Russen, geht nach Hause!

Der ungarische Volksaufstand von 1956 als Monumentalkino

Wohl jeder Staat hat seine ganz eigenen Nationalmythen. Viele davon sind naturgemäß mit menschlichen Dramen verbunden, wie der ungarische Volksaufstand 1956 gegen die russischen Besatzer. Kurzzeitig schienen die Ungarn tatsächlich ihre ersehnte Freiheit erkämpfen zu können. Doch Moskau ließ den Aufstand blutig niederwalzen und zerstörte die Hoffnungen von Millionen Menschen auf Freiheit und Gerechtigkeit.

Diesem dunklen Kapitel der ungarischen Geschichte widmet sich Krisztina Godas Epos "Children of Glory", dessen Script vom gebürtigen Ungarn Joe Eszterhas (berühmt für seine Drehbücher zu "Basic Instinct" und "Showgirls") stammt. Als Produzent fungierte sein ebenfalls in den USA wirkender Landsmann Andrew G. Vajna, Mitbegründer des Filmstudios "Carolco" ("Die totale Erinnerung – Total Recall"). 

 

Wasserball- und Straßenschlachten

Children of Glory - Cover der DVD1956 befindet sich Ungarn nach wie vor unter sowjetischer Knute. Lediglich der Sport bietet die Möglichkeit, den verhassten Russen eins auszuwischen. In diesem Jahr gilt die ungarische Wasserballmannschaft als bestes Team der Welt und verfolgt nur ein Ziel: Die Olympischen Spiele in Melbourne!

 

Doch ausgerechnet wenige Wochen vor dem geplanten Abflug bricht ein Volksaufstand gegen die Besatzer aus. Anfangs hält sich Karcsi (Iván Fenyö), der Star der Wasserballmannschaft, aus Furcht vor Repressalien für sich und seine Familie aus den Ereignissen heraus.

 

Doch die hübsche Studentin Viki (Kata Dobó) verdreht ihm nicht nur den Kopf, sondern macht ihm auch klar, dass man im Leben manchmal etwas riskieren muss. Endlich schließt sich auch Karcsi der Massenbewegung an und tritt in offenen Konflikt zu den russischen Okkupanten. Zum Schein beruft Moskau seine in Ungarn stationierten Soldaten ab, plant jedoch bereits, mit vielfach verstärkten Truppen der Freiheitsbewegung ein blutiges Ende zu setzen. Von alledem ahnt Karcsi nichts, als er sich auf den Weg nach Melbourne begibt. Dabei hat die riesige Armee des "Warschauer Pakts" längst Kurs auf Budapest genommen …

Russen, geht nach Hause!

Children of Glory: Bewegendes Drama

Hollywood in Ungarn

Ungarisches Kino erfreut sich in deutschsprachigen Ländern nicht gerade großer Verbreitung. Mit "Children of Glory" betritt jedoch ein Film die Bühne, der das nötige Rüstzeug besitzt, dies zu ändern. In der Heimat war der von Krisztina Goda inszenierte Monumentalstreifen ein Sensationserfolg. Wenig verwunderlich angesichts des betriebenen Aufwands, um dem ein halbes Jahrhundert zuvor niedergeschlagenen Volksaufstand respektvolle Würde erweisen zu können. So konnten zwei der berühmtesten und einflussreichsten Exil-Ungarn für eine Mitarbeit gewonnen werden. Zum einen Drehbuchautor Joe Eszterhas ("Basic Instinct"), zum anderen Filmproduzent Andrew G. Vajna.

 

"Children of Glory" - Screenshot

 

 

 

 

 

 

 

Mercedes reagierte zwar auf den blamablen "Elchtest", konnte mit dem neuen Design aber nicht überzeugen.

 

Mit sichtlich üppigem Budget ausgestattet wurden die Ereignisse des ungarischen Volksaufstandes nachgestellt. WIe so oft bildet eine Liebesgeschichte den Rahmen für die komplexe Handlung. Wer angesichts dessen eine pathetische Seifenoper mit ein bisschen Geschichtsklitterung (aka: Das "Pearl Harbor"-Syndrom) befürchtet, darf aufatmen. Die zögerliche Annäherung des auf seinen Vorteil bedachten Sportlers Karcsi und der resoluten Studentin Viki kommt über weite Strecken hinweg ohne Klischees aus und erweist sich als schlüssig in die eigentliche Handlung integriert.

 

Die Russen kommen!

Gewiss: Man könnte die sehr einseitige Anfeindung der Russen bekritteln. Abgeschwächt wird diese Kritik jedoch durch einge mitunter sehr opportun agierende Einheimische, die ihr Fähnchen mit dem Wind richten. Selbst Karcsi fürchtet anfänglich um seine Sportkarriere und steht der Revolutionsbewegung reserviert gegenüber. Allmählich begreift er aber, welche ungeheure Chance sich ihm und seinen Landsleuten bietet und er bezieht eindeutig Stellung, obwohl ihn dies anfangs seinen Platz in der Mannschaft kostet.

 

"Children of Glory" - Screenshot

 

 

 

 

 

 

 

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Es liegt in der Natur von Historienverfilmungen, dass sich die Spannung in überschaubaren Grenzen hält. Schließlich weiß der Zuschauer um das blutige Scheitern des Aufstand. Dennoch gelingt es Regisseurin Krisztina Goda mühelos, das Interesse des Publikums über zwei Stunden hinweg aufrechtzuerhalten. Seien es zynische Dialoge oder die hervorragend choreographierten Straßenschlachten: Langeweile kommt an keiner Stelle auf!

 

"Children of Glory" - Screenshot

 

 

 

 

 

 

 

Ausschnitt aus dem neuen "RaubkopiererInnen"-Spot.

 

Wunderbares Historiendrama

Die hiesigen Zuschauern wohl kaum bekannten Darsteller meistern ihre Rollen sehr gut und glaubwürdig. Bereits nach kurzer Zeit ereilt den Zuschauer das Gefühl, alten Bekannten über die Schultern zu gucken. Umso mehr nimmt das Niederwalzen des Volksaufstands mit.

Die einzige marginale Schwäche liegt im etwas abrupten Ende.

Eingedenk dessen wirkt "Chlidren of Glory" wie aus einem Guss und kann uneingeschränkt empfohlen werden! Lebendiger und mitreißender wurde Geschichte noch selten zuvor verfilmt.

Produktinformationen

Originaltitel: "Szabadság, szerelem"

Regie: Krisztina Goda

Produktionsland und -jahr: Ungarn / GB, 2006

Filmlänge: ca. 123 Minuten

Verleih: SchröderMedia HandelsGmbH

FSK: Ab 16 Jahren

Deutscher Kinostart: -

Autor seit 8 Jahren
821 Seiten
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