Austragungsmodus und Qualifikation

Der Austragungsmodus

Auch bei dieser WM wurde ein Turnier ohne K-o.-Spiel ausgetragen um das frühe Scheitern der vermeintlich stärksten Mannschaften zu verhindern.

Der Modus der Austragung der WM 1974 kam unverändert zur Anwendung: 16 Mannschaften ermittelten in vier Vorrundengruppen die Teilnehmer der Zwischenrunde, die in zwei Gruppen ausgespielt wurde. Die Gruppensieger dieser Zwischenrunde kamen ins Finale, die Zweitplatzierten spielten um Platz drei.

Bei diesem Turnier zeigte sich, dass dieser Modus Manipulationen des Turnierverlaufs vereinfachte.

 

Qualifikation

In der Europa-Qualifikation schied England in seiner Gruppe gegen Italien aus. Als bester Gruppenzweiter aller europäischen Gruppen musste Ungarn gegen Bolivien noch zwei K.o.-Spiel austragen, um sich zu qualifizieren. Sie gewannen die Spiele mit 6:0 und 3:2

Die Gruppenspiele

Italien gewann die Gruppe 1 verlustpunktfrei vor Argentinien. Im Spiel zwischen Argentinien und Ungarn wurden in den Schlussminuten zwei Spieler der Magyaren vom Platz gestellt. Letztlich beendeten die Ungarn die Gruppe ohne Punktgewinn als Letzter hinter Frankreich.

In der Gruppe 2 konnte Deutschland nur den zweiten Platz belegen, da sie nur eines von drei Spielen gewann. Die Überraschungsmannschaft war Tunesien, das Deutschland ein 0:0 abtrotzte und die Gruppe vor den punktlosen Mexikanern als Dritte beendeten. Polen gewann die Grupp nach Siegen über Tunesien und Mexiko.

De größte Überraschung war sicher das Endergebnis der Gruppe 3: Österreich gewann die Gruppe vor den ungeschlagenen Brasilianern. Spanien und Schweden als Gruppenletzter schieden aus.

In der Gruppe 4 lag eine ähnliche Überraschung in der Luft, nachdem Vizeweltmeister Niederlande gegen Schottland mit 3:2 verloren hatte. Allerdings hätte Schottland höher gewinnen müssen, um die punktgleichen Niederländer auf Platz 3 zu verdrängen. Gruppensieger wurde Peru, während der Irak ausschied.

Die Zwischenrunde

In der Gruppe A traf Deutschland auf die Niederlande, Italien und Österreich. Nachdem Deutschland gegen die Niederlande und gegen Italien jeweils Unentschieden gespielt hatte, musste Deutschland gegen Österreich ein Unentschieden erreichen, um Gruppenzweiter zu werden, unter Umständen wäre sogar der Gruppensieg noch möglich gewesen. Aber bei der "Schmach von Cordoba" verlor Deutschland gegen Österreich nach einer 1:0 - Führung noch mit 2.3 und war damit als Gruppendritter ausgeschieden.

Im direkten Vergleich zwischen den Niederlanden und Italien musste sich der Gruppensieg und damit die Qualifikation für das Endspiel entscheiden. Die Niederlande gewannen das Spiel nach 0:1 - Rückstand mit 2:1.

In der Gruppe B erreichte Argentinien durch die bessere Tordifferenz den Gruppensieg vor Brasilien. Argentinien musste dabei in seinem letzten Spiel vier Tore aufholen, um aufgrund der besseren Tordifferenz Gruppensieger zu werden. Die Argentinier gewannen gegen Peru mit 6:0.

Manipulationsvorwürfe

In der Zwischenrundengruppe B ergab sich vor dem letzten Spiel folgende Konstellation: Brasilien hatte sein Spiel gegen Polen mit 2:1 gewonnen; damit waren Peru und Polen schon definitiv ausgeschieden.

Das Spiel zwischen Brasilien und Polen hatte aber bereits stattgefunden, bevor Argentinien gegen Peru antreten musste. Es stand also schon vor Anpfiff fest, dass Argentinien mit mindestens vier Toren Unterschied gegen Peru gewinnen musste, um noch Gruppenerster zu werden. Das Spiel endete 6:0 für Argentinien. Bis heute hält sich der Verdacht, dass das Spiel u.a. mit Getreidelieferungen an Peru von der argentinischen Regierung "gekauft" worden ist.

Die "Schmach von Cordoba"

In der Gruppe A entschied sich erst in den letzten beiden Spielen, welche drei Mannschaften die Plätze 1 bis 3 belegen würden. Lediglich Österreich war bereits ausgeschieden.

Hätte Deutschland sein Spiel gewonnen, wäre es in jedem Fall unter die letzten vier des Turniers gekommen und hätte eventuell sogar noch Gruppenerster werden können. Dies wiederum wäre vom Ergebnis des Spiels zwischen Italien und den Niederlanden abhängig gewesen, das erst nach dem Spiel Deutschland - Österreich begann.

Zur Pause hatte Deutschland mit 1:0 geführt, bevor Österreich in der 59. Minute durch ein Eigentor zum Ausgleich kam und danach seinerseits nach 66 Minuten in Führung ging. Nach dem Ausgleich erzielte Hans Krankl drei Minuten vor dem Abpfiff das 3:2 - Siegtor für Österreich und warf damit die Deutschen aus dem Turnier.

Der Kommentar "I wird' narrisch!" des österreichischen Kommentators Edi Finger ist nicht nur in Österreich Legende.

Die Endspiele

Spiel um Platz drei

Die beiden Zweitplatzierten der Gruppen der Zwischenrunde bestritten das Spiel um Platz drei. Dabei kam es zur Wiederauflage des Finales bei der WM 1970, das Brasilien mit 4:1 gewonnen hatte. Auch dieses Mal behielten die Südamerikaner die Oberhand und gewannen trotz zwischenzeitlichem 0:1-Rückstand mit 2:1.

Das Finale

Gastgeber Niederlande und Argentinien standen sich im Finale gegenüber. Es war bis 2010 das letzte Finale, in dem kein ehemaliger Weltmeister vertreten war.

Vor dem Spiel gab es mehrere Zwischenfälle: Zunächst kam der niederländische Mannschaftsbus wegen verschiedener Menschenaufläufe zu spät am Stadion an, dann monierten die Argentinier, dass Tragen einer Handmanschette eines Niederländers. Dieser hatte die Manschette während des gesamten Turniers getragen, nachdem er sich im ersten Spiel die Hand gebrochen hatte. Nachdem der Schiedsrichter den Spieler in die Kabine schickte, verließ die niederländische Mannschaft geschlossen das Feld. erst nachdem die Manschette mit einem neuen Verband versehen worden war, durfte der Niederländer wieder auflaufen und die Mannschaft kam wieder auf den Platz zurück. Die Argentinier warfen den Niederländern Spielverzögerung vor.

Es entwickelte sich ein hitziges Spiel, in dem die Argentinier zur Halbzeit mit 1:0 führten, nach dem Ausgleich der Niederländer aber in die Verlängerung gehen mussten. Dort setzte sich der Gastgeber durch und gewann schließlich mit 3:2.

Große Diskussionen um das Auftreten der deutschen Delegation

Während des Turniers besuchte der frühere Luftwaffenoffizier Rudel das Mannschaftsquartier. Da dieser früher durch Unterstützung für verschiedene rechtsradikale Vereinigungen aufgefallen war und nach dem zweiten Weltkrieg verschiedenen Nationalsozialisten zur Flucht nach Südamerika verholfen hatte, stieß dieser Besuch weitestgehend auf Unverständnis und löste vielfach große Empörung aus.

Dabei gossen sowohl Spieler und Funktionäre im Mannschaftsquartier mit verschiedenen Äußerungen zusätzlich Öl ins Feuer. Äußerungen wie "ich habe hier keine politischen Gefangenen gesehen", "Ich bin zum Fußballspielen hier und sonst gar nichts" heizten die Stimmung in Deutschland weiter auf.

Kettenhund, vor 17 Tagen
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Bildquelle:
Bild: freestockgallery.de (Wendepunkte der Geschichte – was wäre gewesen, wenn?)

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