"Universalwaffe" Palmöl

Palmöl findet man in fast allen Lebensmitteln, aber auch zum Beispiel im Biosprit. Allein in der EU fließt fast die Hälfte des importierten Palmöls als agrarielle Beimischung in den Biosprit.

Sehr vieles wird mit Palmöl hergestellt. Am Palmöl kommt der Verbraucher bei seinen täglichen Einkäufen sowohl in konventionellen wie auch genau so häufig in Bio-Produkten kaum vorbei, denn es ist enthalten in Waschmitteln, Gesichtscreme, Reinigungs- und Putzmitteln oder Kosmetika wie Cremes und Lippenstiften, ebenso in Kerzen und erst recht aber in vielen Lebensmitteln wie Margarine, Pizza, Keksen, Schokoriegeln, Suppen und Fertiggerichten. In Tütensuppen sorgt das Palmöl dafür, dass das Pulver nicht in der Tüte klebt.

Der Bedarf an Palmöl ist riesig. Mehr Informationen enthält der Artikel Palmöl, Palmöl über alles...

Palmöl in Zahlen

Insgesamt wurden 2015 in Deutschland 1,044 Millionen Tonnen Palmöl konsumiert. Rechnerisch verbraucht damit jeder Einwohner 12,6 Kilogramm Palmöl im Jahr.

  • Biosprit ist mit 500.000 Tonnen der größte Verbraucher (45 Prozent des gesamten Verbrauchs an Palmöl), d.h. Biodiesel und hydrierter Biosprit (HVO) als gesetzlich vorgeschriebene Beimischung zum fossilen Kraftstoff. Zudem wird Palmöl in Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung verbrannt.

  • Lebensmittel mit ihrem jährlichen Verbrauch von 245.000 Tonnen wie Margarine, Schokoaufstrich, Crunchmüsli, Speiseeis, Gebäck, Fertigsuppen, Tiefkühlpizzen und Schokoriegel verbrauchen in Deutschland 23 Prozent des Palmöls.
  • Futtermittel für Rinder, Schweine und Geflügel sind mit 145.000 Tonnen mit 14 Prozent dabei.

  • Die Chemie verbraucht 130.000 Tonnen Palmöl; das sind immerhin noch 12 Prozent.

  • Selbst Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel und Kosmetik sind mit ihrem Verbrauch von 20.000 Tonnen mit 2 Prozent dabei.

Palmöl hat viele Namen

Auf Druck der Industrie wurde für Kosmetika, Reinigungsmittel, Kerzen und andere Produkte keine klare Deklarationspflicht eingeführt. Ende 2014 hat die EU wenigstens eine Kennzeichnungspflicht für Palmöl in Lebensmitteln beschlossen.

Damit der Verbraucher nicht sofort merkt, wie sehr er im übrigen für dumm gehalten wird, erscheint Palmöl in der Deklaration, wenn es denn überhaupt deklariert werden muss, unter vielen verschiedenen Namen. Hier die noch nicht einmal vollständige Namensliste des Produkts Palmöl:.

Pflanzenöl, Pflanzenfett, Palmkern, Palmkernöl, Palmfruchtöl, Palmate, Palmitate, Palmolein, Glyceryl –Stearate, Stearate, Stearinsäure, Elaeis Guineensis (das ist der der botanische Name der Ölpalme), Palmitinsäure, Palmstearin, Palmitoyl, Natriumdodecylpolyoxyethylensulfat, Natriumlaurylsulfat, Sodium Kernelate, Sodium Palm Kernelate, Lactylmilchsäureester, Natriumsalz / Natriumlaurylsulfat, hydrierte Fettsäure-glyzeride, Ethylpalmitat, Ethylhexylpalmitat, Octylpalmitat, Palmitylalkohol und 1-Hexadecanol.

Die Herstellung von Palmöl

Palmöl wird aus den Früchten der Ölpalme (Eleais guineensis) erzeugt, Palmkernöl zum geringen Maß aus den gemahlenen Samen. Wenn die Ölpalme zirka drei Jahre als ist, bildet sie in großen und dichten Büscheln wachsende Früchte. Im vierten bis sechsten Jahr steigert sich das Heranbilden von Früchten immer mehr und behält die hohe Produktion von Früchten bis zirka zu ihrem 20. Lebensjahr bei. Im ausgewachsenen Zustand bringen Ölpalmen rund 15 Mal im Jahr Fruchtbüschel von zirka 20 Kilogramm und einen Ertrag von durchschnittlich 3,69 Tonnen pro Hektar hervor. Dann geht der Fruchtertrag wieder zurück und die alten Palmen werden schrittweise durch neue Palmen ersetzt.

Wenn sich die ersten Früchte aus dem Fruchtbüschel lösen, ist mit 45 bis 50 Prozent der höchste Ölgehalt und damit der Erntezeitpunkt erreicht.

Die Ölpalmfrüchte werden dazu bei hohen Temperaturen und Druck in Palmölmühlen gepresstwobei man das orangerote kremige Rohpalmöl (Crude Palm Oil, CPO) erhält. Fast alles Palmöl auf dem Weltmarkt wird in Raffinerien raffiniert, gebleicht und desodoriert (RBD Palm Oil)wobei unerwünschte Fest-, Farb-, Geruchs- und Geschmacksstoffe aus dem Öl entfernt werden. Eine andere Möglichkeit ist es, das Öl mit Lösungsmitteln zu extrahieren.

In die ganze Welt liefern Indonesien und Malaysia zusammen etwa 50 Millionen Tonnen Palmöl. Das sind rund 85 Prozent der Weltmarktproduktion.

Palmöl ist nicht gerade gesund

Palmöl besteht zur Hälfte aus gesättigten Fettsäuren, die hohe Cholesterinwerte und Herzkrankheiten verursachen können und als "Dickmacher" verschrien sind. Es besteht zu 50 Prozent aus gesättigten Fettsäuren, zu 40 Prozent aus einfach ungesättigten Fettsäuren und zu 10 Prozent aus mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Palmkernöl, das für Kakaoglasuren, Eiskonfekt und Karamell verwendet wird, besteht sogar zu 80 Prozent aus gesättigten Fettsäuren.

Raffiniertes Palmöl enthält außerdem meist hohe Mengen sogenannter Fettsäureester, die als krebserregend gelten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA warnen vor der Aufnahme der Palmöl-Schadstoffe.

Besonders bedenklich ist deren Vorkommen in Säuglingsnahrung und Babyersatzmilch. Auch Nuss-Nougat- und Schoko-Brotaufstriche enthalten fast durchweg sehr viel schadstoffbelastetes Palmöl. Die Gesundheit von Babys und Kindern ist dabei besonders gefährdet, da ihr Körpergewicht im Verhältnis zu den aufgenommenen Schadstoffmengen gering ist.

Dabei gibt es doch gerade für die Verwendung in der Küche so viele andere und viel gesündere Öle. In Europa wird eine breite Palette von guten und gesunden Pflanzenölen angebaut. Dazu gehören u.a. Lein-, Maiskeim-, Oliven-, Raps- und Sonnenblumenöl. Und wer sich die Mühe macht, die Inhaltsangaben auf den Verpackungen durchzulesen, wird schnell feststellen, dass es jede Menge und vor allen Dingen palmölfreie Produkte gibt. 

Palmöl zerstört den Regenwald

Der ungeheure Palmölkonsum in aller Welt hat fatale Folgen für die Regenwälder und deren Bewohner. Um Platz für Ölpalmenplantagen zu schaffen, werden die artenreichsten Ökosysteme der Erde abgeholzt. Gut sechs Millionen Tonnen Palmöl importieren die EU-Länder pro Jahr, Deutschland mehr als eine Million Tonnen. Das tropische Öl wird für viele Lebensmittel, Reinigungs- und Kosmetikprodukte sowie als Biosprit im Dieselkraftstoff benötigt.

Ölpalmen stammen ursprünglich aus dem afrikanischen Regenwald. Zum Gedeihen brauchen sie tropisches Regenwaldklima, d.h. ständig Feuchtigkeit und hohe Temperaturen. Um Platz für Ölpalmplantagen zu schaffen, werden aber überwiegend die Regenwälder abgeholzt. Schon jetzt breiten sich riesige industrielle Ölpalm-Monokulturen weltweit auf etwa 27 Millionen Hektar in den Regenwaldgebieten am Äquator aus. Das entspricht drei Viertel der Fläche Deutschlands.

Regierungen vergeben vor allem in Urwaldgebieten große Konzessionen an die Ölpalmkonzerne, wobei häufig Korruption und Machtmissbrauch im Spiel sind. Oft wird der Wald auch illegal ohne Genehmigung abgeholzt und in Plantagen umgewandelt.

Die Tropenholz- und Palmölindustrie sind dabei eng miteinander verflochten. Mit dem Einschlag und Verkauf von Tropenhölzern werden oft die Investitionskosten für die Anlage der Ölpalmenplantagen auf dem gerodeten Land finanziert.

Die negativen Folgen für Menschen, Tiere und Pflanzen

Palmöl bringt den Menschen in den Anbaugebieten Not, Elend und Vertreibung. Die Menschen verlieren ihr angestammtes Land an die Palmölkonzerne und werden oft gewaltsam vertrieben. Ihre Lebensgrundlagen und ihre Kultur werden zerstört. Allein in Indonesien, wo 45 Millionen Menschen in Waldgebieten leben, gibt es mehr als 700 Landkonflikte in Zusammenhang mit der Palmölindustrie.

Neue Plantagenflächen werden aus Zeitgründen größtenteils durch Brandrodung geschaffen, wobei sich die Feuer oft auch in angrenzenden Regenwaldgebieten ausbreiten. Immer wieder bedeckt daher beißender Qualm weite Teile Südostasiens – das zeigen Satellitenbilder erschreckend deutlich - mit gravierenden Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. Vor allem Kinder, alte und kranke Menschen treffen die im Rauch enthaltenen Schadstoffe schwer. Studien vermuten wegen der Brandrodungen für Palmöl rund 100.000 Todesfälle.

Mit der Rodung der Tropenwälder und Umwandlung in industrielle Monokulturen wird die enorme natürliche Vielfalt verschiedener Tier- und Pflanzenarten der Ökosysteme vernichtet. Beispielhaft seien die vom Aussterben bedrohten Orang-Utans als Symbol für Tausende weiterer Arten genannt. Öde Ölpalmenplantagen sind nicht mit Regenwäldern vergleichbar. Nur einige wenige Tier- und Pflanzenarten können dort leben.

Auch die Biobranche setzt auf Palmöl. In Hunderten Bioprodukten der bekannten Hersteller wie Alnatura, Allos, Rapunzel usw. ist das tropische Öl enthalten. Zwar verbietet der Biolandbau den Einsatz von Pestiziden, chemischen Düngemitteln und Gentechnik. Aber auch der Anbau von Biopalmöl wird von der Industrie dominiert – auf industriellen Monokulturen.

Allein in Deutschland wurden aufgrund einer völlig fehlgeleiteten Bioenergiepolitik zwei Millionen Hektar Ackerland mit Raps für die Produktion von Biodiesel in Beschlag genommen. Anstatt für die Tanks von Autos und Lastwagen zu produzieren, sollten diese wieder dem Anbau von Lebensmitteln dienen.

Autor seit 6 Jahren
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