Sundance Kid, Butch Cassidy und The Wild Bunch (Bild: Pearlmatic / Flickr)

Cassidy erhielt seinen Spitznamen wegen eines alten Zündnadelgewehrs

Butch Cassidy betrank sich niemals, er war stets zuvorkommend zu Frauen, freigiebig, wenn er Geld hatte, und extrem loyal zu seinen Freunden. Er hat nie einen Menschen getötet, bis auf seinen letzten Kampf, wo er sich einer hundertfachen Übermacht gegenübersah. Alle Polizisten, die ihn jagten, betonten immer wieder, dass Butch Cassidy einer der feinsten Männer war, die sie je gesehen hatten.

George LeRoy Parker wurde am 13. April 1866 in Beaver, Utah, geboren. Sein Vater war ein angesehener Mormone. Als Halbwüchsiger stahl George einen Sattel und wurde im Gefängnis so schlecht behandelt, dass seine Konflikte mit dem Gesetz wahrscheinlich hier ihren Ursprung hatten. Nach seiner Entlassung schloss er sich dem Pferdedieb Mike Cassidy an, wurde wieder erwischt und ins Gefängnis gesteckt, konnte aber fliehen. Von nun an nannte er sich George Cassidy und schloss sich der McCarthy-Bande an.

Zwischen 1885 und 1893 verübten Tom, Bill, Lew, George und Fred McCarthy, Matt Warner und Elza Lay (William H. McGinnis) zahlreiche Bank- und Eisenbahnüberfälle in Colorado und Oregon. Während dieser Zeit erhielt Cassidy auch seinen Spitznamen. Matt Warner besaß ein altes Zündnadelgewehr, das wegen seines schrecklichen Rückschlags "Butch" (Knochenzertrümmerer) genannt wurde. Eines Tages feuerte Cassidy, während er auf dem Rand eines Brunnens saß, ab und der Rückschlag beförderte ihn kopfüber in den Brunnen hinein.

Zur Wild Bunch-Bande gehörten zeitweise mehr als hundert Mitglieder

1893 machten sich Matt Warner, Elza Lay und Butch Cassidy selbstständig, verübten aber nur kleinere Überfälle, die Butch Cassidy 1894 eine zweijährige Gefängnisstrafe einbrachte. Im Dezember 1897 stießen sie mit den berüchtigten Logan-Brüdern Henry, Johnny, Lonny und Harvey zur "Wild Bunch", einer Bande, die zeitweise mehr als einhundert Mitglieder zählte. Zu ihnen gehörten unter anderem Bob Meeks, Tim Dilley, Harry Longbough (Sundance Kid), Bill Carver, David Land, Jack Moore, John Arnold, Bill Zimmerman und Bill Evans. Der Aktionsradius dieser Bande, die sich "Eisenbahnräubersyndikat" (Train Robbers Syndicate) nannte, bewegte sich zwischen der kanadischen und der mexikanischen Grenze und umfasste das gesamte Rinderzuchtgebiet der Rocky Mountains. Um 1900 hatte der Kopfpreis von Butch Cassidy die Höhe von 50.000 US-Dollar erreicht, und kaum einer seiner Banditen war weniger als 5000 Dollar wert - tot oder lebendig.

Am 13. Mai 1901 wurden Joe Walker und sein Gefährte Jack Moore, als sie auf dem Weg zur Hauptbande waren, von Sheriff C. W. Allred in eine Falle gelockt und in einem Feuergefecht getötet. Auf diese Art erwischte es bis zum Ende des Jahres mehr als 85 Prozent der Wild Bunch-Bande, nachdem die Pinkerton-Detektive eine regelrechte Hetzjagd entfaltet hatten. Am 20. Februar 1902 schifften sich Butch Cassidy und Harry Longbough nach Südamerika ein. Das Schiff verließ zwei Stunden vor der Ankunft von Pinkerton-Detektiv Dimaios New York. Sie kauften in Cholilo, Argentinien, eine Ranch und betätigten sich bis 1906 als Viehzüchter.

Dann hatten Pinkerton-Detektive sie aufgespürt. Cassidy und Longbough verließen die Ranch, tauchten in Bolivien auf und verübten im Bergwerksbezirk San Vicente einen Überfall nach dem anderen. Doch Pinkerton-Detektive spürten sie auch hier in einem Versteck auf, alarmierten eine Kompanie Soldaten und schauten von einem entfernten Hügel mit Feldstechern dem letzten Akt zu. Die Soldaten umstellten das Haus und feuerten. Zwölf Stunden hielten die beiden Verbrecher der bolivianischen Polizei stand, bis Longbough von Kavallerie-Verstärkung erschossen wurde. Cassidy jagte sich seine letzte Kugel in den Kopf. In den USA gilt er trotzdem als der letzte Westernheld.

BerndT, am 08.09.2015
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Bildquelle:
The Librarys of Congress (Sheriffs im Wilden Westen)
Helmut Wegmann (Rinderherden im Wilden Westen)
Brigitte Werner (Banditen im Wilden Westen)

Autor seit 5 Jahren
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