Ausgeklügelte Angriffstaktik und neue Waffentechnologie führten zum Erfolg

Zunächst einmal gelang es Thutmosis III. deshalb, die Stadt einzunehmen, weil er sich anstatt der leichtesten Angriffsrouten für die unwegsame Route durch ein ausgetrocknetes Flussbett entschied. Auf die Attacke der ägyptischen Soldaten war die syrische Stadt demzufolge absolut nicht vorbereitet.

Auch die Waffentechnologie sowie das Beherrschen einer perfekten Logistik der Pharaonen-Streitkräfte waren verantwortlich dafür, den Gegnern weit überlegen zu sein. Im Gegensatz zu den Libyern, Hethitern und Nubiern, welche ausschließlich mit Krummschwertern, Dolchen und Äxten kämpften, verwendeten die ägyptischen Truppen zusätzlich eine hervorragende Waffe – den Kompositbogen. Dieser aus mehreren Holzschichten bestehende Bogen wurde mit einer Zugkraft von etwa 70 Kilogramm gespannt, wodurch beim Abschuss eine enorme Reichweite erlangt werden konnte. Selbst die Zielgenauigkeit war auf eine Entfernung von 250 Metern noch absolut präzise.

Ein eingespieltes Team auf dem Streitwagen

Bestens geeignet für den Nahkampf waren vor allem die wendigen Streitwagen, deren Einsatz die Altägypter bei den damaligen Angriffen der Hyksos als vorteilhaft erkannten. Mit bis zu 50 Stundenkilometer steuerte der Wagenführer das gepanzerte Gefährt, welches von üblicherweise zwei Pferden gezogen wurde. Auch die Tiere erhielten durch stabile Umhänge Schutz vor auftreffenden Pfeilen. Ein zweiter Soldat auf dem Wagen konnte sich voll und ganz auf den Kampf konzentrieren und attackierte die Gegner mit Schwert und Bogen.

Während der Eroberungszüge wurden die Streitwagen zerlegt, auf Esel geladen und kurz vor der jeweiligen Schlacht wieder zusammengesetzt. Dies war notwendig, da die Gefährte im Wüstensand ständig steckenblieben. Durch diese Methode gelang es den ägyptischen Streitkräften, jeden Tag 40 Kilometer der heißen Wüsten Nubiens und Libyens zu durchdringen. Funktionieren konnte ein derart strapaziöser Marsch allerdings auch nur, weil der Pharao zusätzlich mehrere Wasserdepots entlang der jeweiligen Pfade anlegte.

Ne'arin – die Spezialeinheit von Ramses II.

Ein wichtiger Faktor für das Erreichen der Stellung als Weltmacht ist ebenso das gut organisierte Zusammenspiel der militärischen Streitkräfte. Aber auch Spezialeinheiten spielten eine wichtige Rolle. Bei der wichtigen Schlacht um Kadesch wurde Ramses II. und seine aus 5.000 Soldaten bestehende Amun-Division im Westen der syrischen Stadt in einen Hinterhalt gelockt. Da eine 10.000-köpfige Hethitertruppe eine weitere Division des Pharaos angriff, konnte jene Re-Division ihren König nicht aus der Zwangslage befreien. Hilfe konnte Ramses II. auch von seiner Ptah- und Seth-Division nicht erwarten, weil diese zu weit südlich stationiert waren.

Doch der Pharao hatte strategisch vorgesorgt – er besaß eine Spezialeinheit. Diese, die Ne'arin, hielt sich im Norden auf und konnten den Pharao letztendlich zusammen mit der Amun-Division aus den Fängen der Hethiter befreien und zurück nach Ägypten bringen. Erst später gelang es Ramses dem Großen mit diplomatischem Geschick, einen Friedensvertrag mit dem Hethiter-König zu schließen.

Auch Thutmosis III. wusste schon 150 Jahre vor Ramses II., dass effektive Ergebnisse in Sachen Kriegsführung nur durch eine straffe militärische Rangordnung zustande kommen. Das altägyptische Reich war zudem eines der wenigen Großmächte, deren Könige direkt an den Schlachten beteiligt waren.

Info: Die Geschichte des Alten Ägypten im Überblick.

write-x, am 25.11.2013
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