Platz 10: Commodus aus "Gladiator"

DVD GladiatorSicher: Für seine Darstellung des in Ungnade gefallenen Feldherrn Maximus Decimus Meridius erhielt Russell Crowe völlig zu Recht den "Oscar". Dass seine schauspielerische Leistung entsprechend gewürdigt werden konnte, lag aber vor allem an seinem Widerpart Joaquin Phoenix, der den fiesen Kaiser Commodus verkörperte.

Anders als viele Darsteller in ähnlichen Rollen vor ihm, legte Phoenix seinen "Bösewicht" als Mitleid erregenden Schurken an. Vom Vater ignoriert, von seiner Familie ungeliebt, von den Römern verachtet. Ein hartes Los, das seine Hintertriebenheit zumindest ansatzweise erklärt.

Und mal ehrlich: Wenn Joaquin Phoenix sich über Blutorgien im Kolosseum amüsiert oder auf ein "Missgeschick" seines Zeremonienmeisters nonchalant reagiert, haftet seinem Commodus sogar etwas Sympathisches an. Im Grunde ist er ein unsicheres Kind, das zufälligerweise als Sohn des mächtigsten Herrschers auf Erden geboren wurde. Kann man ihm krumm nehmen, seine Macht für puren Hedonismus zu missbrauchen? Eigentlich will er doch nur spielen... 

Trailer "Gladiator"

Platz 9: Annie Wilkes aus "Misery"

Mistery mit Kathy BatesDie einzige Frau in den Top 10 der besten Bösewichte der Filmgeschichte gibt FeministInnen recht: Frauen sind prinzipiell gut, Männer per se böse, und wenn eine Frau etwas Böses anstellt, sind garantiert die Männer daran schuld! So auch im Fall von "Misery", der vielleicht besten Verfilmung eines Stephen-King-Romans überhaupt. Kathy Bates heimste sogar einen "Oscar" dafür ein, James Caan als Kings Alter Ego mit einem Hammer die Kniescheiben zertrümmern zu dürfen Da lacht das Herz der unterdrückten Frauen: Endlich mal eine Frau die den Männern zeigt, wo der Hammer hängt!

Aber ernsthaft: Annie Wilkes (der Nachname dürfte eine Anspielung auf John Wilkes Booth sein, den Mörder von Abraham Lincoln) ist einer der sympathischsten, zugleich furchteinflößendsten Antagonisten der Filmgeschichte. Niemand außer Annie selbst weiß, wie sie auf ein Worte oder eine Geste reagiert. Mal albert sie wie ein Kind herum und ist bestens gelaunt, nur um kurz darauf wie ein Racheengel am Bett des hilflosen Schriftstellers zu stehen und auf Folter und Mord zu sinnen. 

Wie die Frauen eben so sind...

Trailer "Misery"

Platz 8: Michael Myers aus "Halloween"

Halloween - Meisterwerk von John CarpenterAus einer Zeit als John Carpenter noch Meisterwerke drehte, anstatt Schrott abzuliefern, für den sich sogar Uwe Boll schämen würde. 1978 führte er mit dem seelenlosen Michael Myers den Superstar unter den Killern aus Slasherfilmen kunstvoll ein. Als Sechsjähriger tötete er zu Halloween seine eigene Schwester und wurde in ein Sanatorium (Neudeutsch für: Irrenanstalt) eingeliefert, wo der über ihn wachende Dr. Sam Loomis (Donald Pleasance) dafür Sorge trug, dass er die Anstalt niemals verlassen würde. Dummerweise entkommt Myers jedoch und kehrt an seine einstige Wirkungsstätte zurück, wo er die übermütig Halloween feiernden Teenager von jeglichen Zukunftssorgen erlöst.

Dieser Film ist nicht einfach nur ein Meilenstein des Genres - wiewohl er beileibe nicht der erste Slasherfilm ist, wie fälschlicherweise oft behauptet wird -, sondern ist auch ein Lehrbeispiel dafür, wie man mit relativ einfachen Mitteln für Nervenkitzel und atemlose Spannung sorgen kann. Keine gewaltigen Explosionen, keine aufwändige Tricktechnik, keine sinnlosen "Huhu, guckt mal, ich bin in einem Horrorfilm, wie selbstironisch!"-Cameos diverser Stars. Dafür zwei grandiose Hauptdarsteller in Form des viel zu früh verstorbenen Donald Pleasance als Psychiater am Rande des Wahnsinns und natürlich Scream Queen Jamie Lee Curtis, die bereits in jungen Jahren beweist, dass die Gerüchte, wonach sie in Wahrheit ein Mann sei, Unsinn sind. Andererseits: Jamie Lee hat sich weder für einen Film, noch ein Magazin ausgezogen, wirkt durchaus maskulin und... nein, das sind alles nur dumme Gerüchte!

Inzwischen existieren von den ersten "Halloween"-Teilen Remakes, die schonungslos aufzeigen, weshalb der einstige Zauber kein zweites Mal funktionert. Wie auch in der zweiten "Star Wars"-Trilogie wird absurder Aufwand betrieben, die Hintergrundgeschichte des Killers zu beleuchten. Was hierbei übersehen wird: Gerade darin lag die Faszination von Michael Myers! Allem Anschein nach stammte er aus gutem Hause und wurde liebevoll aufgezogen. Für seine grausamen Taten gab es keine triftigen Gründe, und selbst der ansonsten rationale Psychiater Dr. Loomis attestiert ihm, keine Seele zu haben und vielleicht sogar der "Bogeyman" zu sein.

Erwiderungen auf diese Unterstellungen seitens Michael Myers liegen noch keine vor. Unsere Reporterin ist aus unerfindlichen Gründen noch nicht vom Interview zurückgekehrt...

Platz 7: Aguirre aus "Aguirre, der Zorn Gottes"

Aguirre, der Zorn GottesEs gibt Filme, da passt auf gerade magische Weise alles zusammen: Die Atmosphäre, die Story, die Drehorte, die Musik und natürlich die Schauspieler. Auf Werner Herzogs Meisterwerk "Aguirre, der Zorn Gottes" übertragen: Die Geschichte des spanischen Eroberers Don Lope de Aguirre, der im Amazonas nach dem sagenhaften El Dorado sucht und dabei völlig dem Wahnsinn verfällt, ist grandios gefilmt, wurde von Popol Vuh unwiderstehlich musikalisch untermalt, bietet eine durchgehend fesselnde Story und einen Hauptdarsteller auf dem Zenit seiner Kunst.

Die Rede ist natürlich von Klaus Kinski als Don Lope de Aguirre, wobei die hervorstechende Eigenschaft bereits im Rollennamen enthalten ist: Irre! Mit einer an Besessenheit angrenzenden Intensität entlud sich Kinskis Jähzorn nicht nur in seiner Rolle, sondern auch gegenüber dem Produktionsteam. Zu seinen beängstigenden Wutausbrüchen sei der Dokumentarfilm "Mein liebster Feind" empfohlen (siehe Amazon-Link). Nach Rezeption dieser Doku fällt es dem Betrachter schwer zu entscheiden, wer unberechenbarer wirkt: Klaus Kinski als Aguirre, oder der sadistische Konquistador deroselbst. Fest steht, dass Aguirre auf jede Liste der besten Bösewichte der Filmgeschichte gehört. 

Trailer "Aguirre, der Zorn Gottes"

Platz 6: Max Cady aus "Kap der Angst"

Kap der AngstRemakes sind immer schlechter als das Original? Meistens ja, aber nicht immer. Dies bewies 1991 Martin Scorsese mit seiner Neuverfilmung der Klassikers "Ein Köder für die Bestie" von 1962. Sicher: Die ewig junge Geschichte rund um Rache und Sühne bietet einen ungemein spannenden Plot. Was diesen Streifen aber erst zu einem der gelungensten Remakes überhaupt macht, ist die überragende Performance von Robert de Niro.

 

Dieser übertrifft sich als Ex-Knacki Max Cadi auf seinem Rachefeldzug selbst. An keiner Stelle sympathisiert der Zuschauer mit ihm. Schließlich kennt er kein Erbarmen und opfert völlig Unbeteiligte (und einen Hund! Unverzeichlicher Faupaus in Filmen), um an sein Ziel zu gelangen. Dennoch bringt man ihm zumindest ansatzweise Verständnis entgegen und ertappt sich dabeii, dem formellen Bösewicht die Daumen zu drücken. In Nebenrollen sind übrigens die einstigen Hauptdarsteller des Originals zu sehen: Robert Mitchum und Gregory Peck. Sogar Joe Don Baker, der Schrecken aller Hotdogs, liefert eine überraschend gute Leistung ab. 

Tipp: Unbedingt auch das Original angucken!

Platz 5: Norman Bates aus "Psycho"

PsychoWas lässt sich zum wohl berühmtesten und vielleicht auch besten Psychothriller aller Zeiten noch schreiben, was nicht bereits tausendfach dokumentiert wurde? Eventuell dies: Norman Bates ist der netteste Serienkiller der Filmgeschichte. Anstatt den Killer als grobschlächtig aussehenden Kerl zu präsentieren, dem man die ganze Palette an Untaten zutrauen würde, besetzte Hitchcock die Rolle mit dem damals unbekannten Anthony Perkins. Einen jungen, attraktiven Schauspieler, den man sich eher in einer Romanze vorstellen hätte können. Entsprechend schockierend ist die schlussendliche Enthüllung, wer Jamie Lee Curtis' Mutter unter der Dusche meuchelte. Ausgerechnet dieser zugegebenermaßen etwas schüchterne Junggeselle sollte dahinterstecken?

Falls man "Psycho" wenigstens einen kleinen Makel nachsagen möchte, dann jenen, dass er - wie leider viele ähnliche Filme - dem Publikum nicht zutraut, die Story ohne minutenlange (und langweilige) Erklärung verstehen zu können. Immerhin drei weitere Male durfte Anthony Perkins den liebenswerten Killer mit Mutterkomplexen verkörpern. 1992 starb er an AIDS, noch ehe ein fünfter "Psycho"-Film realisiert werden konnte.

Das sechs Jahre später in Farbe gedrehte Remake konnte erwartungsgemäß weder das Publikum, noch die Kritik überzeugen. Alleine die Entscheidung, die Hauptrolle von Komödienstar Vince Vaughn verkörpern zu lassen zeigte, wie orientierungslos vorgegangen wurde. In einer Hitliste der überflüssigsten Remakes wäre dieser Version ein Spitzenplatz gewiss. Erfreuicher ist der fünfte Platz für Norman Bates im Ranking der besten Bösewichte! Du bist ein ungezogener Junge, Norman! Das gefällt uns.

Trailer "Psycho"

Platz 4: Alex deLarge aus "Uhrwerk Orange"

Uhrwerk OrangeEine weitere Rarität erwartet uns auf Platz 4: Der Glücksfall einer Verfilmung, die mindestens genauso gut wie die literarische Vorlage ist. Andererseits: Wenn der Regisseur Stanley Kubrick lautet, überrascht dies nicht besonders. "Uhrwerk Orange", nach dem gleichnamigen Roman von Anthony Burgess, besticht noch Jahrzehnte später durch die visuelle Wucht und provozierende Szenen wie jene, in der die jugendlichen Gewalttäter, die sich Droogs nennen, im Takt zu  "I'm singin' in the rain" einen Mann halbtot prügeln und seine Frau vergewaltigen.

Der Vorwurf der Gewaltverherrlichung ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Als Bonus für deutsche Tugendwächter trägt ein Darsteller eine Wehrmachtuniform mit Nazi-Emblem. Dass er übel verprügelt wird, dürfte hierbei kein Trost für Berufsempörte gewesen sein. Für Malcolm McDowell, der als 28-jähriger einen Jugendlichen verkörperte, bedeutete die Rolle des Alex deLarge einen Karrierehöhepunkt. Vom Image der "Ultrabrutal"-Ikone konnte er sich nie befreien, wobei die Mitwirkung in zahlreichen grottenschlechten Streifen nicht besonders hilfreich bei diesem Unterfangen war.

Sei es wie es sei: Alex deLarge ist aus der Pop-Kultur nicht mehr wegzudenken. Die Sprache, der bösartige und gleichzeitig kultivierte Habitus und natürlich die seltsame Kleidung machten aus dem fiesen Jugendlichen eine Kultfigur und einen der bemerkenswertesten Bösewichte der Filmgeschichte. Der spätere Darth-Vader-Darsteller David Prowse ist übrigens in einer unbedeutenden Nebenrolle zu erblicken. Was uns - natürlich völlig zufällig! - zu Platz 3 bringt.

Platz 3: Darth Vader aus "Star Wars"

Star Wars BoxKeuch, stöhn, keuch - nein, es handelt sich bei gegenständlicher Person um keinen Darsteller aus einem Schmuddelfilm, sondern um den intriganten Darth Vader aus den "Star Wars"-Filmen. Präziser: Aus den ersten drei Filmen, die George Lucas mittlerweile als die Teile 4 bis 6 betrachtet. Nun gut: Fügen wir uns den Wünschen jenes Mannes, der seine eigenen Meisterwerke mit aller Gewalt in unpassende digitale Förmchen quetscht und vom einstigen Rebellen gegen das verknöcherte Hollywood-System zum Inbegriff aalglatten Mainstreams avancierte.

 

Drei Filme lang präsentierte sich ein gewisser Darth Vader (verkörpert von David Prowse, der allerdings synchronisiert wurde) als fiesester Schurke des bekannten Universums. Alleine die schwarze Uniform flößte Respekt ein und signalisierte: Dieser Mann gehört nicht zum örtlichen Ponyhof! Kraft seiner Gedanken tötete er unfähige Mitarbeiter - eine überaus praktische Fähigkeit, die so mancher Unternehmer gerne beherrschen würde. Simple Wutausbrüche oder Metzeleien waren ihm fremd. Darth Vader wusste, wie man stilvoll und elegant Probleme aus der Welt schafft. Zugegeben: Bei Luke Skywalker und dessen Freunden gelang es ihm nicht ganz. Für diese Inkonsequenz entschädigte einer der besten Plottwists der Filmgeschichte.

Freilich: Übertroffen wurde seine Bösartigkeit nur durch jene von George Lucas, der in den 1990er-Jahren beschloss, sein filmisches Denkmal mit der Abrissbirne zu verschönern. Wollen wir über diesen cineastischen Auswurf hinwegsehen und Darth Vader aufs Podest bitten.

Trailer "Star Wars"

Platz 2: Hannibal Lecter aus "Das Schweigen der Lämmer"

Das Schweigen der LämmerDie Beklopptesten, das wussten bereits unsere Großeltern, sind immer noch die Psychiater selbst. Auf eindrucksvolle Weise belegte dies der Psychothriller "Das Schweigen der Lämmer", dem mehrere Fortsetzungen sowohl in Film- als auch Buchform folgten. Dabei hatte der ebenso geniale, wie grausame Dr. Hannibal Lecter bereits Jahre zuvor seinen ersten Auftritt hingelegt. Leider noch kaum beachtet im unterschätzten Thriller "Roter Drache" (auch: "Blutmond").

Damals verkörperte aber auch nicht Anthony Hopkins den Arzt, dem die Frauen misstrauen. Erst seine Performance gab dem "Schweigen der Lämmer" die richtige Würze. Verführerisch und doch unnahbar, ironisch und doch von tödlicher Verschlagenheit. Kaum ein Bösewicht erfreute sich nach dem Filmstart größerer Popularität, weshalb Bestsellerautor Thomas Harris mehrere Fortsetzungen folgen ließ und Hollywood den einst gefloppten "Roter Drache" neu verfilmte.

Bei diesem Doktor sollte man jedenfalls keine Therapie verbuchen, selbst wenn die Krankenkasse die Kosten übernähme.

Platz 1: Der T-1000 aus "Terminator 2 – Tag der Abrechnung"

Replika des T-1000 aus TerminatorZugegeben: Eigentlich geht der T-1000 in James Camerons Actionmeisterwerk  "Terminator 2 – Tag der Abrechnung" nicht als echter Mensch durch. Schließlich handelt es sich um einen nanotechnologischen Roboter aus flüssigem Metall, der lediglich Befehle ausführt und keine Verdorbenheit in sich trägt, wie die zuvor angeführten Schurken. Dennoch kommt man nicht umhin, seiner buchstäblichen Wandlungsfähigkeit Anerkennung zu zollen. Und die von Robert Patrick abgelieferten One-Liner sind einfach besser als die des ebenso wortkargen T-800 aus "Terminator": Nie war Heavy Metal witziger, ironischer und vor allem furchteinflößendster.

Denn der T-1000 kann Menschen imitieren, fließt wie Pudding durch Gitterstäbe oder verflüssigt sich zu Bodenbelag, und ist schlichtweg unaufhaltsam. Einen solchen Gegner, der sich einfach wieder zusammensetzt, nachdem man ihn in tausend Stücke gesprengt hat (ungefähr so dürften sich islamistische Selbstmordattentäter das Paradies vorstellen), kann man nicht besiegen! Man kann ihn aufhalten oder kurzfristig stoppen, ja. Doch egal, wie viel Blei er schlucken muss oder wie oft er von Fahrzeugen überrollt wird: Diese Maschine ist, anders als Schwarzeneggers T-800, unbesiegbar.

Dafür gebührt nicht nur Respekt, sondern auch der erste Platz auf der Liste der besten Bösewichte der Filmgeschichte. Wiewohl sich zumindest Männer wohl lieber von Kristanna Loken als Terminatrix in "Terminator 3 – Rebellion der Maschinen" für immer flachlegen lassen würde...

Trailer "Terminator 2 - Tag der Abrechnung"
Ihr liebster Bösewicht heißt ...
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