Die Haselmaus macht uns etwas vor ...

… denn sie ist gar keine Maus, sondern gehört wie Siebenschläfer, Gartenschläfer und Baumschläfer zu den Bilchen. Verräterisches Erkennungszeichen, weil so gar nicht maustypisch: Der lange buschige Schwanz. Der sorgt dafür, dass die Haselmaus beim Klettern in Bäumen und Sträuchern besonders mühelos balancieren kann.

Im Englischen nennt man sie dormouse – und nein, bitte genau hingucken, denn mit einer Tür (door) hat das nichts zu tun.

Das "dor" leitet sich vom lateinischen dormeus ab, steckt auch im Französischen dormir: "schlafen". Die Haselmaus ist also die Schlafmaus.

Auch wenn sie verwandt sind: So richtig gute Freunde sind Siebenschläfer und Haselmaus nicht. Immer wieder gibt es Konkurrenz um bevorzugte Wohnplätze wie Baumhöhlen oder Nistkästen. Der Siebenschläfer – deutlich größer und schwerer als die Haselmaus - hat es meist leicht, sich als Reviergewinner zu behaupten.

Heißt die Haselmaus vielleicht so, weil sie nur so groß ist wie eine Haselnuss?

Nicht ganz: Eine Haselmaus ist zwar größer als eine Haselnuss, aber dennoch winzig.

Mit ihren 7 bis 8 Zentimetern (ohne Schwanz) ist sie kaum länger als ein Daumen und wiegt nicht mehr als 15 bis 35 Gramm.

Oh, ist die süß!

Als das wohl "niedlichste Kuscheltier in freier Wildbahn" hat man die Haselmaus bezeichnet: Beinahe golden glänzendes Fell, große dunkle Augen und kleine runde Ohren – so sieht eine ausgewachsene Haselmaus aus. Die Jungtiere sind noch etwas grauer.

Kein Wunder, dass die Haselmaus schon vor Jahrhunderten vor allem in England als Haustier ausgesprochen beliebt war.

Damals gab es in England und überhaupt in ganz Europa allerdings noch weitaus mehr Haselmäuse als heute. Inzwischen sind sie kleinen Nager streng geschützt, dürfen weder gestört noch gefangen oder gar getötet werden. Wer es trotzdem wagt, riskiert sogar hohe Geldstrafen oder gar eine Gefängnisstrafe von bis zu sechs Monaten.

Mag die Haselmaus Haselnüsse wirklich so gern?

Ja, das tut sie: Die fettreiche Haselnuss ist eine der wichtigsten Nahrungsquellen für die Haselmaus. Gerade im Herbst, wenn der kleine Nager sich seine dringend benötigten Fettreserven für den Winterschlaf anfressen muss, leistet ihm die Haselnuss gute Dienste.

Auch hinter dem lateinischen Namen der Haselmaus – Muscardinus avellanarius – verbirgt sich die Hasel (avellanarius).

Eine Haselmaus braucht ungefähr 20 Minuten, um eine Haselnuss zu öffnen.

Deutschland geht der Haselmaus zuliebe auf große Nussjagd!

Nein, es geht nicht darum, Haselnüsse für die Haselmaus zu sammeln oder gar der Haselmaus die Nüsse abzujagen.

Bei der Nussjagd werden Haselnüsse mit verräterischen Fraßspuren gesucht. Denn nur so kann man ganz sicher herausfinden, wo die sehr scheue und heimliche Haselmaus überhaupt lebt.

Denn selbst die Haselmaus sehr bemüht ist, sich bedeckt zu halten: Ihre Fraßspuren an Nüssen sind verräterisch! Nur Haselmäuse nagen ein kreisrundes Loch mit glattem inneren Rand und ganz charakteristischen Zahnspuren.

Wer sich gerne an der Nussjagd beteiligen will und lernen möchte, wie man eine Haselmaus-Haselnuss identifiziert, der findet hier weitere Informationen:

Große Nussjagd

Mit Haselnüssen alleine ist es aber (längst!) nicht getan …

… denn die Haselmaus braucht ein reichhaltiges Nahrungsangebot!

Eine große Pflanzenvielfalt ist besonders wichtig, denn je nach Jahreszeit ernährt sich die Haselmaus von Insekten, Früchten, Nektar und Pollen, Samen und Kernen, Blättern, Trieben, Knospen oder Vogeleiern.

Weil Haselmäuse wie andere Bilche keinen verlängerten Blinddarm haben, können sie Zellulose nur schwer verdauen und leicht erreichbare Nahrungsquellen wie Blätter oder Wurzeln nur in geringen Mengen nutzen.

Meist gehen Haselmäuse nicht weiter als in einem Umkreis von etwa 70 Metern rund um ihr Nest auf Nahrungssuche, entsprechende Nahrungsquellen müssen also in nächster Nähe zu finden sein.

Wo kann man sie entdecken, die Haselmaus?

Wer eine Haselmaus in freier Wildbahn beobachten möchte, der muss großes Glück haben! Denn die kleinen Bilche sind nachtaktiv, leben sehr heimlich und versteckt und sind deshalb nur ganz selten zu beobachten. Weil sie den Winter komplett verschlafen, sind sie nur in den Monaten April bis Oktober aktiv.

Die Haselmaus hat hohe Ansprüche, ihr idealer Lebensraum muss schon einiges zu bieten haben, damit sie sich wohlfühlt und gut leben bzw. überleben kann.

Wichtig:

  • Eine Vielzahl an passenden Nahrungsquellen.
  • Ausreichend Versteckmöglichkeiten.
  • Alte Bäume oder Nistkästen für den Nestbau.
  • Sonnige offene Flächen, damit Sträucher und Bäume auch blühen können und Früchte tragen.
  • Entsprechende Verbindungen – wie Hecken, Sträucher, Äste oder Gebüsche – zwischen den einzelnen Lebensräumen, damit sich die Haselmaus von Fressfeinden unentdeckt bewegen kann.

Geeignete Lebensräume für die Haselmaus sind vor allem naturnahe Waldränder und Feldränder. Neben der Hasel scheinen Pflanzen wie Heckenkirschen, die Brombeere und die Eiche besonders wichtig für die kleinen Nager zu sein.

Brombeeren nascht die Haselmaus nicht nur ausgesprochen gern, im dichten Brombeergestrüpp baut sie auch bevorzugt ihr Sommernest. Verräterische Spuren: Beim Nestbau verwendet die Haselmaus gerne Blätter und die abgeschälte Rinde von Zweigen des Geißblattes.

Schlaf gut, Haselmaus!

Den Namen "Schlafmaus" hat die Haselmaus nicht umsonst bekommen – denn wenn es im Oktober kühl wird, ziehen sich die kleinen Nager in ihre Winternester zurück und schlafen ein halbes Jahr lang!

Direkt am Boden, zum Beispiel in einem Erdloch oder unter einer dicken Laubschicht, überwintert es sich am besten. Dort sind die Temperaturen kühler und bleiben stabil, die hohe Luftfeuchtigkeit sorgt außerdem dafür, dass die kleinen Säuger nicht zu viel Flüssigkeit verlieren.

Riskant ist die Unternehmung Winterschlaf für die Haselmäuse trotzdem: Vorräte haben sie keine angelegt, können also nur von den Fettreserven zehren, die sie sich im Herbst angefuttert haben. Wenn das Fettpolster nicht ausreicht oder der Winter besonders streng und frostig wird, müssen die Haselmäuse verhungern.

Ganz wichtig: Bitte keinen Nistkasten öffnen, um Haselmäuse zu suchen! Werden die Tiere auf diese Weise während ihres Winterschlafs gestört, verlieren sie wichtige Fettreserven.

Von wegen bodenständig … Haselmäuse sind Luftikusse!

Während ihrer aktiven Zeit in den Frühlings- und Sommermonaten findet man die Haselmaus vor allem in luftigen Höhen. Sie ist eine Kletterkünstlerin und ausgesprochen akrobatisch, hangelt sich mit ihren winzigen Pfoten geschickt von Zweig zu Zweig, kann selbst glatte Baumstämme hinauf- und hinunterklettern.

Bodenhaftung? - Nein, danke! Lieber nimmt die Haselmaus Umwege in Kauf, als vom Baum hinunterzuklettern. Das ist auch gut so, denn auf dem Boden lauern die Gefahren: Eule, Fuchs, Dachs, Marder, Wildschwein, Wildkatze oder Hauskatze haben die Haselmaus zum Fressen gern und können sie am Boden besonders gut erspähen. Freie und offene Flächen werden von Haselmäusen deshalb nur sehr ungern überquert.

In Briddlesford Woods auf der Isle of Wight wurde die erste Haselmausbrücke der Welt gebaut, um zwei Haselmausreviere zu verbinden, die bisher durch eine Bahnlinie getrennt waren.

Warum ist die Haselmaus überhaupt Tier des Jahres 2017?

Wer sich mit der Wahl zum Tier des Jahres ein bisschen auskennt, der weiß: Oft hat diese Auszeichnung nicht unbedingt Gutes zu verheißen. So auch im Fall der Haselmaus: Die Wahl zum Tier des Jahres 2017 soll darauf aufmerksam machen, dass die Haselmaus es inzwischen ziemlich schwer hat.

Haselmäuse sind vom Aussterben bedroht und in ganz Europa streng geschützt. Ihr Problem: Es fehlt vor allem an passenden Lebensräumen.

Wer mehr darüber erfahren möchte, wie es der Haselmaus in Deutschland geht und was man tun kann, um sie zu schützen, der findet auf der Website der Deutschen Wildtier Stiftung oder beim Naturschutzbund (NABU) aktuelle Informationen:

Haselmaus - Kletterkünstler in der Strauchschicht

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