Die Entstehung des amerikanischen Rechtssystems (Bild: OpenRoadPR / Pixabay)

Vigilanten führten Prozesse und fällten Urteile

Als die Besiedlung des Wilden Westens begann, herrschten raue Sitten. Und genauso rau war natürlich auch die Justiz. Es fehlte an staatlicher Autorität, Recht, Gesetz, legaler Vergeltung und Wiedergutmachung. Aus einem Gefühl der Selbsterhaltung heraus nahmen die Menschen der Wildnis die Bestrafung in die eigenen Hände. Eine andere Möglichkeit, Leben und Eigentum zu schützen, gab es nicht. In vielen Orten wurden Vigilanten-Komitees gegründet.

Sie bestimmten Geschworene, führten Prozesse und fällten Urteile. Kleinere kriminelle Vergehen wurden mit öffentlicher Auspeitschung, in schweren Fällen auch mit Ausweisung bestraft. Mörder und Räuber landeten meist am Galgen. Jedoch nur, wenn die Schuld der Angeklagten einwandfrei bewiesen werden konnte. Weil es keine Gefängnisse gab, wurden diese Urteile meistens innerhalb einer Stunde nach ihrer Verkündung vollstreckt.

Jede Festnahme beginnt mit dem Verlesen der Rechte

Mit der Einkehr zivilisierter Sitten wuchsen auch die Rechte des Angeklagten. Eine ganz besonders große Bedeutung kam dabei der Rolle des Strafverteidigers zu. Auch das Geschworenen-System wurde aus England übernommen. Laut Verfassung soll dem Angeklagten damit garantiert werden, dass keine kalten Berufsjuristen über ihn richten, sondern "Leute gleichen Ranges". Die Geschworenen werden aus der Bevölkerung ausgewählt. Jeder Bürger kann dazu herangezogen werden. Natürlich gibt es auch etliche Menschen, die sich vor diesem Dienst drücken wollen. Denn wer will es sich schon leisten, wochenlang im Gerichtssaal herumzusitzen - und das noch so gut wie umsonst?

Seit 1963 beginnt in den USA jede Festnahme mit dem Verlesen der Rechte. Den Anstoss dafür gab der Fall des Ernesto Arturo Miranda. Sein LKW wurde mit einem Raub, einer Vergewaltigung und einer Entführung in Verbindung gebracht. Die Polizei nahm ihn fest. Miranda gestand auch sofort und wurde im Gerichtsgebäude in Phoenix, Arizona, zu dreißig Jahren Haft verurteilt. Sein Anwalt legte Berufung beim Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten ein. Er war der Ansicht, man hätte Miranda vor dem Verhör über seine Rechte informieren müssen. Drei Jahre später wurde das Urteil aufgehoben und das Verfahren gegen Ernesto Miranda erneut verhandelt. Seitdem werden Verdächtige vor der polizeilichen Vernehmung darauf hingewiesen, dass sie einen Anwalt hinzuziehen und die Aussage verweigern können. "Miranda-Warnung" wird diese Prozedur genannt. Allerdings schützte das Gesetz den Räuber nicht vor einer erneuten Verurteilung. Aufgrund seiner Gewalttaten verbrachte Ernesto Miranda elf Jahre im Gefängnis.

BerndT, am 26.04.2016
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Bildquelle:
Brigitte Werner (Banditen im Wilden Westen)
jimmywayne / Flickr (Tom Horn - Cowboy und Kopfgeldjäger im Wilden Westen)
Woody Hibbard (Richter Roy Bean - Das Gesetz westlich vom Pecos)
U. S. Army Corps of Engineers (Jesse James - Der berüchtigste Bandenführer des Westens)

Autor seit 5 Jahren
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