Kriminologie ist in Deutschland vor allem Sache der Juristen

Trotz ihres Charakters als fächerübergreifende, empirische Sozialwissenschaft ist die Kriminologie in Deutschland – anders als im englischsprachigen Ausland – vorwiegend Sache der Juristen und nicht der Sozialwissenschaftler. Diese enge Verknüpfung von Kriminologie und Rechtswissenschaft ist durchaus sinnvoll. Denn meist geht es in der Kriminologie um Verhalten, das strafrechtlich verboten ist. Fast alle juristischen Fakultäten in Deutschland haben einen Lehrstuhl für Kriminologie und bieten meist einen kriminalwissenschaftlichen Studienschwerpunkt an. Auch wenn die Kriminologie keine Hilfswissenschaft für Strafrechtler ist: Das Hauptaugenmerk bei der kriminologischen Ausbildung im Jurastudium liegt auf der Verknüpfung der Kriminologie mit strafrechtlichen Inhalten, nicht umgekehrt.

Jedoch ist ein Jurastudium nicht der einzige Weg, um Kriminologie zu studieren. Wer sich vor allem für Kriminologie interessiert und keine juristische Karriere anstrebt, sollte sich daher gut überlegen, ob ein Jurastudium das Richtige ist. Die sogenannte Schwerpunktbereichsprüfung, der universitäre Teil der ersten juristischen Prüfung (früher: erstes juristisches Staatsexamen), macht nur dreißig Prozent der Gesamtnote aus. Im staatlichen Teil, bei der sogenannten Pflichtfachprüfung, müssen die Kandidaten neben dem Strafrecht auch das Zivil- und das öffentliche Recht beherrschen. In reinen Kriminologie-Studiengängen liegt das Augenmerk dagegen auf dem Fach Kriminologie – Bezüge zum Recht gibt es nur aus kriminologischer Perspektive.

Uni Hamburg bietet zwei Masterstudiengänge in Kriminologie an

Neben der kriminologischen Ausbildung im juristischen Studium gibt es auch die Möglichkeit, das Fach Kriminologie nach einem ersten Studienabschluss (zum Beispiel im Fach Rechtswissenschaft, Psychologie oder Sozialpädagogik) im Rahmen eines Master-Studienganges zu studieren. Im deutschsprachigen Raum bieten derzeit vier Universitäten kriminologische Master- und Promotions-Studienprogramme mit unterschiedlicher Studiendauer an.

Das Institut für Kriminologische Sozialforschung (IKS) der Universität Hamburg bietet verschiedene Möglichkeiten, Kriminologe zu studieren. Das IKS bietet als einziges kriminologisches Institut in Deutschland zwei sozialwissenschaftlich ausgerichtete Master-Studiengänge an:

Neuerdings ist auch die Promotion im Fach Kriminologie möglich. Die vier Universitäten Hamburg, Kent und Utrecht sowie die Eötvös-Loránd-Universität Budapest bieten gemeinsam das Programm "Doctorate in Cultural and Global Criminology" an.

LL.M.-Studiengänge in Kriminologie sind stärker juristisch orientiert

An der Ruhr-Universität Bochum können Studenten Kriminologie im Weiterbildenden Masterstudiengang "Kriminologie und Polizeiwissenschaft" studieren (Dauer: vier Semester). Neben der theoretischen kriminologischen Ausbildung werden auch Fragen aus der Berufspraxis behandelt.

Der Weiterbildende Master-Studiengang "Criminology and Criminal Justice" der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald bietet ebenfalls die Möglichkeit, Kriminologie zu studieren. Da der Studiengang mit dem Master of Laws (LL.M.) abschließt, ist er jedoch entsprechend stärker juristisch orientiert. Die Regelstudienzeit beträgt zwei Semester.

Die School of Criminology, International Criminal Law and Psychology of Law (SCIP) der Universität Bern bietet verschiedene Studienprogramme an, im Fach Kriminologie:

  • Master/Diploma of advanced studies in Criminology (LL.M./DAS Crim),
  • Master of advanced studies in Psychology of Law (MAS PsyLaw; nur für Psychologen).

Die Studiengänge der SCIP müssen innerhalb von drei Jahren abgeschlossen werden.

Verwendete Literatur: Neubacher, F. (2011). Kriminologie. Baden-Baden: Nomos, S. 19-24.

Titelbild: geralt / pixabay.com

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