Gut zu wissen

Für unsere 2 wöchige GTA-Wandertour und einigen Tagen Erholung am Meer schafften wir es mit mehrmaligem Ein- und Auspacken das Gewicht unserer Rucksäcke auf ca. 12 bzw. 14 Kilo zu reduzieren. Vorneweg sei bereits gesagt: Es lohnt sich jedes eingesparte Gramm:)

Als Informationsmaterial hatten wir den wirklich hilfreichen und informativen GTA Wanderführer von Rother dabei. In einem lockeren Stil beschreiben Iris Kürschner und Dieter Haas jede einzelne Etappe, hübschen die Texte mit etlichen Bildern auf und geben dem Wanderer viele hilfreiche Tipps.

Rother Wanderführer GTA

Die Etappen im Überblick

 Wir teilten unsere Etappen - wenn möglich - nach den Vorschlägen des Wanderführers ein:

  • Etappe 54: Terme di Valdieri - Rifugio Genova-Figari (6 Std, 1290 Hm)
  • Etappe 55: Rifugio Genova-Figari - San Giacomo (4:30 Std, 490 Hm)
  • Etappe 56: San Giacomo - Trinita (4:00 Std, 380 Hm)
  • Etappe 57: Trinita - Palanfre (5:00 Std, 1120 Hm)
  • Etappe 58: Palanfre - Limonetto (4:30 Std, 940 Hm)
  • Etappe 59: Limonetto - Rifugio Garelli (8:00 Std, 1450 Hm)
  • Etappe 60: Rifugio Garelli - Upega (7:00 Std, 970 Hm)
  • Etappe 61: Upega - Monesi die Triora (2:30 Std, 490 Hm)
  • Etappe 62: Monesi di Triora - Colla Melosa (7:00 Std, 1350 Hm)
  • Etappe 63: Colla Melosa - Gola di Gouta (5:30 Std, 550 Hm)
  • Etappe 64: Gola di Gouta - Rifugio Alta Via (4:30 Std, 180 Hm)
  • Etappe 65: Rifugio Alta Via - Ventimiglia (4:00 Std, 240 Hm)

Da das Bergdorf Upega inzwischen verlassen ist, mussten wir ein paar Umwege in kauf nehmen. Aus den 12 Etappen wurden für uns letztendlich 14:

  • Etappe 60: Rifugio Garelli - Rifuguio Mondovi
  • Etappe 60a: Rifugio Mondovi - Rifugio Mongioie
  • Etappe 61: Rifugio Mongioie - San Sebastian
  • Etappe 61a: San Sebastian - Rifugio San Remo
  • Etappe 62: Rifugio San Remo - Colla Melosa (Rifugio Allavena)

Anreise

Wir starteten gut gelaunt am Ulmer Bahnhof und ahnten noch nicht, dass uns das erste Abenteuer gleich die Deutsche Bahn bescheren sollte: Denn die kam mit exakt 5 Minuten Verspätung in der Schweiz an, so dass wir dort den Anschlusszug und auch in Italien den bereits reservierten Zug verpassten.

Na toll! Es bewahrheiteten sich mal wieder die Vorurteile von A bis Z: Die Deutsche Bahn hat von Pünktlichkeit keine Ahnung, die Schweizer schaffen es, ihre Züge sekunden genau abfahren zu lassen und in Italien durften wir - unter Augenzwinkern des Schaffners - in einem Nobelzug auch ohne passende Fahrkarte weiterfahren!

Letztendlich kamen wir mit einiger Verspätung in Cuneo an, was aber dann doch noch gut gegangen ist, da wir auch spät abends mit etwas Glück ein passendes Hotel gefunden haben.

Die Wanderung

Insgesamt sind die einzelnen Etappen im Rother Wanderführer sehr gut beschrieben. Dennoch haben wir uns 2 mal verlaufen und einmal war die entsprechende Hütte verlassen, so dass wir einen Umweg in Kauf nehmen mussten.

Der Beginn der Wanderung verlief aber auf jeden Fall ohne Panne, so dass die ersten Tage von Termi die Valdieri über das Rifugio Genova-Figari, San Giacomo und Trinita bis Palanfre einfach überwältigend waren. Man ist schwer beeindruckt von der einzigartigen Landschaft und der reichhaltigen Flora und Fauna.

Auf den Hütten wird jeden Tag ein anderes Essen serviert. Am Besten hat es uns in Palanfre - einst ein blühendes Bergdorf mit mehr als 200 Einwohnern - geschmeckt. Heute wird man in Palanfre von einer Viehzüchterfamilie bewirtschaftet, die zudem eine eigene Käserei mit sagenhaft leckeren Produkten betreibt - es liegt also nicht nur an der gesunden Bergluft, dass das Essen so gut schmeckt.

Auf der ersten Etappe zum Colle del Chiapous

Von Palanfre steigt man weiter auf zum Lago degli Alberghi und von dort weiter zum mit Drahtseil gesicherten Passo di Ciotto Mieu. Leider hatten wir den Abzweig zum Pass verpasst so dass wir etwas südlich davon irgendwann in unmarkiertem Gelände unterwegs waren. Wir riskierten einen Abstieg über eine kleine Scharte und befanden uns anschließend auf Wiesen, die vor uns wahrscheinlich noch keiner betreten hatte. Die kompletten Grashänge waren übersät mit unzähligen Blumen - vom gelb blühenden Alpen-Sonnenröschen, über rosa Teppiche aus Pfauen-Nelken bis hin zu unzähligen Edelweißen, die dort Büschelweise wachsen.

Schließlich gelang uns der Abstieg ins Tal des Rio Prati wo man - mit etwas Geduld und Muse - Murmeltierfamilien aus nächster Nähe betrachten kann. Wer möchte kann sich im Hotel Arrucador einen kleinen Luxusaufenthalt gönnen. Wir zogen es vor für ein paar Euro weniger und nicht ganz so luxuriös im Bettenlager des großen Skihotels Alpe di Limonetto zu nächtigen.

Über einen kleinen Umweg landeten wir ...

 Die nächste Etappe war einer unserer längsten und führt von Limonetto über alte Militärstraßen zum Rifugio Garelli. Da für den nächsten Tag schlechtes Wetter angekündigt war, legten wir danach eine kürzere Etappe zum Rifugio Mondovi ein, was auch unseren Füßen zu Gute kam.

Anschließend mussten wir eine zweite Tourenänderung einplanen, da inzwischen die Übernachtungsmöglichkeit in Upega nicht mehr besteht. Bei bestem Wetter starteten wir am frühen Morgen von der Mondovi Hütte aus in Richtung Cime della Saline. Der Weg führt direkt von der Hütte weg über einen steilen Geröllhang durch einen mit Ketten gesicherten Felsspalt. Weiter gings durch eine sehenswerte Felslandschaft auf den Gipfel der Saline. Bei fast perfekter Sicht konnte man im Norden einige 4000er sehen, so wie im Süden über das Meer bis fast noch Korsika blicken. Der Abstieg erfolgte über blumenreiche Wiesen, die Seinesgleichen suchen bis man schließlich über einen spannenden Pfad mit Hängebrücke die Mongioie Hütte erreicht.

Ankunft am Rifugio Garelli

Den perfekten Tag ließen wir auf der Mongioie Hütte ausklingen. Am nächsten Morgen stiegen wir ab nach Viozene und befolgten den Tipp eines Italieners am rechten Ufer des Torrente Negrone Richtung San Sebastian zu marschieren. Leider erwies sich der gut gemeinte Tipp als totaler Fehlschlag, denn das Wegchen verlor sich in immer steileren Waldhängen, bis es schließlich an einer Abbruchkante zum Fluss kein Weiterkommen mehr gab. Die ganze Suche hatte uns etwa 3 Stunden gekostet... Deshalb hieß es zurück nach Viozene und anschließend der Straße entlang bis zum Fluß Tanarello folgen. Wir schauten in die Karte und beschlossen dem Fluss entlang in Richtung San Bernardo zu laufen.

Doch auch die italienischen Karten sind leicht gewöhnungsbedürftig. Der in der Karte als dicke breite Straße eingezeichnete Weg wurde immer mehr zum Wegwechen, es waren nirgends mehr Wegzeiger zu finden und als schließlich der Pfad von einem Erdrutsch blockiert wurde, wurde uns das auch etwas ungeheuer. Zudem brach langsam die Dunkelheit herein. Zum Glück gaben wir aber nicht auf, sondern irrten noch ein wenig in der Gegend umher. Schließlich erreichten wir die Ponte Tanarello, wo uns nicht nur ein Wegweiser, sondern gleich ein Dutzend davon begegneten. Dort waren sogar Mountainbike Trails und Reitwege ausgeschildert... Man glaubt es nicht, aber so ist es halt... in Good Old Italy ;-)

Nach dieser harten Wandereinlage erreichten wir nach weiteren 45 Minuten glücklich und erleichtert San Bernardo, wo wir ein schönes Hotel fanden. Zwar nicht ganz billig, dafür war das Essen (mit Nachschlag) einfach traumhaft.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zum Rifugio San Remo, einer Selbstversorgerhütt auf dem Bergkamm des Monte Saccarello. Da wir nun - wo es möglich war - den breiten Straßen folgten, kamen wir frühzeitig in Monesi di Triora an. Von diesem auf 1376 m hoch gelegenen Skiort war es dann noch ein kleiner Gewaltmarsch auf die auf 2078 m hoch gelegene San Remo Hütte. Doch der Ausblick und die einfache Hütte entschädigten den Aufwand. Wir trafen auf 3 Dänen und ein weiteres Pärchen aus Deutschland und hatten einen wunderbar gemütlichen Abend - vor allem wegen dem Holzofen, der eine angenehme Wärme erzeugte.

Wer auf der San Remo Hütte übernachten möchte muss davor den Schlüssel im Restaurant von Monesi gegen eine Kaution von 15 Euro abholen und kann den Schlüssel dann auf der nächsten Hütte - dem Rifugio Allavena bzw. dem Restaurant Colla Melosa - gegen Rückerhalt der Kaution wieder abgeben. Der Weg, der zum großen Teil auf dem Grenzkamm verläuft ist gut ausgeschildert und bietet schöne Ausblicke auf kleine Bergdörfer die wie Burgen an den Hängen kleben und auch in Italien mit dem französischen Begriff Nid d'Aigle (Adlerhorst) bezeichnet werden.

Spannend wurde es am nächsten Tag, da sich der Weg nun über alte Alpinisteige durch die senkrechten Felsschluchten des Monte Pietra-Vecchia und des Monte Toraggia zog. An einer Stelle war der Weg leicht weggebrochen, wobei das Überschreiten beim Blick in die Tiefe einen kleinen Nerverkitzel auslöste, aber machbar war.

Wer sich für Fauna und Flora interessiert wird auf der ganzen Grande Traversata delle Alpi reichlich belohnt. So konnten wir z.B. den in Europa stark bedrohten Roten Apollofalter aus nächster Nähe beobachten. Übernachtet haben wir dann auf dem Rifugio Passo Gouta von wo man einen ersten Blick auf's Meer erhaschen kann.

Die nächste Etappe fanden wir nicht so spannend - sie erinnert ein wenig an den Schwarzwald und der Blick zum Meer gaukelt die Nähe zum Zielort vor. Spannung kam dennoch auf als wir nämlich einen kleinen Skorpion in unserem Rucksack entdeckten. Die Übernachtung erfolgte im Rifugio Alta Via.

Auf der letzten Etappe ist das Meer schon zum Greifen nah und der Weg abwechslungsreicher als gedacht. Man wandert zwischen Olivenbäumen, Weingärten, Zypressen und in Villenviertel umher und wird am Ende mit einem spektakulären Blick auf Ventimiglia belohnt.

Die letzten 4 Tage konnten wir entspannt in Ventimiglia am Meer verbringen. Da tat gut. Und wir hatten eine schöne typische verwinkelte italienische Wohnung gefunden, wo man auf der Dachterrasse mit einem leckeren Frühstück verwöhnt wurde. Letztendlich gönnten wir uns noch einen Abstecher nach Monaco bevor wir dann wieder die Heimreise mit dem Zug antraten. Auch diese wurde mal wieder durch die üblichen Zugverspätungen recht spannend ;-)

Entspannung nach einem anstrengenden Wandertag

Zum Schluß noch ein paar Tipps für angehende GTA-Wanderer

  • Wer den üblichen stark begangenen Wanderpfaden folgt, kann getrost den gut beschilderten Wegen vertrauen. Muss man aber davon abweichen genügt der Rother Wanderführer nicht mehr. Man ist gut beraten mit zusätzlichem Kartenmaterial, das ein neueres Datum aufweist und nicht unbedingt in Italien gedruckt wurde ;-) Auch die Tipps von Einheimischen sollte man mit Vorsicht genießen oder mit Hilfe von Karten überprüfen.
  • Da die Hütten z.T. stark frequentiert sind, empfiehlt es sich bereist am Vortrag die nächste Hütte reservieren zu lassen.
  • Beim Rucksackpacken sparen wo es geht. Später freut man sich über jedes Gramm das man nicht schleppen muss. Vor allem ist es empfehlenswert auf den Hütten zu Essen. Unser Rucksack war deshalb nicht nur ein paar Kilos leichter, sondern wir erhielten morgens meist ein leckeres Frühstück und wurden abends oft mit einem typischen italienischen 4-Gänge Menü auf's Beste verwöhnt.
  • Einige der Etappen verlangen Kondition und Durchhaltevermögen. Vor allem sollten die manchmal recht steilen An- und Abstiege nicht unterschätzt werden, ebenso wie die z.T. doch erheblichen Höhenmeter. Und etwas Reserve für kleinere Umwege einzuplanen ist manchmal auch nicht ganz verkehrt ;-)
Hans, am 06.11.2014
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Bildquelle:
a.sansone (Lechweg - Wie es ist an einem Wildfluss zu wandern)
Eigenwerk (Kann man im Sommer auf die Zugspitze?)

Autor seit 7 Jahren
59 Seiten
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