Diese Frage stellt sich auch der Rezensent, bekennender Fan von "The Last of Us" und Naughty Dogs gleichfalls enorm erfolgreicher "Uncharted"-Serie. Dabei wurde gleich mit dem Ende Dezember auf der "PlayStation Experience" präsentierten Teaser eine regelrechte Hype-Lawine losgetreten. Millionen Gamer waren sich darin einig, dass Naughty Dog das nächste Meisterwerk am Start hatte. Doch je näher das ursprüngliche Veröffentlichungsdatum Ende 2019 rückte, desto schärfer blies dem Entwicklerstudio heftiger Gegenwind ins Gesicht. Mitarbeiter berichteten von extrem harten Arbeitsbedingungen, das Veröffentlichungsdatum wurde mehrfach verschoben und eine Reihe von Leaks nahmen die wichtigsten Plotentwicklungen des Games vorweg. Die Vorzeichen standen ungünstig – und das seit Juni 2020 endlich erhältliche "The Last of Us Part II" bestätigt, dass das Game unter keinen guten Sternen entwickelt wurde. Doch der Reihe nach.

Offizieller Trailer "The Last of Us Part II"

Von Rache getriebene Ellie

Fünf Jahre nachdem sich Joel und Ellie in Jackson niedergelassen haben, scheint es für die inzwischen erwachsene Frau bestens zu laufen: Sie ist in eine der Bewohnerinnen verliebt, Joel ist wohlauf und die Siedlung ist weitgehend geschützt vor Infizierten und Banditen. Fast könnte man meinen, die Apokalypse wäre nur ein böser Traum gewesen. Doch die Vergangenheit ruht nicht und lässt Ellie nicht zur Ruhe kommen. Als sie während einer Routine-Patrouille einen unermesslichen Verlust erleidet, sinnt sie auf Vergeltung. Ihr Rachefeldzug führt sie nach Seattle, wo eine neue, extrem gefährliche Gruppierung ihr Unwesen treibt. Doch Ellie ist trotz aller Opfer nicht bereit, von dem alles erfüllenden Hass abzulassen und bringt nicht nur sich selbst in höchste Gefahr.

"The Last of Us Part II" stellt visuell sogar "Uncharted 4" in den Schatten

"The Last of Us Part II" lässt sich ohne die Gefahr von Spoilern nur schwer rezensieren, weshalb viele entscheidende Plotdetails bewusst schwammig gehalten werden müssen. Die wichtigste Frage bleibt ohnehin: Werden Fans des ersten Teils auch die Fortsetzung lieben? Ist Naughty Dog mit "The Last of Us Part II" ein weiteres Meistwerk gelungen oder handelt es sich um das schlimmste Sequel seit Nagasaki '45? Satte sieben Jahre ließ sich der Entwickler Zeit für die oftmals dementierte, angesichts des enormen Erfolgs von "The Last of Us" aber schier unvermeidbare Fortsetzung. Zwar war man nicht ganz untätig, veröffentlichte jedoch während dieser Zeit lediglich den Blockbuster "Uncharted 4: A Thief's End" (2016) sowie die Erweiterung "Uncharted: The Lost Legacy" (2017). Naughty Dog setzt auf Qualität statt auf Quantität. Umso enttäuschender ist deshalb das vorliegende Game.

Die ersten zwei, drei Spielstunden gestalten sich noch recht hoffnungsfroh: Ellie und Joel haben sich bei Tommy und Maria in der kleinen Siedlung Jackson eingelebt und müssen lediglich Sorge dafür tragen, die Grenzen zu schützen. Jackson, im ersten Teil lediglich kurz aus der Ferne zu bewundern, wird nunmehr detailliert präsentiert. Überhaupt ist die Grafik einer der wenigen Pluspunkte des Games. "The Last of Us" war seinerzeit der Abgesang auf die PlayStation 3, analog hierzu dürfte "The Last of Us Part II" der letzte große Kracher für die PlayStation 4 sein, ehe sie von der PlayStation 5 abgelöst werden soll. Selbst auf der topaktuellen PlayStation 4 Pro rattert die Hardware hörbar. Ganz offensichtlich kitzelt das Spiel die maximal mögliche Performance heraus und stellt selbst "Uncharted 4: A Thief's End" grafisch in den Schatten.

Die Bewegung der Figuren ist extrem flüssig, von der extrem detaillierten Gesichtsmimik ganz zu schweigen. Mitunter muten manche Landschaften photorealistisch an, wobei dieser Eindruck jedoch in der Nähe verschwindet. Hier geraten die technischen Möglichkeiten derzeit doch an ihre Grenzen. Im Wind wogendes Gras oder der alles überwuchernde Efeu etwa sehen merkwürdig platt aus. Aber das ist schon Meckern auf Topniveau und das geringste Problem an "The Last of Us Part II".

Seattle vor der Apokalypse

Wenig Neues in der Apokalypse

Großartig ist auch, wie von Naughty Dog gewohnt, das Sounddesign. Was wie vernachlässigbares Beiwerk wirken mag, ist jedoch von ganz großer Bedeutung. Da passt einfach die gesamte Geräuschkulisse, ob friedlicher Wald oder Bedrohung durch Infizierte oder feindliche Gruppierungen.

Doch wie steht es um das Wichtigste: Den Plot und das Gameplay an sich? Wer "The Last of Us" gespielt hat, findet sich im Sequel augenblicklich zurecht. Die marginalen Neuerungen sind teils nützlich, teils eher sinnlos. Zu den Sinnlosigkeiten zählt neben weiten Sprüngen, die an einigen Stellen lediglich das Klettern ersetzen (Nostalgiker dürfen sich freuen: Es dürfen auch wieder Kisten und Container geschoben werden) insbesondere die Funktion des Schleichens im hohen Gras. Sinnlos ist dies deshalb, da sich die gegnerische AI um keinen Deut verbessert hat. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, die ich eher auf Zufall zurückführe, verweigern sich die AI-Gegner dem peripheren Sehen hartnäckiger als ein Grün_*Innen-Wähler_*XYIN wissenschaftlichen Fakten. Fast schon als liebgewonnenes Feature aus Teil 1 könnte man es bezeichnen, wenn Verbündete fröhlich vor ganzen Gegnerscharen herumtänzeln, ohne von diesen wahrgenommen zu werden.

Deutlich besser gelungen und tatsächlich von Nutzen ist die Möglichkeit, Scheiben einschlagen zu können um in einen verschlossenen Raum zu gelangen. Kostbare, weil rare Munition oder Teile zum Anfertigen von Waffen versteckt sich oftmals in Tresoren. Hierbei muss die Kombination am Zahlenschloss vom Gamer eingegeben werden, im Gegensatz zu "The Last of Us", wo dies automatisch geschah, sobald man einen Zettel mit der korrekten Zahlenkombination gefunden hat.

Leider auch unter Zombies grassierend: Sexismus! (Bild: https://pixabay.com)

Rätseldesign sucht man jedoch auch in "The Last of Us Part II" vergebens. Die einzige kleinere Herausforderung besteht im Suchen eines Zu- bzw. Ausgangs. Allerdings will die "Last of Us"-Serie auch kein klassisches Adventure sein. Muss es auch nicht, dafür gibt es fünf "Uncharted"-Teile.

Endlich auch in der "The Last of Us"-Serie: Geisteskranker Feminismus!

Die Erwartung an "The Last of Us Part II" besteht vielmehr an eine mitreißende, intelligente Story und authentische Charaktere. Hier scheitert Naughty Dog auf grandiose Weise, was angesichts der eigenen Vorlage kaum verständlich scheint. Nur fünf Jahre liegen zwischen den Ereignissen aus Teil 1 und der Fortsetzung, und dennoch erkennt man Joel und Ellie kaum wieder. Es ist zwar erfreulich, dass Joel seine Versprechen aus "The Last of Us" eingelöst und Ellie schwimmen (endlich keine Paletten mehr!) und Gitarre spielen beigebracht hat. Warum sich das zierliche, kleine Mädchen in eine schier unverwundbare Kampfamazone verwandeln musste, leuchtet indes nur dann ein, wenn man um die glühende Verehrung der berüchtigten Anita Sarkeesian durch Naughty Dogs Creative Director Neil Druckmann weiß. Diese verkörpert so ziemlich jedes Klischee, das man nur von einer durchgeknallten Pseudo-Feministin haben kann. Tatsächlich verdiente sie sich einen eigenen Artikel, denn wie eine Frau, deren einziges "Argument" darin besteht, jedem weißen Mann vorzuwerfen, er sei ein sexistischer böser Rassist, daraus eine erfolgreiche Karriere zimmern kann und zum Medienliebling avancieren kann, spricht Bände für den unweigerlichen Untergang der westlichen Zivilisation. Ironischerweise bietet ausschließlich die moderne, westliche Demokratie Pseudo-Feministinnen wie ihr die nötige Plattform zur Verbreitung und Kapitalisierung ihres Dummfugs.

Folgerichtig ist für eine Pseudo-Feministin alles "problematisch", was sie als böse ansieht, also klassische Frauenrollen, starke und selbstbewusste Männer, weiße Männer ohne Schuldkomplexe, oder Nicht-Weiße, die sich gar nicht bewusst sind, wie furchtbar sie von rassistischen Weißen unterdrückt werden und deshalb lieber ein selbstbestimmtes Leben führen. Zum Glück gibt es aber gute weiße Verbündete, die das Knie beugen, mit dem Ergebnis politisch korrekter Filme wie dem "Ghostbusters"-Remake, die keiner sehen will, schon gar nicht jene, für die diese Filme konzipiert werden, was das Ganze ad absurdum führt. Allerdings spielt Logik oder gesunder Menschenverstand, geschweige denn ein realistisches und positives Menschenbild bei Über-Feministinnen und ihren Verbündeten keine Rolle.

Apropos "unartiger Hund" ...
"Äh ... Kitty ist gestolpert und ...

"Äh ... Kitty ist gestolpert und ich wollte ihr nur aufhelfen ..."

Mein Name ist Ellie … Ellie Terminatrix!

Die in "The Last of Us" liebgewonnen Protagonisten, aber auch so manche Nebencharaktere, sind 2020 einfach nicht mehr linksverdreht genug. Da kann man nicht einfach eine verletzliche junge Frau mit Stärken und Schwächen zeigen, nein, da muss aus Ellie eine verbitterte Terminatrix gemacht werden. Viele Gamer, der Autor inkludiert, erachteten gerade jene Sequenzen aus Teil 1 am Fesselndsten, in denen sie Ellie steuern durften. Diese war sämtlichen Gegnern körperlich unterlegen und konnte anders als Joel keinen Frontalangriff wagen. Mit dem Perspektivenwandel ging auch ein Gameplay-Wandel einher: Routen und Angriffe mussten exakt geplant werden, denn einmal aufgeflogen und ohne Munition war Ellie den weitaus größeren Gegnern heillos unterlegen. Zwangsläufig stellte sich der Gedanke ein: Wie unheimlich muss diese Apokalypse gerade auf ein zart gebautes Mädchen wirken, das sich gewissermaßen nur in den Schatten bewegen darf, um nicht ein weiteres hilfloses Opfer zu werden?

Damit ist 2020 natürlich Pustekuchen. Zweifellos wünschten sich die meisten Fans von Teil 1 nichts mehr, als eine Transformation der zwar körperlich schwächlichen, aber verbal kräftig austeilenden Ellie in eine mürrische, wortkarge Superheldin. Womit sie sich in "The Last of Us Part II" in bester feministischer Gesellschaft befindet: Hier regieren die Frauen, und zwar nicht hinterm Herd, sondern im Fitnessstudio. Ihr Alltagsinstrument ist nicht mehr der Kochlöffel, sondern die Anabolika-Dose. Anders lassen sich die absurd aufgepumpten weiblichen (!) Körper nicht erklären. Männer spielen aber trotzdem eine Rolle, wenn auch als hassenswerte Rassisten und Schwulenfeinde, so weißer Haut, oder als Waschlappen und Infizierten-Gulasch. Übrigens ist das alles kein Witz, sondern der Versuch einer spoilerfreien Annäherung an den verquast durchfeminisierten Rache-Plot von "The Last of Us Part II".

Highway to hate

Neil Druckmann selbst beschrieb den Unterschied zwischen Teil 1 und 2 wie folgt, dass Teil 1 die Liebe als Hauptmotiv trage, während sich "The Last of Us Part II" um Hass drehe. Tatsächlich verdiente sich "The Last of Us" seine Meisterwerk-Lorbeeren mit seinem doppelten Road Trip: Dem einer realen Reise Joels und Ellies durch ein von Gewalt und Tod verwüstetes Amerika sowie dem einer inneren Reise Joels vom Ausgangspunkt völliger Leere in Folge eines schrecklichen Verlustes bis hin zu einer Station, an der er inneren Frieden findet und neue Hoffnung geschöpft hat. Freilich könnte dies dem Gamer zu nahegehen und ihn zum Nachgrübeln über seine eigenen Lebensthemen, Verluste oder Träume bringen, weshalb dieser Aspekt komplett gestrichen wurde.

Stattdessen tischt Naughty Dog eine in die Länge gezogene Rachegeschichte mit einer verblüffenden Botschaft auf: Gewalt ist schlecht und erzeugt neue Gewalt. Wer hätte das geahnt? "The Last of Us Part II" ist ein brutales Spiel, in der Gewalt ihrer selbst dargestellt und mit eben jener Botschaft gerechtfertigt wird. Nun war auch "The Last of Us" kein Honiglecken im Süßwarenladen, aber sie wurde meist als notwendiges Mittel zum Zwecke des eigenen wie auch des Überlebens einer Gruppe oder Familie betrachtet. Und dennoch war es kein ausschließlich düsteres, niederschmetterndes Game, da es die immer noch vorhandene Menschlichkeit ins Zentrum rückte. Humor und Sequenzen der Ruhe waren integraler Bestandteil der Story.

Moderner Game-Masochismus: "The Last of Us Part II"

"The Last of Us Part II" hingegen ist über weite Strecken hinweg unerträglich düster und hoffnungslos, was irgendwann zu emotionaler Ermüdung führt. Alles ist furchtbar dunkel, furchtbar ernst, furchtbar schrecklich. Nur eine einzige Sequenz erinnert an "The Last of Us", wenn Ellie sich in einer Rückblende an einen Geburtstag erinnert, den sie mit Joel in einem Museum verbringt. Hier, und nur hier, erleben wir die Beiden so, wie wir sie dereinst liebgewannen: Einander aufziehend, Ellie ausgelassen, Joel gespielt brummbärig, und dennoch unverkennbar einander schätzend. Sogar ein Hauch Selbstironie ist erkennbar, wenn Joel impliziert, dass er "Vergessene Welt: Jurassic Park" als keine gelungene Fortsetzung von "Jurassic Park" ansieht. Diese eine Sequenz wirkt wie ein Fremdkörper in einem wider jegliche Freude und Optimismus gezeugten Frankenstein-Ungetüm von Sequel.

Apropos "Jurassic Park" ...
"Ich komme von der GEZ und möchte ...

"Ich komme von der GEZ und möchte noch einmal über Ihren Antrag zur Beitragsbefreiung sprechen ..." (Bild: https://pixabay.com)

Das kaum Vorstellbare kommt nach wenigen Stunden ans Licht: Die repetitiven Levels erzeugen irgendwann Langeweile. Selbst ein radikaler Perspektivenwechsel vermag nicht mehr daran zu rütteln. Ärgerlich, denn trotz allem stecken in dem Game ein, zwei herausfordernde Ideen, aus denen dann doch nichts gemacht wird. Als Fazit nach quälend vielen Stunden des Mordens, Wanderns und Deprimiertwerdens bleibt: Hätte Naughty Dog doch lieber "Uncharted 5" produziert oder eine völlig neue Serie begonnen. Andererseits muss man der Feminismus-Taliban neidlos dazu gratulieren, die Fanbasis einer weiteren beliebten Franchise-Reihe erfolgreich vergrault zu haben.

Autor seit 9 Jahren
823 Seiten
Laden ...
Fehler!