Gehirn und Bauch

Das Gehirn als Denkorgan bekommt Konkurrenz: Vom Bauchgefühl!

Zweifelsfrei ist unser Gehirn das größte und komplexeste Denkorgan unseres Körpers. Zusammen mit dem Rückenmark bildet es das zentrale Nervensystem. Seine Aufgaben sind vor allem, von außen eingehende Reize zu verarbeiten, die eigenen Bewegungen auszuführen und die Funktionstätigkeit der Organe aufeinander abzustimmen. Aber auch außerhalb der Blut-Hirn-Schranke im Gehirn gibt es ein Denkorgan im Körper, das Bauchgefühl. Diese außerhalb des zentralen Nervensystems gelagerten Teile des Nervensystems werden als autonomes oder auch vegetatives Nervensystem bezeichnet.

"Autonomie" ist beim autonomen Nervensystem und dem Bauchgefühl Programm: es umfasst automatisch ablaufende Vorgänge im Körper. Diese sind biologisch festgelegt und daher vom Menschen nicht bewusst zu steuern.

Wo sitzt das Bauchgefühl?

Generell befindet sich das autonome Nervensystem im gesamten Körper außerhalb der Blut-Hirn-Schranke. Überall im Körper befinden sich Nervenzellen, die für bestimmte Körperfunktionen da sind und die bestimmte Reize aufnehmen. Die Konzentration dieser Nervenzellen findet sich aber im Bauchraum, genauer gesagt im Darm. Diese stellen den Sitz unseres Bauchgefühls dar. Mit mehreren hundert Millionen Nervenzellen und 70 Prozent der gesamten körpereigenen Abwehrkräfte ist der Darmbereich zahlenmäßig die größte Ansammlung von Nervenzellen außerhalb des zentralen Nervensystems. Es ist mit einer größeren Anzahl an Neuronen ausgestattet als selbst unser Rückenmark. Dabei fällt auf, dass sich von der Art her die gleichen Arten von Zellen tummeln wie im Gehirn: sensorische Neurone für eingehende Sinneseindrücke, Interneurone für die Interaktionen der Nervenzellen untereinander, Motorneurone für Bewegungen zum Beispiel die der Darmtätigkeit. Diese Ähnlichkeiten und die Tatsache, dass die Nervenknoten im Darm ähnlich funktionieren und auf eine ähnliche Art die Informationen verarbeiten wie das Gehirn, hat der Ansammlung von Nervenzellen im Darm den Namen "Gehirn im Bauch" oder "Bauchhirn" bzw. "Bauchgefühl" eingebracht. In der Fachsprache ist dabei vom enterischen Nervensystem die Rede. Von diesem aus werden dann die im Bauch entstandenen bzw. wahrgenommenen unbewussten Reize zur bewussten Wahrnehmung weiter an das zentrale Nervensystem ins Gehirn gemeldet. Bestätigt das Bewusstsein dann das vorher unterschwellig und unbewusst vorhandene Bauchgefühl, entsteht bei uns der Eindruck: "ich habe es ja gewusst" oder "das hatte ich schon vorher gespürt".

In gewisser Weie "fühlt" das Darmhirn und gibt dieses Gefühl an das Gehirn weiter, das seinerseits bewusst darauf reagieren kann bzw. Reaktionen in Gang setzen kann. Beispielsweise fühlt das Darmhirn eine mögliche Vergiftung durch die Nahrung und schickt diese Meldung ans Gehrin weiter. Von dort aus wird dann das körperliche Abwehrprogramm mit Erbrechen und Durchfall in Gang gesetzt.

Schmerzen, Ängste und andere Notsituationen werden häufig im Bauch gefühlt. Das zentrale Denkorgan im Gehirn reagiert darauf mit einer weiteren Aktivierung der Nervenzellen im Darm, die wiederum Kontraktionsbewegungen hervorrufen.

Beispielsweise empfindet das Bauchgefühl unbewusst eine Situation/Prüfung/Ereignis/Stress als bedrohlich. Diese unterschwellige und unbewusste Botschaft wird ans Gehirn geschickt. Dieses reagiert auf die möglicherweise drohende Gefahr und aktiviert Nervenzellen. Da durch diese Aktivierung und die daraus folgenden Kontraktionsbewegungen die Darmtätigkeit angeregt wird, kann Durchfall die Folge sein, für die ursprünglich die bedrohliche Situation verantwortlich war. Deshalb kommen einige Prüflinge vor einer Klausur vom Klo nicht runter und wieder andere reagieren auf Stresssituationen mit Bauchkrämpfen.

 

Sophie1975, am 08.06.2012
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Bildquelle:
johannes flörsch (Wie finde ich die Sternschnuppen der Perseiden 2016?)

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