Jesse James (Bild: U. S. Army Corps of Engineers)

Der Überfall auf die Bank von Liberty

Man brauchte eine große Bande, die zunächst einmal die Stadt in Aufruhr versetzte, indem sie durch die Straßen galoppierte und auf alles schoss, was sich bewegte. Sobald die bedrohten Bürger in ihre Häuser flüchteten, erledigten einige Banditen den Überfall. Wichtig war, dass die Leute genügend Angst hatten und keinen Widerstand leisteten. Das konnte nur erreicht werden, indem man einige Tote hinterließ. Jesse James wurde 1847 als Sohn eines Pfarrers geboren. Während des Sezessionskrieges schloss er sich den Guerilleros des berüchtigsten Südstaaten-"Colonels" Charles Quantrill an. Nach dem Krieg, als knapp 18-jähriger, begann er seine Karriere als Chef einer Bande, zu der auch sein Bruder Frank und seine zwei Vettern, die Brüder Cole und Jim Younger, gehörten.

Es kostete ihn wenig Mühe, seine Freunde aus Kriegstagen davon zu überzeugen, dass es kein Leben für einen Mann war, hinter einem Pflug herzulaufen oder Mais aufzuladen. Die übliche Erklärung dieser Banditen, dass sie durch Misshandlungen von Nordstaatlern dazu getrieben worden wären, sich zu rächen, wird von der Realität mühelos entkräftet. Sämtliche Banken, die sie beraubten, gehörten Südstaatlern, und alle Männer, die sie ermordeten, waren ebenfalls Südstaatler.

Am Morgen des 14. Februar 1866 jagte Jesse James mit zehn wild um sich schießenden Männern in die Kleinstadt Liberty. Während acht Männer auf Bürger, in Häuser und Geschäfte schossen, stürmten Frank und Jesse James in die Clay County Saving & Loan Bank, sperrten den Kassierer und seinen Sohn in einen Vorratsschrank, beraubten den Safe um 70.000 Dollar und schwangen sich wieder auf die Pferde. Als die Bande die Stadt verließ, war nur der 19-jährige Student George Wymore auf der Straße zu sehen. Jesse hielt sein Pferd an, hob den Revolver und gab vier Schüsse ab. Alle vier Kugeln trafen den Studenten tödlich.

Das Ende der James-Younger-Bande

Keiner der Banditen war maskiert. Der Überfall fand nur wenige Minuten vom Haus der James entfernt statt. Alle Banditen waren schon oft in Liberty gewesen, aber niemand gab ihre Namen preis. Die einen, weil sie die James-Bande bewunderten, die anderen, weil sie befürchteten, erschossen zu werden. Diesem ersten Überfall folgten noch viele weitere. Zwischendurch raubte die Bande auch immer wieder Züge aus. Am 16. März 1874 gelang es den Pinkerton-Detektiven Louis J. Lull, James Wright und E. P. Daniels, die Brüder John und Jim Younger zu stellen. John Younger wurde erschossen, ebenso die Detektive Lull und Daniels. Am gleichen Tag nahm Jesse James den Pinkerton-Mann J. W. Wicher gefangen und fesselte ihn. Anschließend wurde der Wehrlose von der Bande erschossen.

Der Überfall auf die First National Bank in Northfield (Minnesota) am 7. September 1876 beendete die Laufbahn von Jesse James. Den Bürgern der Stadt gelang es, die Banditen zu verjagen. Sie verfolgten sie in die Berge, töteten einige Mitglieder der Bande und nahmen mehrere gefangen. Jesse James konnte mit knapper Not entkommen. Die Younger-Brüder erhielten je 25 Jahre Gefängnis. Bob starb am 16. September 1889 im Gefängnis an Tuberkulose. Jim beginn nach seiner Entlassung 1901 Selbstmord und Cole starb am 21. März 1916 eines natürlichen Todes.

Jesse James wurde am 3. April 1882 hinterrücks von einem Mitglied seiner Bande in St. Josephs erschossen. Bob Ford wollte die Belohnung in Höhe von 10.000 Dollar kassieren, die auf den Räuber ausgesetzt war. Darüber hinaus besaß er auch noch einen persönlichen Grund für die Tat. Jesse James hatte Stunden zuvor Bobs Bruder Charlie fast erwürgt. Auf Jesse James' Grabstein war zu lesen: "Ermordet von einem Feigling, dessen Name nicht wert ist, hier genannt zu werden".

BerndT, am 29.10.2013
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Bildquelle:
Paul Lowry (Der Gesetzlose Billy The Kid)
Stephen Romero (Die Raubzüge der Dalton-Bande im Wilden Westen)
Deanna Klahey (Kopfgeldjäger im Wilden Westen)
KFM (Selbstjustiz im Wilden Westen)

Autor seit 5 Jahren
261 Seiten
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