Fußball - Mannschaftssport Nummer 1 - Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt lieben das Spiel

Keine Mannschaftssportart ist in Europa, Südamerika, Afrika und Asien beliebter als Fußball. Schon
die Kleinsten treten nach allem, was halbwegs wie ein Ball aussieht und haben Spaß an der Bewegung. Einige der bekanntesten heutigen Profis haben als Kinder in den Straßen mit ihren Freunden beim "Street-Soccer" oder Straßenfußball gekickt und dabei unbewusst erste Bekanntschaft mit sozialen Regeln gemacht, bevor ihre Karriere in einem Verein den Anfang nahm.

Nachwuchsförderung von DFB und Landesverbänden - Bambini und F-Jugendliche begeistert bei "4:4 Turnieren"

Sportverbände wie der Deutsche Fußball Bund (DFB) und die angeschlossenen Landesverbände legen großen Wert auf die Ausbildung der Kinder und Jugendlichen. Amateurvereine sind gehalten, mit Schulen zusammenzuarbeiten, um die Nachwuchsförderung vor Ort möglichst effektiv zu gestalten. Die Basisförderung des DFB zielt auf die Stärkung der Gesundheit der Kinder und des Selbstbewusstseins, sowie auf die Motivation zur Integrationsbereitschaft. Ein Beispiel sind Aktionen wie die sogenannten "4:4 Turniere", bei denen auf Kleinfeldern Bambini- und F-Jugend-Mannschaften gegeneinander antreten. Die Kinder spielen ohne Schiedsrichter und treffen die Entscheidungen im Spielverlauf alleine.

 

Es werden keine Tabellen geführt oder Ergebnisse aufgelistet, lediglich die Spielzeit ist vorgegeben.
Betreuer am Spielfreldrand greifen nur dann ein, wenn Hilfe gebraucht wird oder wenn die Kinder nach einer Entscheidungshilfe fragen. Bei dieser Art Turnier gewinnen normalerweise alle Kinder an sozialer Kompetenz, da sie darauf angewiesen sind, sich mit neuen Situationen auseinander zu setzen. Sie treffen auf Kinder, die sie bisher nicht kannten und bestenfalls entstehen neue Kontakte. Auch wenn die jungen Kicker genauso wie die Großen über erzielte Tore begeistert jubeln, sich über ausgelassene Chancen maßlos ärgern und mit vollem Einsatz um jeden Ball kämpfen, zeigt die Erfahrung, dass das Konzept zumeist aufgeht.

Spielen, rennen, Tore schießen ...

Über die Lautsprecherfanlage ertönt der Anpfiff; auf vier Spielfeldern rennen jeweils acht Jungens und einige Mädels los, vier in jeder Mannschaft, alle mit einem Ziel: dem Ball. Wer das Leder zuerst erreicht, bestimmt die Richtung, in die die Meute sich bewegt. Das Gewusel wogt hin und her, mit
wachsender Begeisterung kommen die Spieler in Fahrt. Viel ist dem Zufall überlassen, aber es fällt auf, dass einige Jungens bereits deutlich ballgewandter sind als andere. Auf den Zuschauerrängen sieht man einzelne Personen, die sich bemüht unauffällig Notizen machen. Es fällt ein Tor, der Jubel der Kleinen unterscheidet sich erstaunlich wenig von dem, wie man ihn im Fernsehen bei der Berichterstattung über Ligaspiele sieht. Der Nachwuchs scheint die Bundesliga bereits bestens zu kennen.

Die Rolle der Betreuer und Eltern - Ruhig bleiben ist schwer.

Die Betreuer am Spielfeldrand bemühen sich, in der ihnen zugedachten Beobachterrolle zu bleiben. Einigen fällt dies sehr schwer, die ersten zaghaften Zurufe kommen noch mit einem entschuldigenden  Lächeln. "Spiel ab, setz nach...", man ist ja schließlich für den Erfolg verantwortlich. Mit zunehmender Spieldauer werden die Kommandos etwas lauter, die Abstände kürzer. "Jetzt mach' doch, wozu üben wir das ständig..." Kopfschütteln. Bei einem "4:4-Turnier" werden keine Ergebnisse notiert, es gibt keine Tabellen - ein Betreuer greift nach dem Abpfiff in seine Jackentasche, holt Block und Stift heraus und notiert "3:1 gewonnen gegen die Blauen; Tore Jens, Leon, Andy". Die Kinder kommen in Kreisen zusammen, die meisten Betreuer loben ihre Schützlinge, wenn es gut lief; ermuntern sie im anderen Fall, dass es beim nächsten Spiel besser
liefe.

 

Einer meint, keiner sonst würde ihn hören. "Ich will beim nächsten Mal keinen von euch mehr auf dem Platz weinen sehen, wir sind Männer", lautet seine Ansprache. Das Kind das geweint hat, steht ein wenig isoliert abseits, als der Anpfiff zum nächsten Spiel erfolgt. Es spielt nicht von Beginn an, hofft aber, noch eingewechselt zu werden. Verstanden hat es nicht, weshalb es nicht weinen darf, wenn der Gegenspieler es unabsichtlich mit seinen Stollen am Oberschenkel getroffen hat, so dass es sehr weh getan hat.

Kinder lernen soziale Kompetenz beim Fußball - Guter Ansatz zum Scheitern verurteilt?

Der Ansatz, die Kinder in Selbstbestimmung den Spielverlauf regeln zu lassen, ist richtig und
fördert den respektvollen Umgang miteinander. Leider sind große Zweifel angebracht, dass es dauerhaft funktionieren wird. Das liegt nicht an den Kindern, für die unerquicklichen Diskussionen und ausufernde Rivalitäten kein Thema sind. Dafür sind sie viel zu wild darauf, einfach nur zu spielen. Das Problem sind immer noch zu häufig auftretende übermotivierte Betreuer und überehrgeizige Eltern, die ihr eigenes Versagen zu kompensieren versuchen. Wenn seitens der Vereine verstärkt darauf geachtet wird, dass ihre Betreuer und Trainer die Interessen der Kinder in den Vordergrund stellen, dann kann das Experiment Früchte tragen.

Quellenangabe: Deutscher Fußball Bund (DFB)

Fotos: copyright Günter Jagodzinska

Autor seit 5 Jahren
8 Seiten
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