Marinella di Seliunte

Heute gibt es nahe der Ausgrabungen den kleinen Badeort Marinella di Seliunte. Kilometerlange Sandstrände bieten viel Platz Sonnenanbeter und Wasserratten.

Geschichte von Selinunt

Die Polis Selinunt wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. von Griechen aus dem ostsizilischen Megara Hyblaea bei Siracusa gegründet. Sie bestand rund 400 Jahre. Die Stadt war berühmt für ihre fruchtbaren Böden, auf denen ein besonders guter Weizen wuchs, und erlangte so großen Reichtum. Damit waren die zahlreichen großen Tempelbauten möglich.

Die Stadt war lange ein Verbündeter Karthagos. So sicherte sie sich die Unterstützung gegen Segesta und war die einzige griechische Stadt, die 480 v. Chr. auf Seiten Karthagos kämpfte. Danach endete das Bündnis vermutlich.

Die Konflikte zwischen dem griechischen Selinunt und der von Einheimischen bewohnten Siedlung Segesta eskalierten und führten zum Eingreifen der Großmächte Athen und Sparta. Selinunt zerstörte nach dem Scheitern der Sizilienexpedition Athens 413 v. Chr. Segesta. Danach wurde die Stadt nach Berichten des Diodorus Siculus durch Truppen Karthagos 409 v. Chr. zerstört. Die Punier bauten dann den Ort wieder auf und er geriet im 4. Jahrhundert v. Chr. endgültig unter karthagische Kontrolle. Im Ersten Punischen Krieg wurde Selinunt 250 v. Chr. geräumt und anschließend von den Römern zerstört.

Es wird heute vermutet, dass die Stadt ebenso wie andere antike Städte an der sizilianischen Südwestküste nach einem unterseeischen Erdbeben in der Straße von Sizilien und einer dadurch ausgelösten Flutwelle zerstört wurden. Doch das Datum dieser Katastrophe ist unklar. Die Stadt verschwand unter Sandbergen. Erst im 16. Jahrhundert wurde sie wieder entdeckt. Und Anfang des 19. Jahrhunderts begannen systematische archäologische Grabungen.

Die antike griechische Stadt

Die Stadt wurde von den Griechen regelmäßig angelegt. Jeder Häuserblock war 100 Fuß breit. In einem Haus wurde die bislang älteste Wendeltreppe gefunden. Alle Gebäude und Tempel Selinunts sind bereits vor Jahrhunderten nach Erdbeben eingestürzt. Einer, der Tempel E, wurde 1956 wieder aufgebaut. Die Rekonstruktion ist allerdings sehr umstritten. Die Tempel Selinunts zeichnen sich durch einen gestreckten Grundriss, eine geschlossene hintere Cella (Adyton), eine betonte Front durch Verdoppelung der Säulenreihen, weitere Abstände und eine vorgelegte Freitreppe aus.

Die Akropolis

Zur Akropolis der griechischen Stadt gehörten vier Tempel. Die gut erhaltene Terrassierungen und Befestigungen stammen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Der Tempel C mit 6 mal 17 Säulen stammt aus der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. Noch jünger ist der Tempel B. Bei dem gibt es auch die Überreste punischer Wohnhäuser, die meist auf Fundamenten griechischer Bauten errichtet wurden. Die Karthager scheinen die griechischen Heiligtümer weiter benutzt zu haben.

Tempel E (Bild: haros)

Osthügel und Demeterheiligtum

Auf dem Osthügel befinden sich Reste von 12 Tempeln aus dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. Dazu gehört der vermutlich der Göttin Hera geweihte Tempel E. Der entstand um 450 v. Chr. Und steht auf zwei Vorläuferbauten. Er wurde als dorischer Peripteros mit 6 mal 15 Säulen restauriert. Um 520 v. Chr. wurde der Tempel G begonnenen. Mit einer Grundfläche von 50 mal 110 Meter wäre er einer der größten griechischen Tempel geworden. Doch er blieb unvollendet.

Trümmerfeld (Bild: haros)

Westlich der Akropolis befinden sich das Heiligtum der Demeter Malophoros aus dem 7. bis 5. Jahrhundert v. Chr. und eine Nekropole.

Die meisten Fundstücke aus Selinunt sind im Archäologischen Regionalmuseum von Palermo untergebracht. Dazu gehören u. a.:

  • Skulptierte Metopen aus den Tempeln G und C
  • Die Bronzeplastik der "Ephebe von Selinunt" aus der Zeit um 480 bis 460 v. Chr.
  • Vasen und Terrakotten aus dem Heiligtum der Demeter Malophoros und der Nekropole

Steinbruch Rocche di Cusa

Bei Selinunt befindet sich der antike Steinbruch Rocche di Cusa. Aus dem stammt das Baumaterial für die Tempel. Hier sind angefangenen Säulentrommeln, die für den unvollendeten Tempel G vorgesehen waren, zu sehen.

Literatur

  • Caterina Mesina: Sizilien. DuMont Reiseverlag Ostfildern, 2. Auflage 2012, ISBN 978-3-7701-7275-7
  • Brigit Carnabuci: Sizilien. Griechische Tempel, römische Villen, normannische Dome und barocke Städte im Zentrum des Mittelmeeres. 6. aktualisierte Auflage. DuMont Reiseverlag Ostfildern 2011, ISBN 978-3-7701-4385-6
  • Dieter Mertens: Selinus I. Die Stadt und ihre Mauern. Verlag Phillip von Zabern Mainz 2004, ISBN 3-8053-3248-3
  • Anneliese Peschlow-Bindokat: Die Steinbrüche von Selinunt. Die Cave di Cusa und die Cave di Barone. Verlag Phillip von Zabern Mainz 1990, ISBN 3-8053-1084-6
  • Luca Giuliani: Die archaischen Metopen von Selinunt. Verlag Phillip von Zabern Mainz 1979, ISBN 3-8053-0287-8

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  1. Selinunte online
Autor seit 3 Jahren
196 Seiten
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