TÄGLICH LANGE SCHLANGEN VOR SUPERMÄRKTEN & BANKEN

HOMEMADE ATEMSCHUTZMASE DOMINICANO STYLE

Teil 1 (März / April)

SAMSTAG (14.03) 
Am Samstag wurde es dank diverser Onlinemeldungen immer wahrscheinlicher, das schon ab Montag sämtliche Flüge aus Europa nach Santo Domingo gestrichen würden & ich wußte, ich musste schnell handeln. Deshalb rief ich meinem Chef an, der zu meiner Überraschung auf mein Anliegen positiv reagierte & mir genehmigte meine zahlreichen,angehäuften Überstunden sowie meinen kompletten Jahresurlaub ab Montag zu nehmen - bis zum 30.04. einschließlich. Daraufhin buchte ich sofort meinen Flug auf fluege.de um (die Fluglinie Air Europa war telefonisch schon seit Tagen nicht mehr erreichbar) für den morgigen Tag, .

SONNTAG (15.03)
Am nächsten Morgen fuhr ich mit einem flauen Gefühl im Magen zum Frankfurter Flughafen, da ich befürchten musste, daß eventuell meine Flüge storniert würden. Aber zu meiner Erleichterung startete mein Flug pünktlich. Die nächste Hürde musste dann bei der Zwischenlandung in Madrid bewältigt werden, betreff Weiterflug nach Santo Domingo. Madrid war zu diesem Zeitpunkt die spanische Stadt, die am heftigsten von der Pandemie betroffen war. Das merkte man auch direkt nach Ankunft auf dem Flughafen: sämtliche Geschäfte & fast alle Restaurants waren geschlossen & Atemschutzmasken gehörten hier anscheinend zur Grundausstattung. Glücklicherweise wurde aber auch hier der Weiterflug termingerecht angezeigt. Beim Boarding las ich dann die Onlinenotiz, das alle Ausländer, die in die Dominikanische Republik einreisten,bei Ankunft erstmal in eine 15 tägige Quarantäne geschickt würden. Für einen Moment spielte ich mit dem Gedanken nach Frankfurt zurückzufliegen, aber der Wunsch während dieser Krise mit meiner Frau zusammen zu sein, ließ mich alle Bedenken vergessen.Als alle Passagiere an Bord waren, verzögerte sich der Abflug & es kam leichte Panik auf, das der Flug im letzten Moment gecancelt würde. Glücklicherweise ging das Flugzeug aber nach einer Stunde dann auf Startposition. Der Großteil der Passagiere (ca. 70% Dominicanos) inklusive Bordpersonal war maskiert & einige Leute waren stark am husten. Zum Glück teilte ich die Dreierreihe in der ich saß nur mit einem anderen Passagier, insofern konnte man ausreichenden Abstand halten. Nach einem neunstündigem Flug landeten wir auf dem Flughafen Las Americas. Auf dem Weg vom Flugzeug zur Passkontrolle musste man eine Person im Strahlenschutzanzug passieren, die mit einem Messgerät mit dem man feststellen konnte ob jemand erhöhte Körpertemperatur hat, jeden Fluggast abscannte. Als wir in die große Empfangs - halle kamen, hielt ich Ausschau nach Soldaten, die die Passagiere in Empfang nehmen um sie in die Quarantäne zu bringen würden, aber Fehlanzeige. Nach längerer Wartezeit konnte ich dann endlich den Transitbereich verlassen & wurde von meiner Frau & ihrer Schwester in Empfang genommen & wir fuhren in ihre Wohnung nach SantoDomingo Este.

DIE LETZTEN BEIDEN WOCHEN IM MÄRZ (16. - 30.03.)
Am nächsten Tag erfuhr ich, daß mein Flug der vorletzte Flug aus Deutschland gewesen war, der in Santo Domingo landete. Ab Montag wurden dann sämtliche gelisteten Flüge aus Europa ge -cancelt. Am Dienstag wurden als erste Coronamaßnahmen in Santo Domingo sämtliche Läden & Restaurants geschlossen bzw nur noch Mitnahme der Speisen war möglich. Für den späten Abend wurden die Einwohner angewiesen alle Fenster & Türen ab 22 h zu schließen, da 3 Hubschrauber über der Hauptstadt Desinfektionsmittel versprühen würden. Im Laufe des Tages wurde diese An -sage aber wiederrufen.
Am nächsten Tag hatte ich einen Autounfall mit meinem Leihwagen - von hinten fuhr mir ein Gua Gua (eine Art kleiner Lieferwagen) auf. Da die Leihwagenfirma mir keinen gleichwertigen Ersatz stellen konnte & der Wagen erstmal nicht fahrbereit war, bekam ich die Leihgebühr zurück. Zuerst überlegten wir einen anderen Wagen zu leihen, aber am nächsten Tag wurde dann der nationale Notstand ausgerufen: Sperrstunde von 19 - 06:00 & man durfte auch tagsüber nur noch Super - märkte, Banken & Ärzte aufsuchen. In den nächsten Tagen wurde vom auswärtigen Amt auch eine Rückholaktion für hier gestrandete Touristen eingeleitet: an 3 oder 4 Tagen hintereinander brach - ten Lufthansaflugzeuge deutsche Urlauber zurück in die Heimat. Da ich gerade erst angekommen war, stand das für mich nicht zur Diskussion. Außerdem wurden bevorzugt nur Pauschaltouristen mitgenommen & da meine Frau zwar schon seit Jahren in Deutschland gemeldet ist, aber nur den spanischen Reisepass hat, war das keine Option. Insofern beschloßen wir hier weiter auszuharren, da wir momentan auch in Deutschland keine Perspektive hatten. In den folgenden Tagen ver - schärften sich die Notstandsgesetze: die Sperrstunde wurde von 19 auf 17 Uhr vorverlegt - wer abends noch auf den Straßen angetroffen wurde, kam ins Gefängnis. Zutritt zu Supermärkten & Banken nur mit Atemschutzmaske & Handschuhen, außerdem wurden nur eine begrenzte Anzahl von Personen eingelassen & an den Kassen gab es Abstandsmarkierungen. Die dominikanischen Flughäfen wurden für sämtliche Flüge nach Europa oder Asien gesperrt - man konnte nur in einige Städte in den USA sowie karibische Inseln reisen. Da speziell im Landesinneren einige Gemeinden & Kleinstädte noch infektionsfrei waren, wurden diese frühzeitig von Polizei & Militär abgeriegelt.

DIE ERSTEN BEIDEN WOCHEN IM APRIL (01. - 15.04.)
Eine Woche vor Semana Santa (Ostern) wurden in Santo Domingo sämtliche Brücken von Polizei & Militär abgeriegelt, d.h. man konnte sein Barrio nicht mehr verlassen. Grund für diese drastische Maßnahme ist die dominikanische Tradition schon Tage vor dem Osterwochenende an die Strän - de & Ferienresorts außerhalb der Hauptstadt zu fahren & sich dort tagelang zu betrinken. Nach Ostern wurden die Brücken wieder geöffnet. Am Ostersamstag wurde in unserem Barrio das Wasser für einen Tag abgestellt, da einige Nachbarn ihre Picinas (Schwimmbecken) vollaufen ließen. Obwohl der dominikanische Präsident forderte den Notstand um 25 Tage zu verlängern, sprach sich das Parlament dagegen aus & beschloß nur eine Verlängerung von 15 Tagen, das heißt momentan bis zum 3.Mai. Für meine Frau & mich würde dasbedeuteten, daß wir frühestens erst Mitte oder erst Ende Mai zurück nach Deutschland zurückfliegen könnten.


DIE LETZTEN BEIDEN WOCHEN IM APRIL (16. - 30.04.)
Eigentlich war unser Rückflug für den 17.04. gelistet, der wurde aber ersatzlos storniert. Weder von fluege.de noch von Air Europa wurden wir im Vorfeld darüber informiert. Auf meine Nachfrage betreff Rückerstattung bzw Gutschrift bekam ich bislang nur von fluege.de eine Antwort (ca.3 Wochen später), in der man mir allerdings unterstellte, den Flug von mir aus storniert zu haben, weshalb mir nur eine Teil-Erstattung der Flugticketkosten zustehen würden. 

Momentan leben wir einigermaßen komfortabel in einer selbst auferlegten Quarantäne in der Wohnung meiner Frau im Stadtteil Villa Mella & verlassen das Haus nur alle paar Tage um im Supermarkt einzukaufen. Aber auch selbst wenn wir wollten, könnten wir zur Zeit nicht nach Deutschland zurückkehren, da solange der Notstand anhält, keinerlei Flüge nach Europa das Land verlassen & das Rückholprogamm für die Dominikanische Republik bis auf weiteres eingestellt wurde. Einzige Möglichkeit wären momentan Rückflüge über Miami, Panama oder Puerto Rico, die zu Wucherpreisen ab 3000 € auf fluege.de angeboten werden. Außerdem bestände die Gefahr das man bei Zwischenlandung in den USA zurückgeschickt oder in Quarantäne gesteckt wird. Trotz der im Gegensatz zu Deutschland drastischen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auf dem Inselstaat, erhöht sich auch hier täglich die Anzahl der Infizierten im erschreckenden Maße. Das liegt vor allem daran, das sich viele Dominikaner nicht an die betreffenden Regelungen halten. Trotz absoluter Ausgangssperre werden jede Nacht mindestens 1100 Bürger auf der Straße aufgegriffen & in vollkommen überfüllte Gefängnisse gesperrt (in denen dank Überbelegung eine Ansteckung wahrscheinlich ist). Am nächsten Tag werden die Inhaftierten dann gegen Zahlung einer Multa (Bußgeld) wieder freigelassen oder falls sie das verhältnismässig geringe Bußgeld nicht zahlen können, dazu beordert die Strassen zu säubern. Wirksamer wäre hier sicherlich die Maßnahme, die Verhafteten statt ins Gefängnis in eine 14 tägige Zwangsquarantäne zu schicken. Als Auffanglager könnte man hunderte der zur Zeit leerstehenden Hotels & speziell Cabanas (eine Art Stundenhotel mit fensterlosen Räumen & seperaten Eingängen ) nutzen. Außerdem ignorieren viele Bewohner der ärmeren Barrios in Santo Domingo die coronaspezifischen Abstandsregeln - es finden täglich immer noch Strassenmärkte statt & Leute kaufen dort ungeschützt ein. 
Am 17.04. wurde ab morgens früh um 08:00 der Strom in diversen Sektoren der Hauptstadt ab -gestellt. Erst abends gegen 21:30 (zeitgleich zur Fernsehansprache des Präsidenten Danilo Medina) wurde der Strom wieder angestellt. Ein seltsamer Zufall oder Machtdemonstration des dominikanischen Despoten - auch sämtliche Internetverbindungen wurden zu dieser Zeit für ca. eine halbe Stunde gekappt (s.a. die Abstellung der Wasserversorgung am Ostersamstag). In Santo Domingo gehören Stromausfälle zum Alltag - fast jeden Tag ist das Licht weg, manchmal sogar mehrmals am Tag. Allerdings normalerweise nie länger als 1 Stunde. Für diesen Fall haben viele Dominikaner ein kleines, batteriebetriebenes Notaggregat in der Wohnung, um den Stromausfall zu überbrücken. In weiser Voraussicht hatte auch ich kurz nach meiner Ankunft 2 neue Batterien gekauft, weshalb wir auch an besagten Tag TV, Internet & Ventilatoren betreiben konnten. Nur der Kühlschrank & die Air Condition waren davon ausgeschlossen, da sie über eine seperate Starkstromleitung betrieben werden. Zum Glück sind aber dominikanische Kühlschränke für solche Fälle entsprechend isoliert, daß auch bei einem längeren Stromausfall die Kälte noch in Kühl -schrank & Gefrierfach bleibt (im Gegensatz zu deutschen Kühlschränken). Am späten Morgen des besagten Tages fuhren wir mit dem Taxifahrer unseres Vertrauens aufs Land nach Monte Plata, wo ein Onkel meiner Frau wohnte. In 1.Linie wollten wir einfach nur mal raus aus der langweiligen Quarantäne. Als wir durch diverse Dörfer & Kleinstädte fuhren, fiel als erstes auf, daß viele Leute keine Atemschutzmasken trugen & das sich Menschenmengen vor Supermärkten stauten ohne den Mindestabstand einzuhalten. Kurz vor Monte Plata dann eine Kontrollstelle des Militärs - wir wurden angehalten & ausgefragt, unser Taxifahrer mußte seinen Taxischein vorlegen, aber dann durften wir doch weiterfahren.
Die Ausfälle häufen sich: am nächsten Tag (18.04.) wurde wie schon am Ostersamstag das Was - ser für den ganzen Tag abgestellt. Da wir wie die meisten Dominicanos einen Wassertank auf dem Dach mit einem Fassungsvermögen von 150 Gallonen (ca. 570 Liter) haben, bedeutet das für uns nur das wir in der Küche & im Zweitbad kein Wasser haben, trotzdem ist es ärgerlich. .
Am 19.04. fiel dann mehrmals in der Nacht der Strom für maximal 1 Stunde aus, d.h. jedes Mal wenn die Air Condition sich aus- bzw anschaltete, wurden wir wieder wach & mussten den Ersatzventilator anschalten. 
Am 22.04. erfährt meine Frau von ihrem Schwiegersohn das ab Mai Condor wieder Flüge von Santo Domingo nach Frankfurt anbietet. Der Schwiegersohn war viele Jahre Comandante der Flughafenbewachung & hat immer noch gute Kontakte zu der Flughafenchefetage. & wirklich: auf der Condor Webseite werden ab 15. Mai 3 x wöchentlich Flüge nach Frankfurt zu günstigen Preisen angeboten. Zu schön um wahr zu sein? Wird wahrscheinlich davon abhängig gemacht, ob der nationale Notstand am 3. Mai endet oder verlängert wird, auf jeden Fall ein Hoffnungs -schimmer am Horizont. Mein Chef macht mir mittlerweile auch schon Druck betreff Rückkehr & Arbeitsaufnahme, da, wie es aussieht, in Hessen die Schulen ab nächste Woche langsam wieder öffnen. 
Am 27.04. folgt dann die große Ernüchterung: der deutsche Außenminister verlängert die Reise -warnung bis zum 14.Juni & sämtliche Condorflüge im Mai werden storniert (laut Webseite), nur das notorische Reiseportal fluege.de bietet weiterhin unverdrossen auch für die nächsten Tage Flüge mit der Condor an. 

to be continued.....

POLIZEILICHE STRASSENKONTROLLE BETREFF MASKENPFLICHT

PERSONEN, DIE GEGEN DIE NÄCHTLICHE AUSGANGSSPERRE VERSTOSSEN HABEN, WERDEN ZUM STRAFDIENST STRASSENREINIGUNG GEFAHREN

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