vor. Jedes Sequel hatte seine ganz eigenen Reize, und dennoch: An "Anno 1602" kam trotz immer wieder verbesserter Grafik und größerer Handlungsfreiheit keines ganz heran.

Der Grund hierfür ist einfach: Es war das simple und trotzdem fordernde Spielprinzip, das eine Stunde nach der anderen fraß, ohne dass es der Spieler überhaupt bemerkte. Um beispielsweise eine große Schiffswerft errichten und somit riesige Kriegs- und Handelsschiffe bauen zu können, bedurfte es des Aufstiegs zahlreicher Siedler zu Kaufleuten. Aber was ein echter Kaufmann ist, der hat einen verwöhnten Körper und begnügt sich nicht einfach mit Essen, Gewürzen und Schafswolle, nein, der möchte mit gutem Wein und edlen Stoffen versorgt werden! Diese zu besorgen ist Aufgabe des Spielers - als hätte der keine anderen Sorgen, wie dreiste Piraten oder Feuersbrünste im Osten der Stadt...

Krieg und Frieden

Verzicht auf Krieg

"Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln", philosophierte dereinst der berühmte preußische General Carl von Clausewitz. Anders als bei vielen vergleichbaren Strategiespielen nehmen militärische Kampagnen bei "Anno 1602" keinen hohen Stellenwert ein. Der friedliche Handel und Kooperation stehen im Mittelpunkt, was bereits daran ersichtlich ist, dass nur wenige militärische Einheiten verfügbar sind, die mit sehr hohem Aufwand ausgerüstet werden müssen und zudem enorm teuer sind. Möchte der Spieler die Inselwelt komplett beherrschen, kommt er natürlich um Waffengewalt nicht herum. Aber selbst ohne Gewaltanwendung lässt sich "Anno 1602" mit lang anhaltendem Spielspaß zocken. Bei den frechen Freibeutern freilich hilft oft tatsächlich nur noch nackte Gewalt.

Für (fast) alle Altersgruppen geeignet

Somit empfiehl sich das Spiel als für nahezu alle Altersgruppen geeignet. Für allzu junge Spielefreaks stellt "Anno 1602" eine wohl unlösbare Herausforderung dar, muss man doch nicht lediglich auf die Maustasten klicken, um Zombies oder Raumschiffe abzuknallen. Hier sind nämlich logisches Denken und das Verstehen komplexer Zusammenhänge Voraussetzung für den Erfolg. Selten zuvor und danach machte das Trainieren des logischen Denkens mehr Spaß! Etwa, wenn die Pest in der Stadt wütet, man aber über keine Arztpraxis verfügt, da sich die hierfür nötigen Baumaterialien ein paar Bürger geschnappt haben, um ihre Häuser zu prunkvollen Palästen auszubauen.

In "Anno 1602" gibt es immer was zu tun: Packen Sie es logisch an!

rainerinnreiter, am 21.12.2010
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Bildquelle:
http://www.amazon.de/ (Alien: Isolation - Im Wandschrank hört dich niemand schreien)
schreibspass bei Pagewizz (Destiny und Avatar – SchauSpiele des Lebens?)

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