Der Flug in den Süden

Die mit Sendern ausgerüsteten Störche Ronja, Nobby, Arthur, Michael und Gustav sind auf dem Weg in ihr Winterquartier in den Süden. Der Bericht über die vier Störche aus Schleswig-Holstein gilt für die vielen Tausend Störche. Über den gefährlichen langen Flug lesen Sie mehr unter Der Storchenzug - Todesfalle Stromleitung

Störche ziehen in großen Trupps, aber nicht wie die Gänse oder Kraniche in Formation. Störche fliegen als Segelflieger ungeordnet. Sie schrauben sich in einer Thermik in die Höhe und segeln dann bis zum nächsten Thermikschlauch. Diese Thermiken nutzen dann meist viele hundert Störche auf einmal. An den Flaschenhälsen des Zuges, wie in Israel oder am Bosporus, können dann Storchentrupps von mehreren tausend bis zehntausend Vögel beobachtet werden. 

Der Rückflug in den Winter 2016 / 2017 live

Nobby zog mit seiner Partnerin – sie flog schon Mitte August gen Süden ab - im Jahr 2016 zwei Junge auf und flog am 23. August in weitem Radius eine Proberunde um Bergenhusen herum, kehrte aber noch einmal in sein Nest zurück. Am 24. August flog er in Richtung Westen ab. Am 26. August verließ er Schleswig-Holstein bei Wedel, flog über die Elbe und landete mit einer Schlafunterbrechung bei Nienburg/Weser am 27. August in der Nähe von Düsseldorf. Nobby ist mit einem neuartigen GMS GPS Logger ausgestattet. Dieser Logger nimmit alle fünf Minuten eine Ortung auf und sendet sie über das Mobilfunknetz an den NABU in Bergenhusen. Nobby, wenige Tage vor dem Abzug ins Winterquartier.

 

 

 

 

Nobby putzt sich (Foto © NABU/Kai Thomsen)

 

 

 

Ronja ist wie Nobby ein Westzieher und inzwischen auch unterwegs. Sie flog am 21. August ab und landete am 25. August bereits in den Niederlanden. 

Michael startete schon sehr früh, nämlich am 19. August. Er überquerte Polen und flog an den Karpaten entlang und dann über sie hinweg. Weiter führte ihn sein Weg über die östliche Slowakei und Ungarn nach Siebenbürgen in Rumänien.

Arthur ist Ostzieher und wird wohl zunächst wie in den Vorjahren in die östliche Sahelzone in den Sudan oder Tschad ziehen.

Gustav ist noch geblieben. Kein Wunder, denn seine Jungen sind erst vor kurzem flügge geworden.

Die Brutbilanz 2015: Im Westen gut, im Osten trüb

Augenblicklich macht sich der diesjährige Storchennachwuchs auf seine erste lange Reise in die südlichen Winterquartiere. Die Elterntiere folgen in ein paar Tagen. Die Storchenschützer des NABU ziehen inzwischen eine unterschiedliche erste Bilanz:. Während er in den westlichen Bundesländern Zunahmen verzeichnete, gebe es in den Hauptverbreitungsgebieten des Weißstorches östlich der Elbe leichte Bestandsrückgänge.

Die Brutsaison begann bundesweit vielversprechend: Wie gewohnt kamen die Tiere, die in Spanien überwinterten, schon sehr zeitig in ihre Brutgebiete zurück. Auch die ersten Ostzieher waren bereits Anfang April wieder in ihren ostdeutschen Brutgebieten angekommen. Danach jedoch wurden die noch ziehenden Weißstörche durch ungünstige Witterung auf ihrer Reise behindert. So kamen letztendlich doch viele erst spät in ihre Nester zurück, zu spät, um noch mit einer erfolgreichen Brut zu beginnen.

In Deutschlands storchenreichstem Bundesland Brandenburg zog ein Storchenpaar im Schnitt weniger als zwei Jungtiere groß. Das reichte in in diesem Jahr nicht zum Bestandserhalt aus. Hinzu kommt, dass durch die enorme Ausweitung des großflächigen Mais-, Raps- und Sonnenblumenanbaus in Brandenburg der Lebensraum der Weißstörche ohnehin immer kleiner wird. In Westdeutschland hingegen war die Witterung für die Störche gut, und ein sogenanntes "Mäusejahr" sorgte für viel Futter, so dass hier überdurchschnittlich viele Jungstörche in den Nestern groß wurden.

Im vergangenen Jahr brüteten allein in Brandenburg 1.400 Paare, in Deutschland insgesamt über 6.100 Weißstorchpaare.

2016 war ein äußerst schwieriges Brutjahr.

Ostzieher und Westzieher

Thermiken mit starkem Aufwind entstehen nur über Land. Deshalb wählen die Weißstörche für ihre Flüge nach Afrika und zurück nicht den kürzesten Weg über das Mittelmeer, sondern wählen den Ostkurs oder den Westkurs über das Land mit einer möglichst kurzen Strecke über das Meer.

Die Westzieher. Ein Viertel der aus Deutschland kommenden Weißstörche wählt die Westroute. Sie verbringen den Sommer zumeist in Südwestdeutschland und fliegen über Gibraltar und die Sahara in die westafrikanische Sahelzone zwischen Senegal und Tschad. Zu ihnen gesellen sich während ihres Fluges die Störche aus der Schweiz, Frankreich und Spanien. Aber nicht alle Störche fliegen auf dieser Route bis nach Afrika. Verstärkt ist in den letzten Jahren zu beobachten, daß Störche in Spanien bleiben und sich auf den dortigen Mülldeponien durchfuttern.

Die Ostzieher. Drei von vier Weißstörchen aus Deutschland fliegen über die östliche Route und brauchen bis auf den Bosporus keine Meerenge zu überqueren. Sie fliegen über den Bosporus, die Türkei und den Nahen Osten mit Israel, Palästina, Jordanien und quer über die Halbinsel Sinai den Nil entlang bis in den Sudan oder weiter nach Tansania oder gar bis nach Südafrika. Das sind für einige Störche 10.000 Kilometer pro Strecke, für die sie mindestens 1 ½ Monate benötigen. Die "Storchostautobahn" nutzen pro Zug etwa 500.000 Störche aus Mittel- und Osteuropa. Die Türkei mit ihren Sumpfgebieten dient dabei als willkommener Rastplatz ohne jegliche Störung durch den Menschen, weil der Storch gen Mekka fliegt und somit den Schutz der Bevölkerung genießt. Nachdem sie sich in der Türkei gestärkt haben, sind die Störche kräftig genung für den Weiterflug.

Wer hat's herausgefunden?

Natürlich bedarf es für diese Erkenntnisse streng wissenschaftlicher Untermauerung. Erstmals hat eine nicht genannte deutsche Gräfin bei einem Storch ein Silbermedaillon angebracht.. Dieser Storch wurde 1846 in Palästina gefangen. Wissenschaftlich aber wurde es erst durch den dänischen Lehrer Mortensen, der Ende des 18. Jahrhunderts in ausreichender Zahl Störche planmäßig beringte und so den Störchezug und die Intensität der Nutzung von Ostkurs oder Westkurs genau belegen konnte.

Seit Mortensen wurden ungefähr 150.000 Störche beringt. Das Beringen wurde eingestellt, als sich herausstellte, dass afrikanische Ureinwohner die beringten Störche jagten, um sich mit den Aluminiumringen zu schmücken.

Moderne Technik mit Sendern statt Beringung

 

Heute sitzen die wissenschaftlichen Nachfahren von Mortensen im Störchezentrum in Schleswig-Holstein und "besendern" Weißstörche. Dort, in einer der größten Storchenkolonien Europas mit durchschnittlich 19 Storchenpaaren in der kleinen 750-Seelen-Gemeinde Bergenhusen, zwischen Friedrichstadt und Schleswig gelegen, betreibt der Naturschutzbund NABU das Michael-Otto-Institut Bergenhusen und untersucht die Zugrouten der Weißstörche.Zu diesem Zweck werden seit 2009 Störche mit Solarsendern versehen, die wie Rucksäcke auf dem Rücken befestigt sind. Sie behindern die Weißstörche überhaupt nicht.
Besonderes Anliegen des NABU bei der Besenderung der Weißstörche ist es, Fingerzeige und Erklärungen zu finden, warum es Jahre gibt, in denen sich die Störche bei der Rückkehr in die Brutgebiete kräftig verspäten. Eine verspätete Ankunft im Brutgebiet kann zu einer Abnahme der Störche führen, die noch Zeit für die Brut und Aufzucht der Jungen finden.

 Storchendorf Bergenhusen (Foto © Gemeinde Bergenhusen; Karte und übrige Fotos NABU)

 

Die Storchentreue

Astrid und Emma waren 2015 verstorben. Diese Tatsache ist Anlass, die sprichwörtliche Treue von Storchenpaaren anzusprechen. Weißstörche können bis zu 35 Jahre alt werden.

Störche sind ihren Horsten treu, nicht aber unbedingt aber ihrem Partner. Jeder Storch möchte bei seiner Rückkehr aus dem Winterquartier den Horst aus dem Vorjahr besetzen. Ist er besetzt, Pech gehabt. Kommt derselbe Partner rechtzeitig zum selben Horst, Glück (oder Pech) gehabt.

Kurz nach der Ankunft aus dem Süden paaren sich die Störche, reparieren ihr Nest und legen zwei bis sechs Eier. Nach der Ablage des zweiten Eies beginnt die Brut. Während der Brutzeit bleiben sich die Störche, die sich für die Saison gefunden haben, unbedingt treu. Nach 30 Tagen Brutzeit schlüpfen die Jungen.Danach bleibt immer ein Elternteil am Nest, um die Jungen vor Hitze, Regen und Kälte zu schützen, während der Partner auf Futtersuche geht.

Junge Störche haben einen schwarzen Schnabel, der zeitgleich mit den ersten Flugversuchen in der neunten Lebenswoche langsam rot wird.

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