Gemeinsamkeiten zwischen Bakterien und Viren

Die wohl größte Gemeinsamkeit besteht darin, dass beide für unser menschliches Auge nicht sichtbar sind. Erst unter dem Mikroskop sind die Winzlinge zu erkennen. Dabei reicht für die Betrachtung der Bakterien ein Lichtmikroskop, denn sie sind etwa 100mal größer als Viren. Viren sind nur unter einem Elektronenmikroskop zu sehen.

Beiden gemeinsam ist die Tatsache, dass sie uns krank machen können. Das trifft jedoch nicht auf alle Vertreter zu. Aber unter den Viren gibt es wesentlich mehr krankmachende Arten, als unter den Bakterien. 

 Um noch eine dritte Gemeinsamkeit zu nennen: beide Wesen lebten schon lange auf der Erde, bevor die ersten höheren Tiere und Pflanzen unseren Planeten besiedelten. Und beide Wesen kommen fast überall vor. Viele Arten sind an einen bestimmten Lebensraum angepasst. Dabei existiert beinahe kein Ort, an dem nicht Bakterien oder Viren leben.

 

Bakterium oder Virus? (Bild: laurabillings / Flickr)

Unterschiede zwischen beiden Wesen

Bakterien zählen zu den Lebewesen (einzellig), denn sie verfügen über einen eigenen Stoffwechsel und können sich vermehren. Zwei wesentliche Eigenschaften des Lebens. Viren können sich nicht selbst vermehren. Sie sind so winzig, dass sie lediglich aus einer Hülle und ihrem Erbgut bestehen - mehr nicht. Somit gehören Viren nicht zu den Lebewesen. Das finde ich sehr bemerkenswert, denn Bakterien und Viren werden oft in einem Atemzug genannt.

Dieser wesentliche Unterschied bedeutet, dass Viren zur Vermehrung immer einen Wirt benötigen. Sie manipulieren eine fremde Zelle, so dass diese das Virus vermehrt. Dazu schleusen Viren ihr eigenes Erbgut in die Wirtszelle, die daraufhin viele weitere Viren produziert. Vereinfacht heißt das: Viren lassen andere Zellen für sich arbeiten, es sind Parasiten. Der Nobelpreisträger Peter Medawar sagte einmal: "Viren sind schlechte Nachrichten, eingepackt in Protein." Auch unter Bakterien gibt es parasitär lebende Arten, viele leben jedoch in Symbiose mit anderen Lebewesen, ohne diesen zu schaden. Sie können für ihren "Wirt" sogar nützlich oder lebenswichtig sein.

 

Gesunde und krankmachende Bakterien

Nicht alle Bakterien sind gut und Viren schlecht. Unter den Bakterien existieren viele Arten, ohne die wir nicht leben könnten und solche, die uns schaden. Wohl jedem ist bekannt, dass zu einer gesunden Darmflora Billionen Bakterien gehören. Sie sind zur Verdauung unserer Nahrung notwendig. Gerät hier das Ökosystem Darm durcheinander, übernehmen schädigende Bakterien das Zepter und stören den Prozess erheblich. Durchfall oder auch schwere Darmerkrankungen sind die Folge.

Bakterien, die auf der Haut leben, sorgen für einen natürlichen Säureschutzmantel. Andere sind dafür verantwortlich, dass wir Bier trinken und Gorgonzola essen können. Milchsäurebakterien wollen wir nicht missen und auch nicht die Myriaden kleinester Wesen, die in der Natur abgestorbene organische Substanzen abbauen. Ohne diese Bakterien gäbe es kein Leben auf dem Planeten.

Schädliche Vertreter sind zum Beispiel Arten, die für Milzbrand und Pest verantwortlich sind oder solche, die Wunden eitern lassen und Infektionen hervorrufen wie Lungenentzündung oder Blutvergiftung. 

Gute Viren - gibt es sie?

Angesichts des Pandemie auslösenden Corona-Virus ist man geneigt, die Frage ohne Überlegung zu Verneinen. Was kann ein Virus Positives an sich haben? Fakt ist, dass es weitaus mehr Viren gibt als Bakterien und dass diese ebenso in uns leben, unabhängig ob wir uns topfit oder krank fühlen. Viren gehören genauso zum Ökosystem Mensch wie Bakterien. Ob uns diese schaden oder nicht, ist von mehreren Bedingungen abhängig und nicht immer einfach zu erfassen. Hier sind die Grenzen fließend und nicht so einfach zu erforschen wie bei Bakterien. Schließlich verändern sich Viren viel schneller als andere Wesen. Da Viren zur Vermehrung immer eine Wirtszelle entern, lassen sie sich in verschiedene Gruppen einteilen: solche, die menschliche Zellen befallen, andere, die in uns lebende Bakterien oder Pilzzellen kapern und auch all die, die wir über die Nahrung aufnehmen. Erstaunlich finde ich, dass etwa acht Prozent unseres menschlichen Erbgutes viralen Ursprungs sind. 

Viren sind aus unserem Körper also nicht wegzudenken. Ob sie Schaden anrichten, hängt auch davon ab, in welchem gesundheitlichen Zustand sich der Mensch befindet. Befallen die Viren menschliche Zellen, löst dies eine Abwehrreaktion hervor. Eventuell ist das ein notwendiges Training für den Körper? Wissenschaftler forschen daran, Viren gezielt gegen Krebszellen einzusetzen. Wäre es nicht toll, wenn man auf diese Art das Wachstum kranker Tumorzellen stoppen könnte? Wenn ein Virus sich in uns die kranken Zellen aussucht und nicht die, die wir zum Leben brauchen, dann kann das ein positiver Effekt sein.

Nützliche Viren - zwei Beispiele

Zwei Beispiele zum Thema nützliche Viren:

Das Virus Parvovirus H1 zerstört Tumorzellen. Diese Viren befallen nur Krebszellen und lassen gesunde Zellen aus. Das ist vor allem bei Gehirntumoren, die schwer operabel sind von Vorteil. Noch befindet sich diese Therapie jedoch in der Forschung, laut dem unten stehenden Artikel.

Emiliania huxleyi virus 86 befällt im Ozean eine Alge, die sich enorm ausbreiten kann und somit alle anderen Lebewesen unterdrückt. Die Alge Emiliana huxleyi ist ein einzelliges Phytoplankton mit zeitweise unbändigem Wachstum. Der Befall durch das oben genannte Virus gestoppt die übermäßige Ausbreitung. Somit erhalten andere Planktonarten wieder die Chance zu leben. In den Meeren sorgen ungezählte verschiedene Viren für ein Gleichgewicht zwischen Pflanzen und Tieren. Ohne sie wäre das Ökosystem Meer nicht möglich. Da Viren sehr auf spezielle Wirte angewiesen sind, befallen sie oft nur eine Art. Vermehrt sich diese übermäßig, sorgt der Virenbefall für ein gesundes Maß im Ökosystem.

Mehr über nützliche Viren lesen Sie in folgenden Artikeln:
https://focus-arztsuche.de/magazin/gesundheitswissen/so-nuetzlich-sind-viren
https://www.planet-wissen.de/natur/mikroorganismen/viren/pwievirendiehelfen100.html#Krebszellen

Besondere Bakterien - drei Beispiele

Welches ist das häufigste Bakterium?

Es ist Pelagibacter Ubique - ein allgegenwärtiges Meeresbakterium, das häufigste der Welt. Es lebt frei schwimmend im Plankton in allen Meeren der Welt und gehört mit zu den kleinsten fortpflanzungsfähigsten Zellen weltweit (0,12 bis 0,20 µm). mehr auf Wikipedia

Welches ist das kleinste Bakterium?

Der "Reitende Urzwerg", lateinisch Nanoarchaeum equitans, ist das kleinste bekannte Bakterium. Es lebt in einer Meerestiefe vor Island bei etwa 100 Grad Celsius in sauerstofffreier, schwefelhaltiger Umgebung. Solche Bedingungen herrschten vor etwa 3,8 Milliarden Jahren auf der Erde. Der Einzeller ist etwa 400 nm groß. Wikipedia und Artikel ORF

Bakterien leben auch im Atomkraftwerk

Deinococcus radiodurans ist extrem widerstandsfähig gegenüber Radioaktivität. Dieses Bakterium überlebt noch bei einer andauernden Strahlendosis von 60 Gy pro Stunde. Ein Mensch benötigt schon bei einer kurzzeitigen Strahlendosis von 6 Gy intensive medizinische Versorgung. Nachgewiesen wurde das kleine Tierchen auch in Wasserleitungen der Primärkreisläufe in Atomkraftwerken. Um so erstaunlicher, dass es auch in unserer Darmflora zu finden ist. 
zum Weiterlesen auf Wiki

(Bild: PIRO4D / Pixabay)

Und zuletzt - das Covid-19-Virus

Seit einem Jahr wütet es auf der Welt. Das Corona-Virus verursacht eine schwere Lungenkrankheit, genannt COVID-19. Am 11. März 2020 stufte die WHO diese als Pandemie ein. Das bedeutet, dass sich das Covid-19-Virus weltweit ausbreitet mit Folgen für jeden Einzelnen weltweit. Damit ist es im Jahr 2020 zur größten Berühmtheit gelangt. Es ist nicht einmal ein Lebewesen, ein winziger Haufen Erbinformation, der sich in fremde Zellen einschleicht und ganze Wirtschaften lahm legt. Viren sind anders als Bakterien schwerer zu erforschten. Sie sind kleiner, verändern sich, und sind doch überall präsent. 

Erst wenn eines, wie das Covid-19-Virus, das Licht der Welt erblickt und hier günstige Bedingungen vorfindet, wird es sichtbar. Diese günstigen Bedingungen sind vermutlich durch uns Menschen selbst entstanden, indem wir unsere Umwelt zu wenig achten, sie zu sehr verändern, ohne zu wissen, auf welche Art sich die Natur wehrt. Virologen und andere Biowissenschaftler forschen daran, wie wir uns vor Covid schützen können. Innerhalb eines Jahres ist es gelungen, einen Impfstoff zu entwickeln. In einem Artikel der Märkischen Allgemeinen Zeitung vom 02.Januar 2021 spricht der Biochemiker Ludger Weß vom Zeitalter der Biowissenschaften. Molekularbiologie erhält eine Aufmerksamkeit, wie nie zuvor. "Wir befinden uns mitten im Zeitalter der Biowissenschaften. Nur hat sich das leider noch nicht herumgesprochen." Das Covid-19-Virus mit seiner traurigen Berühmtheit sorgt dafür, dass sich das ändert.

Ich hoffe, dass wir uns zukünftig nicht allein auf Impfstoffe verlassen, sondern dass es gelingt, Umwelt und Natur in einem Zustand zu erhalten (oder wieder ins Gleichgewicht zu bringen), wie es für unser weiteres Leben notwendig ist. Der Mensch ist Lebensraum für kleinste Wesen wie Bakterien und Viren und die Erde ist unser Lebensraum. Beide Welten, die des kleinen Menschen und die Große um uns herum gilt es, gesund zu erhalten.

Autor seit 10 Jahren
152 Seiten
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