Deutsche Grilltradition

Deutschen Grillveranstaltungen kommen selten ohne Bratwürste und Steaks aus. Gegrilltes Gemüse als Beilage ist im Trend. Gegrillter Fisch ist eine willkommene Abwechslung. Diverse Soßen, Salate, Brotsorten und natürlich Getränke machen den Spaß komplett. Anregungen vom Barbecue aus den USA, Cevapcici vom Balkan, Kebab aus dem Orient oder Schaschlik aus dem Kaukasus werden ebenfalls gern ausprobiert. Selbst Grillen mit rein vegetarischen Bestandteilen hat seine Anhänger. Nahezu unbekannt in Deutschland dagegen ist das südafrikanische Braai.

So grillen die Südafrikaner

Was den Deutschen das Grillen, ist den Kapbewohnern ihr Braai. "Braai" bedeutet auf Afrikaans "braten". Ein grundlegender Unterschied zu deutschen Grillgewohnheiten besteht beim Braai darin, dass dabei anstelle von Holzkohle unbedingt echtes Holz zum Grillen verwendet werden muss. Der Grillvorgang dauert dadurch länger, und genau das soll er auch. Die Südafrikaner lieben ihr Braai – immer – als möglichst ausdauerndes geselliges Erlebnis. Grillplätze sind reichlich vorhanden: in Häusern und Gärten, in Hinterhöfen, auf Camping- sowie Picknickplätzen und sogar in Cricket-Stadien. Mit dem mobilen Grill ist selbst ein Braai auf dem Bürgersteig möglich, ohne dass jemand nach der Polizei ruft.

 

Steaks Cooking on Grill (Bild: Dennis Lane / AllPosters)

Natürlich darf beim typisch südafrikanischen Grillen das Braaivleis – das Fleisch zum Braten – nicht fehlen. Steaks und Würstchen werden aufgelegt, Stücke vom Rind, Lamm, Geflügel oder Schwein, außerdem vom Strauß, Büffel, Gnu, Impala, Kudu, Antilope oder Springbock und darüber hinaus Warzenschwein, Zebra oder Krokodil. In Küstenregionen kommen Meerestiere wie Fisch, Garnelen und Langusten ebenfalls auf den Braai-Grill. Eine südafrikanische Spezialität ist die üblicherweise zu einer Schnecke gerollte Boerewors – die Burenwurst beziehungsweise Bauernbratwurst – die sich in Deutschland leicht durch eine luftgetrocknete Mettwurst ersetzen lässt. Kirschpaprika ist eine pikante Beigabe und die auch hierzulande bekannte Chakalaka-Soße stammt aus Südafrika und ist mit von der Partie.

Grill it Up (Bild: Jay B Sauceda / AllPosters)

Auch die Südafrikaner reichen zum Grillgut weitere Speisen, wobei bei einem zünftigen Braai jedoch der Fleischanteil deutlich überwiegt. Neben den allgemein zum Grillen angebotenen Getränken lassen sich Südafrikaner zusätzlich gern noch ihre hervorragenden Weine schmecken.

 

Wie in Deutschland betrachten auch in Südafrika das Grillen die Männer als ihre Aufgabe, während die Frauen sich um die Soßen, Beilagen und Salate kümmern.

Braai-Rezepte

 

Sosaties 

Ein Sosatie ist ein Fleischspieß mit zwischengefügten Obst- oder Gemüsestücken. Das Wort "Sosatie" entstand aus "Soße" und "Saté" für Grillfleischspießchen und spiegelt gleichzeitig die in Südafrika lebende Multikultigesellschaft wider. Am Kap leben neben den Ureinwohnern und Buren zahlreiche Inder und Malayen sowie weitere Völker, die alle zur Vielfalt der südafrikanischen Küche beitragen.

Zutaten für 4 Portionen:

5 Zwiebeln • 5 Knoblauchzehen • 1 Esslöffel brauner Rohrzucker • 6 Esslöffel Aprikosenkonfitüre • 1 Esslöffel Weinessig • 1 Teelöffel Maisstärke • 3 Esslöffel Currypulver • 800 g Lammschulter • 200 g Aprikosen, getrocknet • Pfeffer und Salz nach Geschmack

Zubereitungszeit 720 min - Gesamtzeit 780 min:

Am Vortag eine Fleischmarinade zubereiten. Dafür Zwiebeln und Knoblauch schälen, danach die Zwiebeln in Viertel und den Knoblauch in feine Würfel schneiden. Beides in einen Topf geben und mit Rohrzucker, Aprikosenmarmelade, Essig, Maisstärke und Currypulver gründlich verrühren. Auf kleiner Flamme für 5 Minuten erwärmen und zur Seite stellen. Nun das Fleisch in Würfel von circa 2 cm Kantenlänge schneiden und in den Topf mit der lauwarmen Marinade einlegen. Das Fleisch im zugedeckten Topf für 12 Stunden in den Kühlschrank stellen. Am Folgetag die Trockenaprikosen 30 – 60 Minuten in warmem Wasser einweichen. Wenn sie weich geworden sind, abwechselnd mit den marinierten Lammfleischwürfeln auf Schaschlikspieße aus Metall oder Holz aufspießen. Holzspieße sind vorher zu wässern. Bevor die Spieße auf den Grill kommen, salzen und pfeffern. Während der rund 10-minütigen Grillzeit mehrmals mit der übrigen Marinade bestreichen. Weitere Varianten: Statt Aprikosen eignen sich noch andere Obstarten wie Ananas, Mangos, Pfirsiche oder Äpfel sowie Gemüsesorten wie Paprika, Porree oder Tomaten. Ebenso muss es nicht zwingend Lammfleisch sein.

 

Straußenfleischspieße

Was wäre ein Braai ohne nicht mindestens eine für Südafrika typische Fleischsorte! Seit mehreren Jahren schon ist Straußenfleisch auch in Deutschland problemlos erhältlich.

Zutaten für 8 Portionen:

1 kg Straußenfleisch • 3 rote Paprikaschoten • 300 g Aprikosen, getrocknet • 3 Esslöffel Olivenöl • 1 Esslöffel Zitronensaft • 1 Prise Salz • 1 Prise Pfeffer • 1 Zitrone, unbehandelt • 1 kleines Glas Preiselbeeren • 500 ml Instant-Fleischbrühe • 0,25 l Portwein • 1 Esslöffel Rotweinessig • 50 g Butter

Zubereitungszeit 340 min - Gesamtzeit 350 min:

Das Straußenfleisch in Würfel von etwa 2 cm Kantenlänge schneiden. Die Paprikaschoten waschen, halbieren, von Stielansätzen, Trennwänden und Kernen befreien und quer in breite Streifen schneiden. Das Fleisch im stetigen Wechsel mit Aprikosen und Paprika aufspießen. Aus Olivenöl, Zitronensaft, Salz und Pfeffer eine Marinade anrühren und die Straußenfleischspieße für 5 Stunden hineinlegen. Die Spieße haben eine Grillzeit von circa 10 Minuten. Während des Marinierens eine Preiselbeersoße herstellen. Hierfür die Zitrone gut waschen und in Achtel zerteilen. In einem Topf die Fleischbrühe zubereiten und zusammen mit Zitronenachteln, Preiselbeeren, Rotweinessig, Portwein und Butter rund 30 Minuten lang einkochen, bis die reduzierte Soße etwas eingedickt ist.

 

Gegrillter Barracuda

Ein wahres Blitzrezept ist der gegrillte Barracuda. Mit seinem fettreichen und grob gefaserten Fleisch eignet sich dieser Fisch ideal für den Grill. Sein aromatischer Geschmack ist von nussartigem Charakter.

Zutaten für 4 Portionen:

1 Barracuda von 1,2 – 1,5 kg, küchenfertig • 100 g Butter • Saft aus 1 Zitrone • Salz und Pfeffer nach Geschmack

Zubereitungszeit 20 min - Gesamtzeit 35 min:

Barracuda in Scheiben zerteilen. Butter zerlassen und die Fischscheiben damit bestreichen. Mit Salz und Pfeffer bestreuen und mit dem Zitronensaft beträufeln. Die Fischstücke auf den Grill legen, nach 5 Minuten wenden und für 5 – 10 Minuten zu Ende grillen.

 

Medaillons vom Warzenschwein

Da Warzenschweine in Deutschland nur in Zoos anzutreffen sind, sollten zur Vermeidung von Ärger besser Vertreter aus dem hiesigen Wildschweinbestand auf dem Grill landen. Selbst eventuelle braaierfahrene Besucher aus Südafrika werden da gerne Nachschlag nehmen.

Zutaten für 4 Portionen:

1 Zwiebel • 4 Knoblauchzehen • 0,125 l Rotwein • 3 Esslöffel Olivenöl • 3 Wacholderbeeren • 2 Esslöffel Rosmarin, gehackt • 2 Esslöffel Thymian, gehackt • 1 mittelgroße Porreestange • 800 g Wildschweinfilet • 1 kleine Ananas • jeweils 1 Teelöffel Olivenöl, Senf, Pfeffer und Salz • 4 Streifen Frühstücksspeck

Zubereitungszeit 1480 min - Gesamtzeit 1510 min:

Zwiebel und Knoblauchzehen pellen und feinhacken, danach mit Olivenöl, Wacholderbeeren, Rosmarin und Thymian gut vermischen. Porreestange putzen, gründlich waschen und in feine Ringe schneiden. Anschließend die Porreeringe unter die Marinade geben. Das Wildschweinfilet in vier dicke Scheiben zerteilen – eventuell dies bereits vom Metzger erledigen lassen. Die Filetscheiben in der Marinade 24 Stunden lang einlegen. Am nächsten Tag die Ananas schälen, den Strunk heraustrennen und die Frucht in dicke Scheiben schneiden. Auf diesen nun insgesamt rund einen Teelöffel Olivenöl verteilen und sparsam mit Pfeffer bestreuen. Die fertig marinierten Fleischmedaillons herausnehmen, pfeffern und salzen. Danach den Senf daraufstreichen und mit den Frühstücksspeckstreifen umwickeln. Die Medaillons rund 10 Minuten grillen, dabei mehrmals vorsichtig wenden. Zum Schluss die Ananasscheiben für 3 Minuten je Seite mitgrillen. Die Medaillons auf den Ananasscheiben anrichten. Als Beilagen kommen die von hiesigen Grillpartys gewohnten Speisen wie Brotvariationen, Salate oder verschiedene Gemüse infrage.

Ein südafrikanisches Gericht außerhalb des Grills soll nun noch folgen. Es zählt zwar nicht direkt zu den Braai-Rezepten, aber passt als interessantes Beispiel für eines der südafrikanischen Gerichte gut dazu.

  

Geelrijs

Die Bedeutung von "Geelrijs" ist leicht zu erraten: "gelber Reis". Die Köstlichkeit harmoniert mit vielen Fleischgerichten, schmeckt solo zwischendurch oder bildet abschließend ein bisher nicht gekanntes Dessert – sofern dann noch etwas davon übrig sein sollte.

 

Zutaten für 8 Portionen:

450 g Langkornreis • 2 Zimtstangen • 2 Esslöffel Kurkuma • 1 Prise Salz • 2 Teelöffel Zucker • 250 g Sultaninen • 150 g brauner Rohrzucker • 50 g Butter

Zubereitungszeit 35 min - Gesamtzeit 35 min:

Den Reis in einem Liter Wasser zusammen mit den Zimtstangen sowie dem Kurkuma, Salz und Zucker aufsetzen. Nach dem Aufkochen für 12 Minuten garen. Währenddessen die Sultaninen heiß abspülen, hinzufügen und 10 Minuten bei niedriger Wärmezufuhr weiter garen beziehungsweise so lange, bis der Reis im Wasser weich gequollen ist. Nun die beiden Zimtstangen herausnehmen. In den Reis den braunen Zucker hineinrühren. Butter als Flöckchen auf den Reis setzen und unterziehen.

Jeden 24. September feiert Südafrika seinen Braai-Tag
Textdompteuse, am 29.07.2012
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Bildquelle:
Kerstin Schuster (Wie macht man gefüllte Champignons?)
https://pagewizz.com/users/Adele_Sansone (Wie macht man Tiramisu? Original und leckere Variationen dazu)

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