Menschen vieler Völker

Kinder auf Sint Maarten (St. maarten Tourist Bureau)Auf den meisten Karibik Inseln überwiegt der Anteil der Farbigen und der Mischlinge. Doch es gibt einige Ausnahmen und erhebliche Abweichungen in der Zusammensetzung. Kuba hat mit ca. 70% den höchsten Anteil an Weißen (meist spanischer Herkunft); überdurchschnittlich stark sind Europäer u.a. auf Saba (rund 50%), den Cayman-Inseln (ca. 20%) und in der Dominikanischen Republik (ca. 16%) vertreten. Wesentlich mehr Farbige als Mischlinge gibt es zum Beispiel auf Barbados und Jamaica, während in der Dominikanischen Republik der Anteil der Mischlinge mit ca. 65% am höchsten ist. Mischlinge - das sind Mulatten aller Schattierungen, meist Nachkommen afrikanischer Mütter und europäischer Väter, ganz selten umgekehrt. Die Väter waren vor allem Spanier, dann auch Engländer, Holländer, Franzosen und Dänen und Mischlinge aus Konkubinaten dieser Siedler, Soldaten und Seeleute. Die Mütter gehörten den unterschiedlichsten Stämmen Afrikas, meist Westafrikas, an.

Nach Aufhebung der Sklaverei wurden Arbeitskräfte in Indien und anderen fernöstlichen Ländern, auch in China, angeworben. Trinidad hat mit rund 40% einen ungewöhnlich hohen Anteil an Indern zu verzeichnen. Mit Angehörigen von 43 verschiedenen Völkern, die fast alle Religionen repräsentieren und friedlich zusammenleben, weist Trinidad das bunteste Völkergemisch der Karibik auf.

Von der ursprünglichen Bevölkerung der Arawaks und Kariben zeugen nur noch einige Felszeichnungen, vor allem auf Aruba, Bonaire, St. Vincent und Guadeloupe. Eine kleine Gruppe der Kariben lebt heute noch in einem Reservat auf Dominica. Das können Sie auf Ihrer Karibik Kreuzfahrt besuchen. Angebote finden Sie bei Karibik Kreuzfahrten von Seereiseplanung. Nachfahren der Mestizen, der Sprösslinge weißer Männer und Indianerfrauen, sind zum Beispiel auf Aruba nachweisbar. Zur Zeit der Entdeckungen gab es deren viele, denn die ersten Siedler waren ausschließlich Männer. Anders sieht es in den Festlandsstaaten der Karibik aus. Dort kommen zu den Weißen, Schwarzen und den Mischlingen vor allem Mestizen und Indios hinzu. Ausschließlich von Indianern werden die panamaischen San Blas-Inseln bewohnt.

Abgesehen von der unterschiedlichen Zusammensetzung der Bevölkerung sind die Lebensgewohnheiten auf den einzelnen Inseln und Festlandsstaaten auch erheblich von den jeweiligen Kolonialmächten beeinflusst worden, und durch das Aufkommen des US-Tourismus und der Karibik Kreuzfahrten hat vielerorts auch der amerikanische "Way of Life" abgefärbt. Den Unterschieden stehen auch viele Gemeinsamkeiten gegenüber. Da ist zunächst einmal, auch klimabedingt, die lässigere Lebensart, was keineswegs ausschließt, dass dort, wo es nottut, auch hart gearbeitet wird. Aber das Taxi, das man zu einem festen Zeitpunkt bestellt hat, kann mal eine Viertelstunde später kommen, oder auch eine halbe. Bitte berücksichtigen Sie das auf Ihrer Karibik Kreuzfahrt. Vor allem aber ist der karibischen Bevölkerung eine Mischung aus Heiterkeit und Schwermut gemeinsam, die Freude an Musik, Tanz und Gesang und die Vorliebe für alles Bunte. Kein Wunder, dass der Karneval und die Vorbereitung dazu fast überall in der Karibik eine so große Rolle spielt. Im Karneval entfalten sich Klang- und Farbenrausch, Rhythmusgefühl und Sinnesfreude des karibischen Völkergemischs zu einem grandiosen Schauspiel - und zu einem Vergessen der Alltagsprobleme.

Steelband und Limbo, Reggae und Calypso

Steelband (Barbados Tourism Authority)Als den Musikern auf Trinidad im Ersten Weltkrieg Trommeln und andere Instrumente fehlten, bastelten sie sich aus abgeschnittenen, auf verschiedene Oktaven eingestimmten Ölfässern jene unverwechselbaren Klangkörper, mit denen die Steelband-Musik weltweit berühmt wurde. Vom Solisten bis zum großen Steelband-Orchester ertönen damit Calypso-, Rumba- und Samba-Klänge ebenso wie importierte Walzer und klassische Melodien. Eine CD ist eine tolle Erinnerung an die Karibik Kreuzfahrt.

Auf Trinidad, aber auch auf Kuba, Haiti und anderen Inseln zeigt sich der afrikanische Einfluss auf Musik und Tanz besonders deutlich. Da dominieren Trommeln und Rasseln, und die religiösen Gesänge der Baptist Shouters ("schreiende Baptisten") erinnern an die lautstarke Begleitung mancher Stammestänze. Auch der Limbo, der längst auf artistische Show getrimmte große Folklore-Hit der Karibik, war ursprünglich Teil eines aus Afrika mitgebrachten Kultes. Bei Totenfeiern symbolisierte das tänzerische Hindurchgleiten unter einer Latte den Übergang der Seele in eine andere Welt. Und noch einmal muss Trinidad genannt werden. Dort kann man am besten echten Calypso hören. Das sind gesungene Geschichten zum typischen Rhythmus. Manchmal handelt es sich dabei auch um improvisierte Spott- oder Protestgesänge, schließlich stammt der radikale Führer der Schwarzen, Carmichael, ebenfalls aus Trinidad.

Aus einer Abwandlung der Calypso-Gesänge ist auf Jamaica der Reggae entstanden und hat dort Geschichte gemacht: Vor über 30.000 Zuschauern im völlig überfüllten Nationalstadion von Kingston reichten sich im April 1978 Michael Manley, damals Premierminister der linksorientierten PNP, und sein erbittertster Gegner, der konservative Oppositionsführer Edward Seaga, die Hand. Zu dieser Zeit stand Jamaica fast am Rande des Bürgerkrieges. Der Mann, der diesen legendären Händedruck erzwungen hatte, hieß Bob Marley und war Reggae-Musiker, Rastafarian und Volksheld. Der Reggae ist - vom Rhythmus her - eine Mischung aus dem traditionellen Calypso, dem harten amerikanischen Rock Steady und der Kultmusik der Rastafarians. Die hochpolitischen und sozialkritischen Texte des Reggae haben ebenfalls Tradition: Als Vorbild dienten die Lieder der - ebenfalls - unzufriedenen England-Einwanderer des 18. Jahrhunderts. Heute prangert der Reggae vor allem die Unterdrückung der Schwarzen durch die Weißen und Mischlinge an, wie auch Korruption und Elend der Slumbewohner. Entstanden ist diese aggressive Musik, mit ihrem hinreißend einfachen und einprägsamen Rhythmus in den Slums von Kingston, aus denen Bob Marley stammte.

Die Slums waren auch die Geburtsstätte des Kults der Rastafarians, einer Sekte, deren Anhänger heute nicht nur in Jamaica und auf den Karibikinseln, sondern auch unter den Farbigen in den USA, Kanada und England zu finden sind, ja sogar auf Inseln im Indischen Ozean. Die Rastafarians, die Haile Selassie, den ehemaligen Kaiser von Äthiopien, als eine Wiedergeburt Gottes verehren, fordern (theoretisch) die Rückkehr aller Schwarzen nach Afrika. Sie verehren Marihuana, das auf Jamaica Ganja heißt, da es heilende Wirkung habe und ein anderes, besseres Bewusstsein schaffe, und sie predigen eine freiere, bessere und liebesfähigere Gesellschaft. Der größte und bekannteste Prediger der Rastafarians war Marcus Garvey, Bob Marley dagegen predigte durch die Musik des Reggae. Obwohl es noch zwei Jahre dauern sollte, bis das Land tatsächlich wieder befriedet war, gab das Konzert im Nationalstadion von Kingston doch den Anstoß dazu. Die Beerdigung des seit langem krebskranken Marley im Jahre 1981 wurde zu einer Kundgebung für den Reggae-Propheten. Landausflüge auf Jamaica führen auch zur Geburtsstätte von Bob Marley (Nine Mile).

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