Filmplakat "Der gestiefelte Kater"

Hier, Kitty, Kitty!

Ein geheimnisvoller Fremder betritt den Saloon. Er kommt kaum die Theke hoch und ordert anstatt Whiskey ein Gläschen Milch, das er genussvoll schlabbert. Die Gäste glauben, sie könnten mit ihm Scherze treiben. Doch sie sind an den Falschen geraten, nämlich an den gestiefelten Kater persönlich! Mühelos verschafft er sich mittels seines Degens Respekt und erfährt, wo sich die Zauberbohnen befinden, nach denen er schon so lange sucht. Ausgerechnet in den Händen des gefürchteten Gaunerpärchens Jack und Jill liegen die legendären Hülsenfrüchte, die bei richtiger Pflege in den Himmel wachsen, wo im Schloss des Riesen die goldene Eier legende Gans hausen soll. Auf diese hat es nämlich der vom Gesetz verfolgte Kater abgesehen.

Damit ist er aber nicht alleine. Ein maskierter Unbekannter ist ebenfalls hinter den Zauberbohnen her und vermasselt ihm die erfolgreiche Umverteilung des Gemüses. Zu seiner Überraschung entpuppt sich der Maskierte als attraktive Katzendame Kitty, die noch dazu in den Diensten eines alten Bekannten steht: Humpty Alexander Dumpty! Einst verband den Kater und Dumpty tiefe Freundschaft. Doch ausgerechnet das tollpatschige Ei hatte ihn in den Ruf gebracht, ein ruchloser Verbrecher zu sein und somit zu einer Existenz als Desperado verurteilt. Dumpty fleht den Kater an, ihm eine zweite Chance zu geben. Zögernd willigt er ein, nicht ahnend, worauf er sich eingelassen hat. Denn der Diebstahl der Zauberbohnen soll sich noch als das geringste Problem herausstellen.

Deutscher Trailer "Der gestiefelte Kater" in HD

Kein "Shrek"-Sequel

Erfolgreiches Spin-Off

Als 2004 "Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück" erschien, war es insbesondere ein neu eingeführter Charakter, der die Herzen der Zuschauer eroberte: Der gestiefelte Kater, eine Art Zorro in Katzengestalt. Seine Popularität verhalf ihm nicht nur zu weiteren Einsätzen in den folgenden beiden "Shrek"-Filmen, sondern fand seine Krönung als Spin-Off der Serie rund um den grünen Oger. Lange Jahre mussten seine Fans warten, ehe es Ende 2011 endlich soweit war und der kuschelige Herzensbrecher seinen ersten eigenen Film aufs Fell geschrieben bekam.

Erwartungsgemäß konnte der im Original "Puss in Boots" betitelte computeranimierte Streifen mit den Erfolgen der "Shrek"-Reihe nicht ganz mithalten, spülte aber immerhin rund eine halbe Milliarde Dollar in die Kinokassen, ganz zu schweigen von den immer bedeutender werdenden Merchandising-Einnahmen. Finanziell lohnte sich für DreamWorks dieser Spin-Off also und eine Fortsetzung wird wohl nur eine Frage der Zeit sein. Aber hat sich auch für den Zuschauer das Warten auf "Der gestiefelte Kater" gelohnt?

Grandioses 3D

Technisch gibt es an dem Streifen erwartungsgemäß nichts zu bekritteln: Die Computeranimationen sind vom Feinsten und das hippe 3D lässt die Actionszenen plastisch und weitaus unmittelbarer wirken, als dies bei vielen anderen 3D-Filmen der Fall ist. Kamerafahrten in die Tiefe des Raumes, eine Verfolgungsjagd per Kutsche oder Degenduelle bieten alles auf, wozu moderne Technik imstande ist. Natürlich handelt es sich lediglich um optisch schicke Gimmicks fürs Auge. Aber die technische Brillanz versetzt selbst erwachsene Zuschauer in Erstaunen, vor allem jene, die gleich dem Rezensenten von den völlig unzureichenden 3D-Effekten in "Kampf der Titanen" enttäuscht worden waren.

Eben jene (leise) Enttäuschung stellt sich auf Grund der Geschichte ein. In bester "Shrek"-Manier werden Märchenfiguren in die Story eingebunden, in diesem Fall etwa der in hiesigen Breiten aus "Alice im Wunderland" bekannte Humpty Dumpty oder die goldene Eier legende Gans aus "Hans und die Bohnenranke" (im Original: "Jack and the Beanstalk"). Dabei wird die Vorgeschichte des Katers erzählt, ehe er in "Shrek 2 – Der tollkühne Held kehrt zurück" so frech die Bühne betrat. Das temperamentvolle Fellknäuel, so erfährt man, wuchs in einem Waisenhaus gemeinsam mit Humpty Dumpty auf. Beide waren sie Außenseiter, was den Grundstock ihrer Freundschaft begründete. In diesen Szenen gleitet der Film mehr als einmal in pathetische Wehmütigkeit ab, die einem aus Disney-Animationsfilmen vergangener Jahrzehnte vertraut ist.

 

"Shrek"-Humor fehlt

Auch in weiterer Folge nimmt "Der gestiefelte Kater" abseits der flüssig inszenierten Actionsequenzen kaum Fahrt auf. Gewiss: Wie es dazu kam, dass aus dem allseits beliebten Katerchen ein vom Gesetz Verfolgter wurde, ist kompetent in Szene gesetzt, wendet sich jedoch eindeutig an ein jüngeres Publikum. Die Crux des Filmes liegt somit darin, den aus der "Shrek"-Reihe geliebten bissigen Humor zu Gunsten einer Kindergeschichte vermissen zu lassen. In keiner Sekunde fühlt sich dieser Streifen an, als würde er im gleichen Universum wie "Shrek" spielen. Dies verwundert umso mehr, als Regisseur Chris Miller 2007 "Shrek der Dritte" inszeniert hatte.

Die weitgehende Ernsthaftigkeit des Plots unterstreichen die meisten Charaktere. Der Kater zieht wie erwartet seine charmante One-Cat-Show durch - und steht damit allein auf weiter Flur. Weder Samtpfötchen Kitty, noch der melancholische Humpty Dumpty können ihm das Wasser reichen und erfüllen lediglich ihre - anfangs undurchschaubaren - Rollen. Von den charismatischen Figuren der "Shrek"-Serie, ob Protagonisten wie Esel und Fiona, oder Nebenfiguren wie der Lebkuchenmann oder die drei kleinen Schweinchen, ist "Der gestiefelte Kater" mindestens sieben Meilen entfernt. Lediglich die beiden Gauner Jack und Jill vermögen für Anflüge von Humor sorgen, bekommen aber kaum Gelegenheit, ihre Bösartigkeit auszuspielen.

 

Kindgerechter Animationsfilm

Kurzum: Kinder werden sich zweifellos bestens amüsieren, während Erwachsene sich eine ausgefeiltere Story und vor allem bissigere Gags verzweifelt wünschen dürften. Angesichts der langen Vorlaufzeit stellt sich "Der gestiefelte Kater" als kleine Enttäuschung für "Shrek"-Fans heraus, die das Spin-Off naturgemäß am Originalfilm messen. Diesem Vergleich hält Chris Millers Film nicht ansatzweise stand. Wer für seinen Nachwuchs einen kindgerechten Film sucht, liegt mit diesem Werk aber goldrichtig.

Originaltitel: Puss in Boots

Regie: Chris Miller

Produktionsland und -jahr: USA, 2011

Filmlänge: ca. 90 Minuten

Verleih: Paramount Home Entertainment

Deutscher Kinostart: 8.12.2011

FSK: Keine Alterseinschränkung

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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