Wie ich auf die Idee gekommen bin, einen Artikel über ausgefallene Brieföffner zu schreiben?
Nun, das war so: Ich hatte zuletzt einen Schreibauftrag zum Thema "Dekorationsmöglichkeiten für die Wohnung".

Eigentlich ein Thema, das mir absolut liegt. Tja … wäre da nicht dieses Keyword "Brieföffner" gewesen. Kurze Erklärung: Keywords sind Wörter, die in einen Text mit eingebaut werden (sollen), damit der Artikel später besser von den Suchmaschinen gefunden wird.

Jetzt hieß es also, dieses Wort in einem Artikel über Dekorationsmöglichkeiten mit einzubauen. Also begab ich mich auf Recherche in das World Wide Web. Was mir da allerdings an Brieföffnern über den Weg lief, die man zur Dekoration verwenden kann, war echt der Hammer.

Brieföffner früher und heute - vom Wertgegenstand zum Werbeartikel

Brieföffner, mit denen man Umschläge fein säuberlich öffnen kann, gibt es etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit begann man Briefe nicht mehr zu versiegeln, sondern in Kuverts zu verschicken.

Vor den Umschlägen gab es ähnliche Instrumente, die nur dazu verwendet wurden, das Siegel zu lösen. Diese wurden oft zusammen mit einem passenden Siegelstempel (Petschaft) gefertigt. Anfangs waren Brieföffner meist aus einem edlen Material und aufwendig verarbeitet. Nicht selten gehörten diese Gegenstände mit zum wertvollen Familienbesitz, der von Generation zu Generation weitervererbt wurde.

Man muss bedenken, dass es damals ja schließlich noch etwas Besonderes war, einen Brief zu bekommen. Ist es zwar heute auch wieder (mal abgesehen von Rechnungen und Werbung), aber heutzutage sind Brieföffner oft Centartikel oder werden als Werbegeschenk verteilt.

Trotzdem gibt es immer noch Liebhaber und Käufer für seltene, alte oder eben auch ausgefallene Brieföffner und das Angebot ist wirklich grenzenlos.

Brieföffner als Sammelobjekt

Es gibt ja bekanntlich nichts, was man nicht sammeln kann und Brieföffner sind mit Sicherheit nicht das uninteressanteste Sammelobjekt.   

Das dachte sich wohl auch Kurt Büchel aus Triesen (Lichtenstein). Seine Liebe zu diesem seltenen Hobby begann mit einem Reiseandenken, das seine Tochter ihm 1984 aus Mexiko mitbrachte. Mittlerweile zählen zu seiner Sammlung etwa 2800 Exemplare, die ihm sogar zu einem Eintrag ins Guinness Buch der Rekorde verholfen haben. 

Mitte 2011 erschien sein Buch mit dem Titel "Brieföffner – Kunstwerke am Schreibtisch".

Es beschreibt die Geschichte und die Entwicklung der, wie er es nennt, "Randerscheinungen der Kunstgeschichte" und zeigt etwa 250 Stücke aus seiner beeindruckenden Sammlung.

 

Von Drachen, Königen und japanischen Schwertern.

Bei einigen ausgefallenen Exemplaren muss ich ja zugeben, ist der Übergang zum Kitsch recht fließend, aber das ist natürlich Geschmacksache.

Manche finde ich trotzdem irgendwie schön. Besonders, wenn sie an Geschichten oder Sagen erinnern sollen und Namen tragen wie "Excalibur", "Löwenherz" oder "Schwert des Hektor".

Dass viele dekorative Brieföffner als Dolch oder Schwert dargestellt werden, liegt in der Natur der Sache.

Allerdings ähneln viele Brieföffner nicht nur den Stichwaffen, im Deutschen Waffengesetz ist genau festgelegt, inwieweit Brieföffner als Waffe zu werten sind. 

So dürfen Sie einen Brieföffner auch nicht einfach in einem Flugzeug mit auf die Reise nehmen. Sie kämen garantiert nicht durch die Sicherheitskontrolle.

Interessant finde ich übrigens auch, wenn auf den ersten Blick überhaupt nicht zu erkennen ist, das es sich um einen Brieföffner handelt. 

Sollten Sie also in Erwägung ziehen, so ein Exemplar zu verschenken, wäre vielleicht eine Beilage in Form eines handgeschriebenen Briefes als Hinweis nicht verkehrt.

Apropos Geschenk: Falls Sie jemals ein Geschenk für einen Japaner suchen sollten, dann sehen Sie bitte vom Kauf eines Brieföffners ab.

Auch wenn es viele Exemplare mit japanischen Motiven gibt, in Japan Messer oder Stichwaffen zu verschenken (und Brieföffner gehören nun mal dazu) gilt als äußerst unhöflich, weil dies als Symbol für die Trennung der Freundschaft angesehen wird.

Was halten Sie von Brieföffnern?

Also ich muss ja zugeben, beim Recherchieren für diesen Artikel habe ich so langsam eine gewisse Sympathie für ausgefallenen Brieföffner entwickelt. Jetzt müsste ich nur noch ein paar Briefe bekommen ;-)

Wie sieht es bei Ihnen aus? Steht auf Ihrem Schreibtisch auch ein dekorativer Brieföffner? Oder haben Sie sogar einen elektrischen Brieföffner, um die ganze Flut Ihrer Briefe zu bewältigen?

 

monros, am 10.10.2012
4 Kommentare Melde Dich an, um einen Kommentar zu schreiben.


Bildquelle:
M. Steininger - Die Persönliche Note (Persönliche und originelle Weihnachtsgrüße verschicken)

Laden ...
Fehler!