Die Konstituelle Monarchie: Niedergang einer Königsfamilie

Als die Französische Revolution im Frühsommer 1789 ihren Anfang nimmt, hat vermutlich niemand eine europaweite Veränderung der bestehenden Gesellschaftsordnungen im Sinn. Die Ursachen sind viel bodenständiger: Eine Finanz- und Wirtschaftskrise, der machtpolitische Abstieg Frankreichs sowie die Standesdünkel von Adel und Klerus sorgen für Unmut im Volk. Das Bürgertum als sogenannter Dritter Stand fordert erfolglos mehr Einflussnahme. 600 Vertreter des Bürgertums erklären sich daraufhin am 20. Juni 1789 zur Verfassungsgebenden Versammlung (Constiuante).

Das einfache Volk von Paris geht jedoch noch einen Schritt weiter und erstürmt am 14. Juli die Bastille. Der Festungsbau ist zu dieser Zeit ein Symbol selbstherrlicher Machtausübung, denn er beherbergt politische Gefangene, die man ohne Gerichtsverfahren eingekerkert hat. In der Folge endet das absolutistische Königtum. Ludwig XVI. wird faktisch entmachtet und hat von nun an nur noch sehr eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten. Die neugegründete Nationalversammlung bestimmt stattdessen den politischen Kurs: Klöster und Orden werden aufgelöst, Kirchengüter konfisziert sowie Schulen verstaatlicht. Als Zeichen der neuen Menschen- und Bürgerrechte wird unter anderem die Zivilehe eingeführt.

Die konstituelle Monarchie kann sich in Frankreich allerdings nicht etablieren. Immer wieder gibt es landesweit Versuche, die absolutistische Königsherrschaft wieder herzustellen. In Toulon erhält dabei ein junger Hauptmann namens Napoleon Bonaparte eher zufällig den Befehl, einen royalistischen Aufstand niederzuschlagen und meistert die Aufgabe mit Bravour.

Als auch noch fremde Mächte aktiv werden, ist das Schicksal der Königsfamilie besiegelt. 1791 scheitert ihre Flucht zu den ausländischen Verbündeten. Zudem decken einige Briefe die Konspiration mit dem Kriegsgegner auf. 1792 wird der König endgültig abgesetzt und verhaftet. Die französische Monarchie ist tot. Doch noch leben seine Repräsentanten.

Blutige Schreckensherrschaft: Der Republikanische Konvent

An die Stelle der Konstituellen Monarchie tritt nun am 22. September 1792 eine rein parlamentarische Regierung, der Republikanische Konvent. Seine einflussreichste und zugleich unheilvollste Fraktion sind die Jakobiner, eine radikale Gruppierung mit linksnationalem Gedankengut. Sie propagieren unter anderem die Abschaffung des Christentums, errichten jedoch zugleich einen neuen Religionskult, die Vernunft-Ideologie. Eine Herrschaft der Tugend wird angestrebt. Der Mensch selbst, "höchstes Wesen" genannt, dient dabei als Gottheit. Ganz praktisch schlägt sich dies in einer ruinösen Festsetzung der Preise und Löhne sowie in einer radikalen Kalenderreform nieder: Alte Monatsbezeichnungen werden abgeschafft, weil sie auf den Namen römischer Gottheiten basieren. Die Zeiteinteilung fußt zudem von nun an strikt auf dem Dezimalsystem. Zehn Stunden pro Tag, zehn Tage pro Woche...

Wer auch nur in Verdacht gerät, ein Gegner dieser abenteuerliche Politik zu sein, stirbt unter der Guillotine. Zuerst trifft es den obersten Vertreter der alten Ordnung. Der Bürger Louis Capet, ehemals König Ludwig XVI., wird abgeurteilt und am 21. Januar 1793 als Volksfeind hingerichtet. Auf diesem Weg folgen ihm später auch seine Frau sowie weitere Familienmitglieder nach. Bald gibt es kein Halten mehr. Zu Tausenden werden angebliche Volksfeinde ermordet. "La Terreur", den Terror, nennt man diese Politik stolz und furchtsam zugleich. Am Ende frisst "La Terreur" sogar seine eigenen Urheber. Die Radikalisten bringen sich gegenseitig um. 1794 stirbt der grausame Jakobinerführer Robespierre schließlich selbst unter der Guillotine, hingerichtet von ehemaligen Anhängern. Gemäßigte Politiker bestimmen fortan den Republikanischen Konvent.

Die dritte Epoche der Revolution: Das Direktorium

Im Mai 1795 versuchen die radikalen Jakobiner noch einmal, die Macht an sich zu reißen. Der Republikanische Konvent kann dies zwar verhindern, nicht jedoch den eigenen Niedergang. Im September des gleichen Jahres kommt es zur Verabschiedung der Direktorialverfassung. Einen Monat später löst sich der Konvent auf. Es folgt eine großbürgerliche Klassenherrschaft, das sogenannte Direktorium. Dessen vierjährige Existenz wird vor allem durch politische Umsturzversuche royalistischer und frühkommunistischer Gruppierungen geprägt. Erneut ist es der mittlerweile zum General aufgestiegene Napoleon Bonaparte, der mit militärischer Gewalt die Ordnung wieder herstellt. Doch schließlich wird dieser scheinbare Garant staatlicher Stabilität selbst zum innenpolitischen Sicherheitsrisiko.

Die Konsularverfassung: Napoleons Aufstieg

Das auf dem vermögensabhängigen Zensuswahlrecht basierende Direktorium kann außenpolitisch zunächst große Erfolge verbuchen, erleidet dann jedoch aufgrund militärischer und diplomatischer Niederlagen einen drastischen Prestigeverlust. Das taktische Genie Napoleon nutzt dies am 9. November 1799 kurzerhand für einen Staatsstreich und erzwingt eine Konsularverfassung. Gemeinsam mit zwei weiteren Konsuln steht Napoleon nun einem Staatsrat vor, welcher am 25. Dezember vereidigt wird. Im engeren Sinne endet damit die Französische Revolution.

Das Kaiserreich: Monarchie und Diktatur kehren zurück

Der ehrgeizige Napoleon will aber noch mehr. 1802 lässt er sich per Volksabstimmung zum Konsul auf Lebenszeit wählen. Damit ist der erste Schritt zurück zur Monarchie getan. Durch die Einführung des Code Civil, bis heute Grundlage moderner Rechtsordnungen, strebt Napoleon die ursprünglichen Revolutionsziele "Freiheit" und "Gleichheit" an. Doch daraus erwächst paradoxerweise keine bürgerliche Demokratie. Im Gegenteil: Eine Militärdiktatur entsteht. Dank seiner großen Popularität wird Napoleon durch Volksabstimmung und Senatsbeschluss 1804 sogar das erbliche Kaisertum zugesprochen.

Ironie der Geschichte: 1789 endete durch den Revolutionsausbruch die absolutistische Monarchie. Am Schluss vieler politischer Experimente jedoch war in dieser Hinsicht nach 15 Jahren beinahe wieder der Ausgangszustand erreicht. Erneut hatten die Franzosen einen selbstherrlichen Diktator. Dieser beherrschte (im Gegensatz zum Absolutismus) nun allerdings ein Volk mit bürgerlichen Rechten. Napoleon ging somit gleichzeitig als Vollender und Bezwinger der Revolution in die Geschichte ein.

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