1. "Knecht Ruprecht" von Theodor Storm - Oft gehört und doch vergessen

Eines der wohl berühmtesten und besten Weihnachtsgedichte aller Zeiten sind die von Theodor Storm verfassten Verse vom Knecht Ruprecht im Dialog mit dem Christkind. Er hat es 1862 in Heiligenstadt verfasst. Es ist eigentlich ein recht langes Weihnachtsgedicht, aber es werden in der Regel nur Teile davon rezitiert. Wer ehrlich ist, muss zugeben, dass er eigentliche nur den Anfang von "Knecht Ruprecht" so richtig im Gedächtnis hat. Nachfolgend die ersten Zeilen, die auch die bekanntesten sind und so berühmt, dass dieses Weihnachtsgedicht von Theodor Storm zu den 5 besten aller Zeiten zählt.

Von drauß' vom Wald komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
All überall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein sitzen;
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.

Und wie ich so strolcht' durch den finstern Tann,
da rief's mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan.

Alt' und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
und morgen flieg ich hinab zur Erden;
denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;

ich soll nur noch in diese Stadt,
wo's eitel gute Kinder hat."
"Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier:
Denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
essen fromme Kinder gern."

"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten.
Christkindlein sprach: "So ist es recht!
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!"

Von drauß' vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hier drinnen find!
Sind's gute Kind sind's böse Kind?

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2. "Bäume leuchtend" von Johann Wolfgang von Goethe - Der Geheimrat und sein schönstes Weihnachtsgedicht

Wohl kaum ein anderer Dichter ist so bekannt wie Johann Wolfgang von Goethe, dessen Verse sehr gerne als Zitate verwendet werden. So zählt "Bäume leuchtend" zu den schönsten Weihnachtsgedichten, denn es berührt die Seele, weil es die Atmosphäre des Christfestes sehr schön wieder gibt.

Dem Geheimrat ist es grandios gelungen, den Glanz, der von Weihnachten ausgeht, in einen Text zu packen. Das Gedicht entfaltet beim Lesen ein Gefühl der Wärme.Wer da nicht "herrliches Entzücken" verspürt, hat den Inhalt dieser Verse nicht erfasst. Goethes Weihnachtsgedicht zählt unzweifelhaft zu den 5 besten Weihnachtsgedichten aller Zeiten:

 

Bäume leuchtend

Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Überall das Süße spendend.
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend -
Solch ein Fest ist uns bescheret.
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schau'n wir auf und nieder,
Hin und Her und immer wieder.

Aber, Fürst, wenn dir's begegnet
Und ein Abend so dich segnet,
Dass als Lichter, dass als Flammen
Von dir glänzten all zusammen
Alles, was du ausgerichtet,
Alle, die sich dir verpflichtet:
Mit erhöhten Geistesblicken
Fühltest herrliches Entzücken.

3. Wilhelm Buschs Weihnachtsgedicht "Der Stern"
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Der geistige Vater von Max und Moritz und seine schönsten Weihnachtsverse

Bei den Verfassern der 5 besten Weihnachtsgedichten darf als Vertreter der ironischen Lyrik Wilhelm Busch nicht fehlen. Der Maler und Schriftsteller hat seine Gesellschaftskritik so humorig verkleidet, dass es auf den ersten Blick gar nicht auffällt, wie sehr er mit der feinen Nadel der Ironie piekst. Das Weihnachtsgedicht "Der Stern" strotzt nicht gerade vor Humor, aber wer zwischen den Zeilen lesen kann, dem erschließt sich schnell das Ergebnis einer spitzen Feder. Kurz und knackig, aber inhaltsreich ist "Der Stern" von Wilhelm Busch eines der 5 besten Weihnachtsgedichte aller Zeiten.

Hätt' einer auch fast mehr Verstand
als wie die drei Weisen aus Morgenland
und ließe sich dünken, er wäre wohl nie
dem Sternlein nachgereist, wie sie;
dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,
fällt auch auf sein verständig Gesicht,
er mag es merken oder nicht,
ein freundlicher Strahl
des Wundersternes von dazumal.

4. "Einsiedlers Heiliger Abend" von Joachim Ringelnatz

Eine der besten Weihnachtsgedichte von Ringelnatz (Bild: pixabay.com)

Eigentlich ist Joachim Ringelnatz als Verfasser lustiger Verse bekannt. Bei seinem Weihnachtsgedicht vom Einsiedler, der den Heilgabend ziemlich traurig und allein feiert, sucht man vergeblich nach dem Spaßfaktor. Es sind Verse, die berühren und bewusst machen, dass es Menschen gibt, die irgendwo ganz einsam den Weihnachtsabend verbringen. Eben deshalb zählt es zu den 5 besten Weihnachtsgedichten aller Zeiten.

Einsiedlers Heiliger Abend

Ich hab' in den Weihnachtstagen
Ich weiß auch warum -
Mir selbst einen Christbaum geschlagen,
Der ist ganz verkrüppelt und krumm.

Ich bohrte ein Loch in die Diele
Und steckte ihn da hinein
Und stellte rings um ihn viele
Flaschen Burgunderwein.

Und zierte, um Baumschmuck und Lichter
Zu sparen, ihn abends noch spät
Mit Löffeln, Gabeln und Trichter
Und anderem blanken Gerät.

Ich kochte zur heiligen Stunde
Mir Erbsensuppe mit Speck
Und gab meinem fröhlichen Hunde
Gulasch und litt seinen Dreck.

Und sang aus burgundernder Kehle
Das Pfannenflickerlied.
Und pries mit bewundernder Seele
Alles das, was ich mied.

Es glimmte petroleumbetrunken
Später der Lampendocht.
Ich saß in Gedanken versunken.
Da hat's an die Türe gepocht,

Und pochte wieder und wieder.
Es konnte das Christkind sein.
Und klang's nicht wie Weihnachtslieder!
Ich aber rief nicht: "Herein!"

Ich zog mich aus und ging leise
Zu Bett, ohne Angst, ohne Spott,
Und dankte auf krumme Weise
Lallend dem lieben Gott.

5. "Die Weihnachtsgans" von Heinz Erhardt - Ein Schelm unter den Dichtern von Weihnachtslyrik

WeihnachtsgansLuftig leicht kommen die Gedichte von Heinz Erhardt daher, doch wussten seine engsten Freunde und Mitarbeiter zu berichten, dass er sehr hart an sich und seinen Texten gearbeitet hat, um das Beste herauszuholen. Die witzigen Pointen fielen nicht so einfach aus "dem Gehege der Zähne", wie es Heinz Erhardt gleichermaßen treffend und humorig beschrieb.  Es sind Geschichten und Gedichte entstanden, die zur Zwerchfellreizung und im geringsten Ausmaß zu einem Lächeln verleiten.

Foto: wikipedia/Jürgen Howaldt

Den richtigen Bräter zum Brutzeln der Weihnachtsgans
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Die Weihnachtsgans

Tiefgefroren in der Truhe
liegt die Gans aus Dänemark.
Vorläufig lässt man in Ruhe
sie in ihrem weißen Sarg.

Ohne Kopf, Hals und Gekröse
liegt sie neben dem Spinat.
Ob sie wohl ein wenig böse
ist, dass man sie schlachten tat?

Oder ist es nur zu kalt ihr,
man sieht's an der Gänsehaut.
Na, sie wird bestimmt nicht alt hier
morgen wird sie aufgetaut.

Hm, welch Duft zieht aus dem Herde,
durch die ganze Wohnung dann.
Mach, dass gut der Braten werde -
Morgen kommt der Weihnachtsmann

Heute hätte Heinz Erhardt die Tiefkühlgans wohl als polnisches Federvieh deklariert, doch dann wäre er gezwungen gewesen sich bei den ersten vier Zeilen einen anderen Reim auszudenken. Egal, die Gans kommt aus Dänemark - sei's drum! Wenn sie im Bräter brutzelt, ist es sowieso egal, wo früher ihre Heimat war. "Die Weihnachtsgans" von Heinz Erhardt ist eines der 5 besten Weihnachtsgedichte aller Zeiten. Da beißt die Maus kein Faden ab.

Übrigens: Gedichte von Heinz Erhardt dürfen nur privat verwendet werden, sonst droht eine Abmahnung wegen Verletzung des Urheberrechts.

Krimifreundin, am 03.11.2012
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